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Freitag, 11. Januar 2019 Drucken

Bad Dürkheim: Kultur Regional

Eine Zitrone für Adam

Ausstellung über das Essen in Frankenthal

Von Sonja Weiher

Zitrone statt Apfel: Natascha Mann „Eva und Adam“, Mischtechnik auf Leinwand.

Zitrone statt Apfel: Natascha Mann „Eva und Adam“, Mischtechnik auf Leinwand. ( Fotos : Zeisler/frei)

Riesige Fische aus Draht, biblische Szenen mit Südfrüchten und lorbeerbekränzte Schweinerüssel: Mit der Kulturgeschichte des Essens in Deutschland und Europa beschäftigt sich eine Ausstellung, die heute, 19 Uhr, im Kunsthaus Frankenthal eröffnet wird. „Essen. Not, Kult, Lust“ – der Titel verweist auf die unterschiedlichen Aspekte des Themas, die die Schau darstellen will.

Mindestens dreimal am Tag, nicht zu fett, ohne Zucker, aber sonntags ein leckerer Braten, dazu die Diskussion über weltpolitische Ungerechtigkeiten: Essen ist ein Thema, mit dem jeder etwas anfangen kann. Während in den sozialen Medien im Westen Fotos von kunstvoll gefüllten Tellern geteilt werden, erreichen uns über die Nachrichten Bilder von ausgemergelten Kleinkindern im Jemen.

Auflösen wird die Ausstellung im Kunsthaus diese Ambivalenz nicht, aber sie kann und will Denkanstoß sein. 22 Künstler beziehen in der von der Berliner Galeristin Anke Zeisler kuratierten Ausstellung Position. Die Schau ist die Essenz aus zwei Ausstellungen, die in diesem Jahr in Frankenthals Partnerstadt Strausberg und in Frankfurt an der Oder gezeigt wurden. „Das Thema ist kulturgeschichtlich sehr vielschichtig“, sagt Kuratorin Zeisler. Bewusst stellt sie deshalb dem schlichten Titel drei Schlagworte an die Seite. Zu Not gehören für sie neben Hunger auch Wohlstandsphänomene wie falsche Ernährung und die Auswüchse der Lebensmittelindustrie. Zum Kult wird Essen dann, wenn in der Sterneküche immer verrücktere Moden einziehen, assoziiert die Galeristin. Oder eben auch in Verweisen auf biblische Szenen. Die bekannteste ist wohl die, in der Eva Adam den Apfel reicht. In der Ausstellung wird bei Natascha Mann daraus eine Zitrone, in die das Paar wohl mit der Vertreibung aus dem Paradies beißen muss. Auch der Frankenthaler Harald-Alexander Klimek spielt in seinem „Pfalzreigen“, in dem die üppige Lust am Essen zur Schau gestellt wird, auf diese Szene an. „Einen hervorragenden Handwerker“ nennt die Kuratorin den Frankenthaler.

Seit 17 Jahren betreibt die Berlinerin in ihrer Wohnung im Ortsteil Prenzlauer Berg eine kleine, aber angesehene Galerie. Vier bis fünf Ausstellungen zeigt sie dort, immer zu einem bestimmten Thema. Ihre Arbeit werde von der Berliner Akademie der Künste und anderen Kunsthochschulen wahrgenommen. „Die Künstler arbeiten gerne zu meinen Themen“, sagt Zeisler. Sie suche bewusst nach Trends, nach Themen, die in der Luft liegen. „Zu Essen hat fast jeder schon gearbeitet“, so Zeislers Einschätzung. Das Besondere von „Essen. Not, Kult, Lust“ ist die Variationsbreite der Arbeiten. Das dokumentiert auch ein 60-seitiger Kunstband, der zu der Ausstellung erschienen ist.

Termin

—„Essen. Not, Kult, Lust“, heute bis 17. Februar, im Kunsthaus Frankenthal.

www.galerie-zeisler.de.

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