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Freitag, 16. Oktober 2015 Drucken

Südwest

Online bestellen, regional liefern

Wir sind digital: Die Verbandsgemeinden Göllheim, Eisenberg und Betzdorf sind Testregionen im Projekt „Digitale Dörfer“

In Eisenberg und Göllheim haben sich schon über ein Dutzend Händler bereit erklärt, sich an einem Online-Shop zu beteiligen. ( Foto: dpa)

Kaiserslautern (jtt/zin). Attraktives Landleben dank modernster Technik: Mit dem Projekt „Digitale Dörfer“ wollen Rheinland-Pfalz und das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern das Leben auf dem Land einfacher machen. Nun stehen die Testregionen fest: Ausgewählt wurden die Verbandsgemeinden Göllheim und Eisenberg (beide Donnersbergkreis) sowie Betzdorf (Landkreis Altenkirchen).

 

Das Fraunhofer IESE beschäftigt sich seit längerem damit, wie sich die Vorteile des Landlebens einerseits bewahren und andererseits die Nachteile abbauen lassen, umreißt Projektleiter Mario Trapp die Initiative „Smart Rural Areas“ (deutsch: „Intelligente ländliche Gebiete“), in der das Projekt angesiedelt ist. Während für Großstädte über das Konzept einer „Smart City“ nachgedacht werde, fehle es an einem passenden Modell für das Leben auf dem Land – das jedoch viele Teile von Rheinland-Pfalz und des übrigen Deutschlands präge, schildert Trapp. Er betreut die Kommunen, in denen ab Januar 2016 getestet werden soll, wie sich das Landleben durch Digitalisierung attraktiver und einfacher gestalten lässt. Aus Sicht des IESE bieten sich hierzu drei Themenfelder an: Mobilität/Logistik, Infrastruktur/Liegenschaften sowie neue Arbeitsplatzmodelle.

Rund 30 Kommunen haben sich laut Trapp als Testregion beworben, fast alle von ihnen setzten ihren Schwerpunkt bei Mobilität und Logistik. So wie auch die drei Verbandsgemeinden Göllheim, Eisenberg und Betzdorf. Sie repräsentieren ab Januar den ländlichen Raum. Die Projekte, die dort getestet werden sollen, werden allerdings ähnlich sein. Alle Ideen seien mit den Kommunen entwickelt worden, berichtet Trapp. Ausgangspunkt sei jeweils, den lokalen Einzelhandel zu stärken – auch gegenüber dem Online-Angebot großer Händler wie Amazon und Zalando.

„Viele Menschen wollen regionale Produkte kaufen, haben aber keine Zeit, verschiedene Geschäfte abzuklappern“, sagt Trapp. Die Lösung: regionale Händler schließen sich zusammen und erweitern ihren Service um ein kombiniertes Internetangebot. So seien regionale Lebensmittelhändler, deren Ware die Kunden online bestellen können, ebenso denkbar wie Bekleidungsgeschäfte, die eine persönliche Kundenberatung via Internet anbieten und die die ausgesuchte Ware liefern lassen. Wichtig sei, dass die Ware anschließend rasch zum Kunden komme.

Dabei setzt das IESE auf eine Mitmach-Logistik. Ehrenamtliche Helfer, Nachbarn und Kurierdienste sollen die Waren transportieren. Allerdings nicht mehr automatisch zur Haustür des Kunden, sondern zu Verteilstationen, in denen die Kunden jederzeit Zugang zu ihrer Ware haben, gibt Trapp ein Beispiel. In zwei je vierwöchigen Testphasen soll die Idee im nächsten Jahr getestet werden – und so den Menschen gezeigt werden, was mit digitaler Hilfe möglich sei. Die dazu notwendige Software entwickelt das IESE, das anhand einer Simulation hochrechnen will, welche Projekte auf Dauer tragfähig sind.

Für die Verbandsgemeinden Eisenberg und Göllheim wird die Hauptaufgabe in den kommenden Monaten darin bestehen, genügend Ehrenamtliche zu finden, die in den Testphasen als Besteller und/oder Auslieferer fungieren. Rund 1000 Bestellungen sollen in einem Testmonat getätigt werden, damit die Simulation die gewünschten Erkenntnisse liefert. Auf Händlerseite haben sich bereits über ein Dutzend Händler bereiterklärt mitzumachen – darunter ein Vollsortiment-Supermarkt und ein Spargel- und Erdbeerproduzent. Das finanzielle Risiko für die beiden Kommunen ist überschaubar. Die Kosten von 200.000 Euro sollen zu 90 Prozent vom Land getragen werden. Die Bewilligung des Zuschusses steht aber noch aus.

 

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