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Samstag, 15. Dezember 2018 Drucken

Südwest

Schottland und Pfalz – Gott erhalt’s!

IM NACHHINEIN: Wie ein preisgekrönter Whisky aus Weisenheim noch Zeit und Muße für eine Schnapsidee lässt

( Karikatur: Mercker)

Palatina, so lautet die lateinische Bezeichnung für die Pfalz. Auch eine weiße Tafeltraube trägt diesen Namen. Whiskyfreunde kennen vielleicht auch den Palatinus, einen Pfälzer Single Malt. Produziert wird er in Weisenheim am Berg. Winzer Thomas Sippel hat ein Faible für edle Brände. Seit 2011 stellt er in seiner Brennerei auch Whisky her.

Vielleicht fließt ein wenig schottisches Blut in Sippels Adern. Genau lässt sich das im Nachhinein nicht sagen. Der Brennmeister ist jedenfalls selbst überrascht, dass ihn jetzt eines seiner Erzeugnisse an die Spitze der deutschen Whiskyproduzenten katapultiert hat. Sechs Jahre ruhte der 45-prozentige Palatinus in einem Fass aus amerikanischer Eiche, bevor er in Frankfurt Gold holte und den „Best Whisky Award 2018“ gewann.

Sippel, ein bodenständiger Pfälzer, kann sein Glück kaum fassen. Im Whisky Guide 2019, dem Lieblingsnachschlagewerk der Whiskyfreunde, ganz vorne zu stehen, ist für ihn fast wie ein Sechser im Lotto. Dabei hatte er vor der Frankfurter Messe Interwhisky lange gegrübelt, welchen seiner Single Malts er anstellen sollte. Derzeit hat er fünf Erzeugnisse aus fünf verschiedenen Holzfässern, die zuvor unter anderem mit Rotwein, Sherry oder Portwein belegt waren. Sippels Wahl fiel schließlich auf die amerikanischen Eiche, da der Whisky aus diesem Fass einen torfig-rauchigen Geschmack angenommen hatte.

Dies muss auch die Experten angesprochen haben, als sie 300 verschiedene deutsche Whiskys verdeckt probierten. Ihre Nummer Eins war der Pfälzer Kandidat, bei dem sie würzigen Rauch im Glas erschnupperten. Den Palatinus beschreiben sie – Weinkenner werden vor Neid erblassen – als betont fruchtig, mit Biss, leichtem Rauch und cremiger Anmutung. Im Nachklang sei der Whisky zart, habe aber dennoch Pfiff. Wer dies daheim nachprüfen möchte, muss 52 Euro für die Flasche berappen. Dabei will es die Destillerie auch belassen, denn die Preistreiberei beim Whisky hält Thomas Sippel für Abzocke. „Man verliert seine Glaubwürdigkeit“, sagt der 46-Jährige. „Die Flasche enthält das, was sie auch vor der Auszeichnung enthalten hat.“

Mehr als zwei seiner preisgekrönten Flaschen pro Kopf wird der Whiskybrenner allerdings nicht herausrücken, denn er muss jahrelang ausharren und hat keine Übermengen. Entsprechend teuer sind auch die Whiskyproben, die er am 16. und 17. Februar in Weisenheim am Berg anbietet.

Sippels Herz schlägt übrigens auch für Gin. Dafür hat er ein Basisrezept entwickelt – aus Mandarinenbrand und 14 verschiedenen Zutaten, darunter Lavendelblüten und Wacholder. Eine neue Variante enthält Ingwer, der den Gin etwas schärfer macht. Mutige Zeitgenossen finden in der Destillerie aber auch einen Gurken-Maracuja-Likör. Gedacht ist er für Sommer-Cocktails mit Gin und war ein reines Zufallsprodukt. Sippel steckte sich eine Praline mit Passionsfrucht-Salatgurkenfüllung in den Mund und spülte mit einem Schluck Gin nach. Ein Aha-Effekt. Kollegen zweifelten allerdings am Verstand des Schnapsbrenners, als er beschloss, Gemüselikör zu machen. Doch er fand die passenden Zutaten und Abnehmer. Winter-Tipp für Süßschnuten: der Butter-Scotch-Likör. Schmeckt angeblich wie das berühmte Sahne-Bonbon… | Petra Depper-Koch

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