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Freitag, 07. September 2018 Drucken

Bad Dürkheim

Am Café-Stand versackt: Die besten Wurstmarkt-Anekdoten

Schöne Stunden in den Schubkärchlern, die besonderen Gerüche, das beleuchtete Riesenrad – das und noch vieles mehr macht den Wurstmarkt aus.

Schöne Stunden in den Schubkärchlern, die besonderen Gerüche, das beleuchtete Riesenrad – das und noch vieles mehr macht den Wurstmarkt aus. ( ArchivFoto: Franck)

Im Blickpunkt: Am Freitag wird der 602. Wurstmarkt eröffnet. Für viele Dürkheimer ist der Worschtmarkt viel mehr als nur ein großes Volksfest: fünfte Jahreszeit, Ausnahmezustand und vor allem ein Ereignis, das mit unzähligen Momenten und Erlebnissen verbunden ist. Sechs Anekdoten von Menschen mit einer engen Verbindung zum Fest.

Viele schöne Stunden – dem Hut sei's gedankt

 

In jenen Jahren war’s, wo der „Literarische Frühschoppen“ noch literarisch war, und ein Paul Tremmel oder ein Eugen Damm ihre poetischen Glanzzeiten erlebten. Zu einem dieser alljährlichen Mundartevents kam ich – wie gewohnt – in letzter Minute angeschnaubt. Alle Plätze bei den Schubkärchlern längst belegt. Und – wie gewohnt – kam ich mit Hut, diesmal einem hellen großrandigen Strohhut. Der nicht zu übersehende Kopfschmuck machte wohl großen Eindruck auf eine kleine Männergruppe an einem der Tische. Man rückte zusammen und hatte – oh Wunder – plötzlich noch ein Plätzchen für mich frei.

Dem Hut sei’s gedankt, wurde es ein vergnüglicher Vormittag mit viel Mundart, literarischen Gesprächen, Wein und Kartoffelpfannkuchen. Zwischen einem der Herren und mir entwickelten sich alsbald deutlich spürbare gegenseitige Sympathien, und es wuchs daraus eine lange, wunderbare Freundschaft. Jedes Jahr traf man sich am selben Schubkarchstand zu Mundart, Wein und Kartoffelpuffern und natürlich noch unter dem Jahr zu weiteren Pfälzer-Mundart-Veranstaltungen- und Festivitäten. Viele schöne Stunden, zu verdanken – einem Hut.

Gisela Gall, Mundartdichterin

 

Prompte Hilfe nach Geisterbahn-Unfall

 

„Mein schönstes Erlebnis hatte ich gleich in meinem ersten Jahr als Wurstmarkt-Meister“, erzählt Roland Poh (63), der im vergangenen Jahr verabschiedet wurde. Die Geschichte seines denkwürdigen Wurstmarkts von 1991 beginnt mit einem Unfall am ersten Wochenende: Bei einer Gondel in der Geisterbahn sprang die Antriebskette herunter und daraufhin schoss die „Schäß“ ungebremst das Gefälle im dunklen Inneren herunter. Eine Insassin musste wegen ihrer schweren Prellungen sogar zwei Tage ins Krankenhaus. „Ich habe sie mit einem Blumenstrauß gleich besucht, um ihr von der Stadt die besten Genesungswünsche zu bringen“, erinnert sich Poh, der sich als Marktmeister aber auch um die erst einmal still gelegte Bahn kümmern musste.

„Mich hat auf dem Platz ein Mann einer Dürkheimer Firma für Materialprüfung angesprochen und mir angeboten, die Bahn unter die Lupe zu nehmen“, erzählt Poh. „Ich dachte, er meint frühestens am nächsten Tag, aber nein, er machte sich sofort daran, und schließlich konnte die Bahn, an der nichts außer der kaputten Gondel zu beanstanden war, nach nur drei Stunden wieder fahren.“ Doch damit nicht genug. Der Mann wollte noch nicht einmal eine Rechnung. „Wir sind doch eine Dürkheimer Firma, das geht in Ordnung“, sagte der Mann zur Begründung. Seitdem ist Poh endgültig klar, wie sehr der Wurstmarkt in der Dürkheimer Bevölkerung verankert ist.

Roland Poh war von 1991 bis zum Jahr 2017 Marktmeister. Das Gespräch hat Dagmar Schindler-Nickel geführt.

 

Große Feier unserer Dürkheimer Stärken

 

Der Wurstmarkt hat mir seit meiner Kindheit zahllose schöne Momente beschert. Ein ganz besonderer war für mich der Jubiläumsumzug 2016. So viele Vereine, Initiativen, Einrichtungen hatten in mühsamer Vorbereitung ihren Beitrag erarbeitet und es war eine so besondere Stimmung an diesem Tag. Im Triftweg versammelten sich die vielen kreativen Zugnummern, die Dürkheimer reihten sich gut gelaunt an der Strecke auf und ich stieg mit Malu Dreyer und meiner Familie in die Kutsche, die sich Roland Poh für uns als Gefährt ausgedacht hatte. Ich habe diese Stunde als große Feier unserer Dürkheimer Stärken in Erinnerung: gemeinsam, fröhlich und mit unglaublichem Engagement feierten wir die jahrhundertealte Tradition unseres Wurstmarktes. Was für ein großartiges Fest, dachte ich – und was für eine wunderbare Stadt!

