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Bad Dürkheim: Lokalsport

Radsport: „Die Alleinherrschaft der Wanderer ist vorüber“

Machen sich im Verein Team Pfälzer Land für den Radsport in Bad Dürkheim stark: Hartmuth Hager (links) und Felix Meermann.

Machen sich im Verein Team Pfälzer Land für den Radsport in Bad Dürkheim stark: Hartmuth Hager (links) und Felix Meermann. ( Foto: privat/frei)

Interview: Es ist wieder Frühjahr und im Wald stoßen Radfahrer auf Wanderer. Für Diskussionen sorgen die Mountainbiker, vor allem aber illegale Downhill-Strecken. Im Interview sprechen Hartmuth Hager, Vorsitzender des Radsportvereins Team Pfälzer Land, und Jugendwart Felix Meermann über Lösungsansätze, über Downhiller im eigenen Verein, über Rücksichtnahme im Wald und über die Vision eines eigenen Radrennens in Bad Dürkheim.

Herr Hager, als ehemaliger Leiter des hiesigen Forstamtes und leidenschaftlicher Radsportler: Wo stehen Sie denn in der Diskussion um die Nutzung des Waldes für den Radsport?

Ich sehe die Nutzung des Waldes für den Radsport als gegeben an und das Gesetz lässt das auch zu. Was fehlt, ist eine Aufklärung für die Leute, die im Wald unterwegs sind im Hinblick darauf was erlaubt ist und was nicht.

 

An der gerade wieder heiß geführten Diskussion sieht man, dass viele Menschen und Gruppierungen ein Interesse an der Nutzung des Waldes haben – auch die zuletzt von einem Förster kritisierten Downhill-Fahrer. Ist aus Ihrer Sicht ein Konsens zwischen Radfahrern und Wanderern überhaupt herstellbar?

Hager: In meinem ausgeprägten Optimismus bin ich der Meinung, dass bei entsprechender Öffentlichkeitsarbeit eine Entflechtung des derzeitigen Konfliktes auf jeden Fall möglich ist. Es muss seitens der Waldbesitzer intensiver in die Aufklärung der Waldnutzer eingestiegen werden. Die Alleinherrschaft der Wanderer im Wald ist vorüber. Der moderne Wanderer ist der Biker. Hier wäre auch der Pfälzerwaldverein mit ins Boot zu holen. Dort existieren große altersbedingte Strukturprobleme. Über die Aufnahme der Mountainbiker könnte man die in Deutschland einmalige Infrastruktur bei den Hütten aufrecht erhalten. Der Pfälzerwaldverein müssten ein großes Interesse daran haben.

 

Die Verdichtung des Waldbodens durch Mountainbikes war ein Vorwurf, den der Förster Robert Kirchner gegenüber Downhillern ins Feld geführt hat. Steht das in einer Relation zu der Verdichtung, die Fahrzeuge der Forstwirtschaft verursachen?

Hager: Die beiden Dinge sind nicht zu vergleichen. Die Verdichtung durch die Stollenräder der Radfahrer ist zu vernachlässigen. Das Problem, das beim Downhill-Fahren entsteht, ist die Fahrrinne. Wäre das Downhill-Fahren überall erlaubt, wäre die Fahrrinne solange unproblematisch, wie sie im Zick-Zack-Kurs verliefe.

 

Was heißt problematisch und unproblematisch in diesem Kontext?

Hager: Es geht um Erosion. Die steilen Rinnen werden nach einigen Befahrungen zu Erosionsrinnen – eben durch den Regen, der Boden wegschwemmt.

Herr Meermann, können Sie als Radfahrer verstehen, dass sich Leute über Mountainbiker im Wald aufregen?

Meermann: Ja, im Wald wie im täglichen Leben geht es um ein auskömmliches Miteinander. Wenn man unterwegs ist, sollte man sich Fußgängern als Radfahrer nicht mit überhöhter Geschwindigkeit nähern und rechtzeitig ein Signal geben. Dann kommt es auch nicht zu Gefahrensituationen.

 

Gibt es da klare Direktiven in Ihrem Verein?

Meermann: Als Jugendwart beim Team Pfälzer Land zeige ich unserem Nachwuchs, wie man richtig reagiert. Dazu gehört, dass man die Geschwindigkeit reduziert oder anhält, dass man freundlich ist und grüßt. Und dann ist auch Akzeptanz zu spüren.

