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Montag, 22. Juli 2019 Drucken

Bad Dürkheim

Dürkheimer Wald: Gestresst von Käfer und Klima

Von Michael Hörskens

Forstamtsleiter Frank Stipp sorgt sich vor allem um Fichten.

Forstamtsleiter Frank Stipp sorgt sich vor allem um Fichten. ( Foto: Hörskens)

Für seine Larven gräbt der Borkenkäfer ...

Für seine Larven gräbt der Borkenkäfer ... ( Foto: dpa)

... Gänge in die Rinde der Bäume.

... Gänge in die Rinde der Bäume. ( Foto: Hörskens)

Der Dürkheimer Wald bereitet dem Forstamt Kopfzerbrechen: Grund ist der Borkenkäfer, der den geschwächten Bäumen zusetzt. Eine Spätfolge des heißen und trockenen Sommers 2018. Betroffen sind vor allem Fichten. Doch Forstamtsleiter Frank Stipp hat schon die eine oder andere Idee, um gegenzusteuern.

„Wir sind in großer Sorge“, erklärt Frank Stipp. Mit ernster Miene berichtet der Leiter des Forstamtes Bad Dürkheim, welches Problem ihn derzeit extrem beschäftig: ein kleines Insekt mit dem lateinischen Namen Scolytinae. Auf Deutsch nennt man ihn Borkenkäfer – und er ist zu einem der gefährlichsten Schädlinge in der Forstwirtschaft herangewachsen. Begünstigt durch den Klimawandel macht er sich auch in den Wäldern rund um Bad Dürkheim breit, wobei er Fichten befällt und diese zum Absterben bringt. „Der Wald ist im Klimastress“, analysiert Stipp.

Ausgangspunkt für die Borkenkäfer-Plage ist nach Aussage des Forstamtsleiters vor allem der außergewöhnlich heiße und trockene Sommer 2018. Die hohen Temperaturen und die Trockenheit hätten gerade der Fichte schwer zugesetzt, betont Stipp. „Diese Baumart liebt es feucht und ist wenig widerstandsfähig gegen Hitze und Dürre“, erläutert der 44-Jährige. Im Gegensatz zu anderen Nadelbäumen wie Kiefern und Tannen, die über tiefe Wurzel verfügen, sind Fichten Flachwurzler. Und da sich die Wasservorräte im Boden durch die geringen Niederschlagsmengen nicht ausreichend aufgefüllt haben, erreichen die Wurzeln der Fichten dieses Lebenselixier schwerer oder kaum.

Harz als Abwehrmechanismus

„Ein Baum braucht aber Wasser um zu leben. Dieses ist notwendig für die Assimilation, die Fichte kann bei einem Mangel nur schlecht Fotosynthese betreiben“, erklärt Stipp. Eine lang anhaltende Wasserknappheit schwächt die Fichte also in ihrer Abwehr gegen den Borkenkäfer. Normalerweise wehrt sich das Nadelgehölz mit Harz gegen den Eindringling. „Der Borkenkäfer, der für seine Larven Gänge in die Rinde bohrt, zerstört aber die Leiterbahnen, lebenswichtige Stoffe werden dadurch gekappt“, so der Forstwissenschaftler. Es kann auch kein Harz gebildet werden, der gesamte Abwehrmechanismus der Fichte fällt aus. Und der Borkenkäfer kann sich munter entfalten. Bis zu 30.000 dieser Insekten können sich hier einnisten. Am Ende stirbt der Baum ab.

Den Fichtenbestand im Bad Dürkheimer Forstamtsbezirk beziffert Stipp auf fünf bis sieben Prozent der Waldfläche. Viele dieser Bäume, etwa im Bereich des Jägertals, sind inzwischen von der Borkenkäfer-Plage betroffen. Das hat auch gravierende Auswirkungen auf die Forstwirtschaft. „Es betrifft Kommunen, den Staat und auch private Waldbesitzer“, berichtet der gebürtige Idar-Obersteiner. Denn von Schädlingen befallenes Holz findet in holzverarbeitenden Betrieben wenig Anklang, die Preise sinken dramatisch. „Allein durch Borkenkäferbefall sind Waldbesitzern in Rheinland-Pfalz im letzten Jahr Schäden von etwa 20 Millionen Euro entstanden“, sagt der Forstamtsleiter.

Doch wie kann man der Borkenkäfer-Plage entgegenwirken? „Zunächst müssen wir versuchen, im Wald aufmerksam zu sein. Wir müssen neu befallene Fichten finden und fällen“, erklärt Stipp. Diese Bäume müssen schnell aus dem Wald gebracht werden, damit die Borkenkäfer sich nicht weiter vermehren. Man kann sie zu einem Sägewerk transportieren oder auf einen Lagerplatz. „Aber weit weg von anderen Fichten“, betont der Forstwissenschaftler.

Pestizide kommen nicht infrage

Im Einzelfall kann ein befallenes Gehölz durch einen Hacker zerkleinert und damit unschädlich gemacht werden. Tote Bäume können stehen bleiben. Was für das Dürkheimer Forstamt nicht infrage kommt ist der Einsatz von Pestiziden. „Wir sind zertifiziert für nachhaltige Waldwirtschaft, das beinhaltet den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel“, unterstreicht der 44-Jährige. Außerdem wolle man Vorbild sein für andere Waldbesitzer.

Aber was tun mit freiwerdenden Flächen? „Das ist eine spannende Frage“, äußert Stipp. „Wir stehen hier vor einer Jahrhundertaufgabe, vor einer großen Herausforderung. Die lautet: Wie machen wir den Wald fit für den Klimawandel?“ Die Beteiligten wie Forstleute, Waldbesitzer oder Politik müssten gründlich an Planungen herangehen und Anstrengungen verstärken. Eine Überlegung Stipps ist die Erhöhung der Vielfalt im Wald. Je größer die Zahl der Baumarten, desto geringer ist das Risiko. Strukturreiche Wälder mit Baumarten, die mit Wärme und Trockenheit gut zurechtkommen, sind für den Klimawandel bestens gerüstet. Denkbar seien möglicherweise „Importe“ aus dem Mittelmeerraum. „Schon vor 2000 Jahren haben ja die Römer die Esskastanie zu uns in die Pfalz gebracht“, sagt er.

„Wichtig für den Klimaschutz“

Der Forstamtsleiter betont eindringlich die Bedeutung des Waldes:  ist wichtig für den Klimaschutz und als Lebensraum für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt.“ Und ergänzend fügt Stipp hinzu: „Ebenso für den Menschen, als Rohstofflieferant oder als Freizeit- und Erholungserlebnis. Der Wald ist für uns systemrelevant.“

Zu seinem Schutz benötige man den Rückhalt der Gesellschaft, sowohl der Politik wie der Bürger. Die Landesregierung hat bereits reagiert und ein Programm „Klimaschutz für den Wald“ formuliert. Eine Sofortmaßnahme sieht dabei vor, sich der Borkenkäfer-Problematik zu widmen. So wurde neben zahlreichen anderen Maßnahmen eine Förderung der Schadholzbeseitigung beschlossen.

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