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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Bad Dürkheim: Kultur Regional

Die Sterne lachen sich kaputt

Annes Welt: Das Horoskop sagt für 2019 nur das Beste voraus – genau wie schon 2018

Anne Vogd hat so ihre Zweifel, was den Blick in die Zukunft anbelangt – besonders in dem Bereich, der Job und Karriere betrifft.

Anne Vogd hat so ihre Zweifel, was den Blick in die Zukunft anbelangt – besonders in dem Bereich, der Job und Karriere betrifft. ( Foto: Fotolia/Dörr)

Ich will das neue Jahr ja nicht schon gleich nach Silvester „dissen“, aber das, was mein Horoskop mir gerade vor die Füße gekübelt hat, wird der Running Gag 2019. Aber ich bin ja selbst schuld: Warum will ich auch wissen, was da abgeliefert wird? Mein kosmisches Mantra lautet in Sachen Liebe: „Die Sterne lächeln.“ Okay. Auch bei Gesundheit steht. „Die Sterne lächeln.“ Gott sei Dank. Aber bei Job & Karriere lese ich doch tatsächlich: „Die Sterne lachen sich kaputt.“ Mein erster Gedanke: derselbe Astro-Müll wie 2018.

Da hieß es nämlich:

Januar: „Merkur beschießt Sie mit so viel Energie, dass Sie problemlos durchpowern können.“ Mein Ziel: eine Führungsposition, die über die des Administrators meiner Whats-App-Gruppe „Mehr Frauen in Führungspositionen – sind doch auch 30 Prozent billiger“ hinausgeht.

Februar: „Auch Mars hat Sie im Visier und fordert ordentlich Leistung.“ Ich liefere, träume sogar nachts von der Arbeit und frage tags drauf beim Chef nach, ob ich das als Überstunden aufschreiben kann.

März: Mein Stern leuchtet, wenn auch nicht besonders hell. Denn Uranus grätscht dazwischen und „triggert“ Versagensängste. Verantwortung, oh Gott! Für mich bedeutet der Kaktus auf meinem Schreibtisch schon zu viel davon. Und wenn ich im ICE mal direkt als Erster an der Tür stehe und für den Knopf verantwortlich bin, frage ich mich jedes Mal, wo der nächste Defibrillator hängt.

April: Neptun beendet dieses kosmische Horror-Szenario und erinnert an die imaginären Säulen, die jeder von uns hat. Bingo! Ich bin zwar nicht die hellste Kerze auf der Torte … Aber andererseits sagt man doch: Unsere Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel singen würden.

Mai: „Der Transit der Mondknotenachse hat Besonderes mit Ihnen vor.“ Oje, das heißt konkret: Noch mehr Pläne und Projekte warten auf mich. Dabei ist mein Terminkalender jetzt schon voller als Paris Hiltons Schuhschrank.

Juni: Merkur im Steinbock rät, persönliche Finanzen auf den richtigen Weg zu bringen. Lohnt sich das bei meinem Einkommen überhaupt? Am 2. Januar startete auf SAT 1 das Tauschexperiment „Plötzlich arm, plötzlich reich“. Ich müsste da gar nicht mitmachen, denn ich kenne das bereits – als „Monatsende – Monatsanfang“.

Juli: „Pluto pflügt sich durch Ihren Karrieresektor.“ Der auch noch! Dabei gehöre ich jetzt schon zu den 18 Prozent aller Deutschen, die regelmäßig an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Nur, dass ich, von Natur aus neugierig, immer sehen will, wie es dahinter aussieht.

August: „Venus empfiehlt aus dem Haus des Teamgeschehens den Zauber des Miteinanders.“ Oh nein! Noch mehr Meetings mit diesen Kirchentagsdialogikern aus dem Marketing.

September: „Der Mond unterstützt Sie jetzt und schärft Ihren Sinn für mehr Effizienz.“ Aus Aufwand-Nutzen-Überlegungen werde ich ab jetzt in Meetings auf die Flusspferdmethode setzen: kurz auftauchen, Maul aufreißen, wieder untertauchen, sich geräuschlos entfernen.

Oktober: „Jupiter wandert in Ihr Zeichen und lässt Sie leuchten.“ Wenn überhaupt, dann nur nach innen. Denn meine Mundwinkel sagen was anderes. Ich müsste permanent einen Handstand machen, damit es für meinen Chef nach positiver Energie aussieht.

November: „Uranus macht sich bemerkbar.“ Dieser verdammte Querulant! Es kommt zum energetischen Knall. Ich hatte nie daran geglaubt, fünf Kollegen mit meiner Strategie überzeugen zu können … und ich hatte recht! Aus meinem Kopfschütteln wird ein Schleudertrauma. Gilt das eigentlich jetzt als Arbeitsunfall?

Dezember: „Ceres wird zu Ihrem Coach. Unter ihm stehen nun doch noch alle Zeichen auf Erfolg.“ Dieser soll auch am Jahresende sichtbar werden. Bin gespannt wie…? Krönender Abschluss: die Weihnachtsfeier. Mein Chef fährt mit einem neuen Porsche vor und meint zu mir: „Wenn Sie weiterhin so hart arbeiten, ihre Ziele verfolgen und sich voll reinhängen …, kaufe ich mir nächstes Jahr eventuell noch einen zweiten.“

Die Kolumne

Anne Vogd stieg 2016 aus der Textilbranche aus und in die Comedy ein. In der Rubrik „Annes Welt“ veröffentlichen wir, was der 53-Jährigen so durch den Kopf geht. |av

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