Christoph Glogger, Bürgermeister der Stadt Bad Dürkheim

 

Der Wurstmarkt zaubert wohlige Gefühle in den Bauch

 

Was mein Lieblingswein sei, das wurde ich schon Hunderte Male gefragt. Die Antwort: Es gibt einfach viel zu viele tolle Weine, um sich da auf einen festzulegen. Genauso ist es mit den liebsten Wurstmarkt-Momenten. Mir fallen unzählige ein – eins haben sie alle gemeinsam: Sie zaubern mir ein wohliges Gefühl in den Bauch, sorgen für ein breites Grinsen und enden häufig in einem aufgeregten Quietschen – reine Freude eben!

Zum Beispiel, wenn am Riesenrad die ersten Gondeln eingehängt werden. Wenn die Schubkärchler wieder so selbstverständlich zum Dürkheimer Wohnzimmer werden, als wären sie nie weg gewesen. Wenn die Stadtkapelle beim Eröffnungsumzug den „Jäger aus Kurpfalz“ anstimmt. Wenn zum ersten Mal dieser einzigartige Wurstmarkt-Geruch in die Nase steigt. Wenn die Freunde einen nicht mehr fragen „Und, was machst du heute?“, sondern nur noch „Wann gehen wir?“. Wenn die erste Rieslingschorle im Glas sprudelt. Oder wenn die ganze Familie sonntags trotz langer Wurstmarkt-Nächte rechtzeitig aufsteht, um zum gemeinsamen Dienst im Stand 19 anzutreten. Die besten Wurstmarkt-Momente stecken für mich in den Traditionen und Kleinigkeiten, die dieses Fest für uns alle einzigartig machen. All das ist für mich Heimat pur und lässt mich dankbar sagen: Was haben wir für ein Glück, Dürkheimer zu sein!

Janina Huber, Deutsche Weinkönigin 2014/2015

 

Abtanzen und absacken beim nächtlichen Geheimtipp

 

Um Mitternacht geht die Musik aus!? Nicht auf dem Wurstmarkt, und schon gar nicht am letzten Montag. So jedenfalls Anfang der Neunziger, als es einen nächtlichen Geheimtipp gibt: den Café-Stand von Georg Welker an der Kreuzung bei der Trafostation samt einem Wurfbuden-Betreiber beim Schwarzwaldhaus. Der stellt irgendwann nach zwölf, wenn kaum noch Leute da sind, seine Lautsprecherboxen auf den Tresen und beschallt die Straße mit tanz- und/oder grölbaren Hits – die Große Allee wird zum Freiluft-Dance-Floor: abtanzen und absacken ohne Ende – als gäbe es kein(en) Morgen ...

Selbst die Schubkärchler haben längst dicht, die Ersatzschorle heißt Kaffee-Bailey’s, und als es auch den Pfeilwurf-DJ in die Falle treibt, legen drei junge Burschen los – ein großkarierter Pfälzer mit Gitarre und zwei Bajuwaren mit Quetschkommod und Schellenbaum schaukeln sich wechselseitig hoch. Die „Charts“ klingen jetzt zwar folkloristisch und zu mehr als „Stehwalzer“ ist kaum mehr jemand in der Lage, aber das tut der aufgekratzten Stimmung keinerlei Abbruch.

Das Ende vom Lied: Der irisch-arabische Adrenalin-Schub trägt bis halb sieben in der Frühe, dann bläst die Bauhofkolonne glücklicherweise zum Kehraus. Es sollte zugleich das letzte Mal gewesen sein, dass sich der Autor auf dem Wurstmarkt anderweitig Alkoholisches außer Wein gegeben hat …

Peter Spengler, langjähriger RHEINPFALZ-Redaktionsleiter

 

Mini-Schubkarchstand als Überzeugungshilfe

 

Das Herz des Wurstmarktes sind eindeutig die Schubkarchstände. Hier spürt man direkt unsere Pfälzer Art, gesellig beisammen zu sein und gemeinsam zu feiern. Umso mehr hatte ich mich gefreut, als ich vor fünf Jahren zum Einzug in den Deutschen Bundestag von meinem Opa eine Miniatur-Ausgabe eines Schubkarchstandes geschenkt bekommen hatte. Seitdem steht dieser auf meinem Schreibtisch und erinnert mich ganzjährig an die schönste Dürkheimer Jahreszeit. Viele meiner Berliner Besucher staunen dann bei Gesprächen in meinem Büro und fragen, was dies für ein „Zelt“ sei. Ich korrigiere dann immer und sage: „Das ist kein Zelt, sondern ein Schubkarchstand“, erkläre die Bedeutung und fange sofort von kreisenden Schoppengläsern, trockener Rieslingschorle und langen Nächten zu schwärmen. Danach habe ich dann auch den kühlsten Norddeutschen vom schönsten und größten Weinfest der Welt überzeugt.

Johannes Steiniger, Bundestagsabgeordneter

 

 

Leser-Aktion

—Haben Sie auch einen besonderen Moment auf dem größten Weinfest der Welt erlebt? Dann schicken Sie uns doch einen kurzen Text per Mail an redduw@rheinpfalz.de

 

Auf der folgenden RHEINPFALZ-Seite findet Ihr alle Informationen zum Wurstmarkt.

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