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Donnerstag, 13. September 2018 Drucken

Südwest

Pfalz: Überraschend große Erträge bei Weinernte

Von Martina Röbel

Die Weinlese ist mitten im Gang: Hier rollt ein Vollernter durch einen Wingert bei Landau-Wollmesheim.

Die Weinlese ist mitten im Gang: Hier rollt ein Vollernter durch einen Wingert bei Landau-Wollmesheim. (Foto: Van)

Neustadt. Ohne Hektik ist in der Pfalz die extrem früh gestartete Hauptweinlese mitten im Gange. Die Winzer können sich über kerngesunde Trauben freuen. Und davon hängen oder hingen in einem Großteil der Weinberge sogar weit mehr, als angesichts der langen Trockenheit zunächst erwartet worden war. Das ist allerdings nicht in jedem Fall eine positive Überraschung: Aufseiten der Fassweinwinzer herrscht wegen der großen Erntemengen Nervosität, wie der Pfälzer Weinbaupräsident Reinhold Hörner auf Anfrage der RHEINPFALZ bestätigte.

Je Betrieb sei zwar von „sehr unterschiedlichen“ Ernteerträgen auszugehen – insgesamt aber habe „niemand mit solch einer Menge gerechnet“, sagte Hörner, ohne Zahlen nennen zu wollen. Ersten Schätzungen zufolge, über die das Statistische Landesamt in Bad Ems gestern auf unsere Nachfrage informierte, wurde Ende August für die Pfalz eine Gesamtmosternte von rund 2,38 Millionen Hektoliter prognostiziert – womit sie etwa neun Prozent über dem zehnjährigen Mittel liegen würde. Im Frühsommer, so Hörner, hätte er sich dies „nicht träumen lassen“ in Anbetracht der ausbleibenden Niederschläge: „Es hat sich niemand vorstellen können, wozu die Rebe fähig ist.“

 

In vielen Fällen ist es sogar zu viel des Guten, was Mutter Natur im Wingert beschert hat. Denn bei der Weinproduktion gelten gesetzliche Mengenbeschränkungen: Die Hektarhöchstertragsregelung schreibt genau vor, wie viel Wein von jeder Qualitätsgruppe maximal pro Hektar Rebfläche erzeugt werden darf. Hörner geht daher davon aus, dass zwangsläufig nicht alles geerntet werden kann. „Die Trauben hängen lassen zu müssen, tut natürlich weh“, so der Weinbaupräsident.

Hörner: "Ein ideales Jahr"

 

Derartige Sorgen bereite der aktuelle Jahrgang Betrieben, die um hohe Qualitäten bemüht sind, aber nicht. Für alle, „die schon das ganze Jahr über ertragsreduzierend gearbeitet haben“, sei die Entwicklung sehr erfreulich und 2018 „ein ideales Jahr“, meint Hörner in Anbetracht der Güte des Lesegutes.

 

Anders sieht die Lage für Fasswein-erzeuger aus, die für ein anderes Marktsegment produzieren und aus wirtschaftlichen Gründen zumeist das erlaubte Ertragskontingent voll ausschöpfen müssen. Für sie gilt es, sich unter ganz anderen Bedingungen im freien Markt mit all seinen Schwankungen zu behaupten. Da in den vergangenen Jahren aufgrund geringerer Gesamterntemengen Mangel an Wein geherrscht habe, hätten Fassweinwinzer ihre Erzeugnisse „zu guten Preisen“ verkaufen können, erklärt Hörner. Dass sich die Situation nun seit langem wieder mal gedreht hat– wobei unter anderem auch unzureichende Lagerkapazitäten eine Rolle spielen – mache viele nervös. Und es werde jetzt wieder gegen die Mengenregulierung gewettert. „Daran ist aber nichts zu drehen“, betont der Weinbaupräsident. Und was rät er betroffenen Winzern? „Ruhe bewahren, abwarten und genau abwägen: Was braucht der Markt?“

"Riesige Unterschiede" beim Lesefortschritt

 

Druck zu raschem Herbsten besteht derzeit dank der sowohl für die Traubengesundheit als auch fürs Ernten günstigen Witterungsbedingungen schließlich weiterhin nicht. Grob geschätzt sei pfalzweit inzwischen wohl über die Hälfte der Weinberge abgeerntet, sagte gestern Jürgen Oberhofer, Leiter der Gruppe Weinbau im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt. Allerdings gebe es beim Lesefortschritt „riesige Unterschiede“, nicht nur regional sondern auch von Ort zu Ort und Betrieb zu Betrieb - je nach dem zu bedienenden Marktsegment sowie der Betriebsphilosophie und Rebsortenstruktur. So sei beispielsweise vom spät reifenden Riesling erst ein sehr kleiner Teil für Sektgrundwein gelesen.

 

Die noch nicht eingebrachten Weinbeeren präsentieren sich laut Oberhofer nach wie vor in hervorragendem Zustand. „So traumhaft gesunde Trauben gedenken fast keinem Winzer,“ zeigt er sich begeistert davon. Dank des trockenen Sommerwetters sind Pilzkrankheiten, Fäulnis oder die gefürchtete Kirschessigfliege dieses Jahr – zumindest bislang – kein Thema. Und die inzwischen erfolgte Abkühlung kommt, wie der Experte anmerkt, der weiteren Aromareifung zugute. Insbesondere die niedrigeren nächtlichen Temperaturen seien dafür ideal.

Nicht so hoher Alkoholgehalt wie 2003

 

Dass die Trauben „trotz der angespannten Wasserversorgung doch recht prall sind und der Behang so gut ist“, ist auch für die Fachleute vom DLR erstaunlich. Reben haben zwar aufgrund ihrer tief in den Boden reichenden Wurzeln in der Regel weniger Probleme mit Trockenheit als viele andere Pflanzen. Doch angesichts der diesjährigen Dürre war befürchtet worden, dass auch sie irgendwann mehr leiden würden. Fälle von Trockenstress gibt es aber durchaus, wobei laut Oberhofer vor allem „Junganlagen auf flachgründigen Böden“ betroffen sind. Als einen möglichen Grund für den allgemein unerwartet hohen Ertrag führt er an, dass die Reben wegen der in den Vorjahren geringeren Erntemengen „ausgeruht“ waren.

 

Die Mostgewichte seien allgemein „sehr gut, aber nicht überbordend.“ Daher werde es keineswegs so viele Weine mit derart hohem Alkoholgehalt wie beim Jahrgang 2003 geben, der ebenfalls von einem überaus heißen Sommer geprägt war. Oberhofer geht davon aus, dass bei einem Großteil der 2018er Weine der Alkoholgehalt bei 12 oder 12,5 Prozent liegen wird – was den Winzern für die Vermarktung deutlich lieber sei.

Oberhofer rechnet mit "farbintensiven Rotweinen"

 

Hinsichtlich der Jahrgangsgüte erwartet Oberhofer recht „heterogene Qualitäten – abhängig von der jeweiligen Erntemenge“. Auch für nähere Aussagen zur Charakteristik des 2018ers sei es noch zu früh. Sagen lasse sich aber schon grundsätzlich, dass es zum einen „sehr farbintensive Rotweine geben wird“, zum anderen Weißweine „mit moderaten Säuregehalten – was aber sehr gut in den Markt passt“ . Denn bei den Verbrauchern liegen weniger säurehaltige Weine im Trend.

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