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Mittwoch, 24. Juli 2019 Drucken

Bad Dürkheim

Blechlawinen mit einem Lächeln umfahren

Rund ums Rad: Wie E-Bikes den „normalen“ Rädern und sogar manchem Auto den Rang ablaufen

Von Achim Wagner

Unterwegs mit dem Pedelec: Rainer und Marcel Maurer vom Bella Bici.

Unterwegs mit dem Pedelec: Rainer und Marcel Maurer vom Bella Bici. ( Foto: Franck)

„Wir verkaufen fast nichts anderes mehr“, sagt Rainer Maurer vom Wachenheimer Radladen Bella Bici und meint damit E-Bikes. Mag sein, dass die hügelige Landschaft an der Weinstraße und der nahe Pfälzerwald mit seinen knackigen Anstiegen zur Lindemannsruhe oder zum Rotsteig die motorunterstützten Räder hier besonders attraktiv macht.

Denn bundesweit dominieren immer noch die rein muskelgetriebenen Fahrräder. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr wurden im vergangenen Jahr 980.000 Räder mit Elektromotor verkauft. Das sind zwar 36 Prozent mehr als im Vorjahr, am gesamten Fahrradmarkt erreichen sie damit aber erst einen Anteil von 23,5 Prozent. Langfristig hält der Zweirad-Industrie-Verband einen Marktanteil von 35 Prozent für realistisch.

Erhöhen der eingebaute Rückenwind der elektrisch unterstützten Fahrräder den Spaßfaktor beim Freizeitradeln, können sie für Berufspendler eine echte Alternative zum Auto oder zu öffentlichen Verkehrsmitteln sein. Immer mehr Menschen, die an der Weinstraße leben und in Mannheim oder Ludwigshafen arbeiten, steigen aufs E-Bike, genauer gesagt aufs S-Pedelec, um. So wie der Wachenheimer Christof Kohler (50). „Ich fahre zwei- oder dreimal pro Woche damit zur Arbeit nach Mannheim. Besonders auf dem Heimweg, vielleicht noch bei Gegenwind, macht das E-Bike dann richtig Spaß“, erzählt Kohler. Für die 35 Kilometer pro Richtung braucht er dann etwa 50 Minuten. Gerade, wenn in einigen Jahren in Ludwigshafen die Hochstraße abgerissen wird, könnte es mit dem Auto schwer werden, schneller an Rhein oder Neckar zu gelangen.

Bei maximaler Unterstützung der eigenen Trittleistung könnte es mit der Akkuladung auf der Strecke knapp werden. Unter optimalen Bedingungen, also gemäßigten Temperaturen, ohne Gegenwind und mittlerer Motorunterstützung, schaffen durchschnittliche Akkus auch 80 Kilometer. „Ich lade den Akku über den Tag zur Sicherheit nach“, sagt Kohler.

Kohlers Beispiel belegt auch einen Trend, den Rainer Maurer beobachtet: „Die Käufer von Pedelecs werden immer jünger. Früher haben ausschließlich Rentner danach gefragt, heute verkaufen wir sie auch jungen Leuten.“ Ganz billig sind die Räder nicht: Für ein vernünftiges Pedelec sollte man mindestens 1800 Euro veranschlagen, für ein S-Pedelec etwa 3000 Euro. Dafür können Pedelecs angesichts des hügeligen Terrains am Haardtrand eine umweltfreundliche Alternative für Ausflüge in die Umgebung sein. Pendlern nach Mannheim oder Ludwigshafen bieten sie zudem die Möglichkeit, die Blechlawinen mit einem Lächeln auf dem Gesicht zu umfahren.

Die Serie

Von 14. August bis 4. September machen der Kreis Bad Dürkheim und alle seine Gemeinden bei der bundesweiten Kampagne „Stadtradeln“ mit. In den drei Wochen sollen so viele Kilometer wie möglich mit dem Rad statt mit dem Auto zurückgelegt werden. Teams sammeln gemeinsam Kilometer für ihre eigene und für die Kreis-Wertung. Im Vorfeld des Stadtradelns berichten wir in dieser Serie über Themen „Rund ums Rad“.

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