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Montag, 27. November 2017 Drucken

Bad Dürkheim: Kultur Regional

Die Kindheit nicht ganz ablegen

Theater an der Weinstraße zeigt im Dürkheimer Haus Premiere des Winterstücks „Das fliegende Klassenzimmer“

Von Sigrid Ladwig

Geister überfallen in dem Stück „Das fliegende Klassenzimmer“ die Schüler im Schlafsaal.

Geister überfallen in dem Stück „Das fliegende Klassenzimmer“ die Schüler im Schlafsaal. ( Foto: Franck)

„Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut“, schrieb Erich Kästner. Das „Theater an der Weinstraße“ hat als Winterstück den Jugendroman „Das fliegende Klassenzimmer“ von Kästner auf die Bühne gebracht. Bei der Premiere am Samstag im vollen Dürkheimer Haus erlebten die Zuschauer eine ansprechende Bühnenfassung.

In seiner Inszenierung übernimmt das Theater an der Weinstraße die winterliche Zeit der Handlung. Wie unterschiedlich fünf befreundete Internatsschüler die vorweihnachtlichen Tage erleben, das setzt die Handlung in engen Bezug zu eigenen Erfahrungen des Publikums.

Die Rollen der Schüler übernahmen Jugendliche, als Lehrer agierten ältere Darsteller. Sensibel porträtiert Regisseurin Marisa Völker die fünf Hauptfiguren. Nachdem sich die jungen Darsteller freigespielt hatten, kamen die Aktionen in Schwung und jeder gab seiner Figur Kontur. Interessant und bereichernd, dass mehrere männliche Rollen von weiblichen Akteuren besetzt sind.

Als robuster, hilfsbereiter „Matz“ war Daniel Giel mit viel Energie im Einsatz. Gegen sein Aufbrausen setzte Till Bechtloff als gescheiter, distanzierter Sebastian einen wirksamen Kontrast. Cora Neubauer-Pfähler gefiel als aufrechter Martin in entschlossenen wie in traurigen Momenten. Linn Bechtloff spielte den in sich gekehrten Jonathan. Der Jüngste auf der Bühne war Johann Dreyer. Der Zwölfjährige zeigte die Figur des Uli in einer gelungenen Mischung aus Ängstlichkeit und verzweifeltem Mut. In den Erwachsenen-Rollen des „Justus“ Bökh und des Arztes Robert agierten Walter Bengel und Norbert Dreyer.

Eine berührende Szene war, als Bökh den Schülern von seinem früheren Freund erzählte. Dagegen blieb die emotionale Wirkung leider aus, als sich die beiden Freunde in einer allzu kurzen Szene wiederfinden. Gut gelangen dagegen die handgreiflichen Auseinandersetzungen mit den Stadtschülern, angeführt von Egerland (Laura Dreyer). Auch in ruhigeren Szenen kommen Lichteffekte vor drehbaren Bühnenwänden wirkungsvoll zum Einsatz.

Als Antwort auf die Frage „Glücklichsein, wie geht das?“ formuliert die Inszenierung eine zeitlose Botschaft von Freundschaft, Zusammenhalt und Stärke. Ganz in Kästners Sinne schwingt dabei die Aufforderung mit, seine Kindheit nie ganz abzulegen.

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