 

Gibt es in Ihrem Verein auch Downhiller?

Meermann: Ja. 90 Prozent sind aber ganz normale Tourenfahrer. Die wollen am Wochenende zum Bismarckturm, zur Lindemannsruh’, zum Ungeheuersee oder zum Eckkopf. Da bewegen Sie sich ganz normal auf Straßen und Waldwegen, wie das Landeswaldgesetz es vorgibt.

 

Aber bei den Downhillern ist das ja anders. Wie gehen Sie damit im Verein um?

Meermann: Wir haben dafür keine Abteilung, keine Ausfahrten und keine Vereinsveranstaltung. Downhill liegt im Trend und wird von vielen Jugendlichen spaßorientiert betrieben. Die fahren nur deshalb den Berg hinauf, um an anderer Stelle schnell herunterzufahren. Die Busverbindung zur Lindemannsruh’ wird ja intensiv genutzt, um dann mit den „Maschinen“ bergab zu fahren. Wir als Verein können diesen Jugendlichen kein Angebot machen, weil wir uns ja auf den offiziellen Wegen bewegen müssen.

 

Weisen Sie ihre Mitglieder denn darauf hin, dass sie sich auf illegalem Terrain bewegen, wenn sie privat zum Downhill gehen?

Meermann: Ja, natürlich findet da Kommunikation statt. Aber im Privaten muss natürlich jeder schauen, was er macht. Für unsere Mitglieder ist es eigentlich kein großes Problem, denn wir organisieren Fahrten zu Mountainbike-Parks zum Beispiel im Odenwald oder in Freiburg. Am Sonntag geht’s zum Flowtrail nach Stromberg. Wir bieten da Alternativen an, aber wir können nichts regelmäßiges anbieten.

 

Herr Hager, halten Sie es für möglich, dass es irgendwann mal eine legale Downhillstrecke auch am Haardtrand geben wird?

Hager: Ich halte das auf jeden Fall für möglich. Die Mittelhaardt muss zwingend an den existierenden Mountainbike-Park im Pfälzerwald angeschlossen werden. Und wenn der Anschluss vollzogen ist, kann ein Sonderparcours ausgewiesen werden. Dann können die gesetzlichen und die wichtigen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Das ist zwingend, denn es ist ein gefährlicher Sport. Für einen legalisierten Betrieb einer solchen Anlage ist ein Betreiber notwendig.

 

Wer könnte ein Betreiber sein?

Hager: Entweder ein Privatmann auf seinem Grundstück. das ist eher unwahrscheinlich. Ansonsten muss es eine kommunale Einrichtung sein.

 

Stehen wir nicht gerade vor einer grundsätzlichen Frage über die Nutzung des Pfälzerwaldes für verschiedene Personengruppen?

Hager: Die Nutzung des Waldes ist per Gesetz zum Zweck der Erholung gedacht. Verändert haben sich die Umstände, wie die Menschen sich heute von der Arbeit erholen. Davon ist auch die Waldnutzung betroffen. Es ist ja Fakt, dass es Downhiller gibt. Selbst wenn es verboten ist.

 

Muss man das Landeswaldgesetz ändern?

Hager: Das Landeswaldgesetz wird das mittel- bis langfristig offensiver berücksichtigen müssen als das bisher der Fall ist.

 

Kommen wir mal zum Team Pfälzer Land: Der Verein besteht seit 2011 und hat jetzt 110 Mitglieder. Sind Sie zufrieden?

Hager: Ich denke, dass wir derzeit ein expandierender und gefragter Verein sind. Erfreulich ist die Zunahme des Interesses unter den Jugendlichen, wo wir überdurchschnittlich wachsen. Wir arbeiten da übrigens auch mit dem Forstamt zusammen. es gibt einmal im Jahr eine geführte Tour durch den Wald für die Öffentlichkeit. Danach steigen bei uns die Eintrittszahlen.

 

Nun sind Sie ja nicht nur als Mountainbikefahrer, sondern auch als Rennradfahrer aktiv. Früher gab es in Bad Dürkheim mal ein Radrennen. Gibt es Überlegungen, so etwas wieder zu schaffen?

Hager: Das ist auf jeden Fall im Fokus. Dieses Jahr soll es erstmal ein vereinsinternes Rennen geben. Da wollen wir uns mal vortasten. Besprechen müssten wir eine größere Veranstaltung natürlich zunächst mal mit der Stadtverwaltung.

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