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Dienstag, 10. November 2015 Drucken

Südwest

„Ohne Limit“

Mountainbiker auf einer für diesen Sport ausgewiesenen Waldstrecke. ( Foto: dpa)

Mountainbiker aus Baden-Württemberg entdecken den Pfälzerwald zunehmend als ihr Revier. Denn zu Hause dürfen sie auf Waldwegen, die schmaler als zwei Meter sind, nicht fahren. Doch ist in Rheinland-Pfalz tatsächlich erlaubt, was im Nachbarland verboten ist? Natürlich nicht!

Neustadt/Stuttgart (ros). Die in Freiburg erscheinende „Badische Zeitung“ hat dem Mountainbiken im Pfälzerwald gerade eine ganze Seite gewidmet. Die Botschaft: Dort gebe es für Biker „Genuss und Spaß ohne Limit“. Was darunter zu verstehen ist, beschreibt Autor Stefan Zahler am Beispiel seiner Tour mit dem Pfälzer Ex-Fahrradprofi Udo Bölts. Dabei wird schnell deutlich, dass Spaß und Genuss dann besonders groß sind, wenn von den vorgegebenen Routen abgewichen wird:

Die Fans dieser Sportart in Baden-Württemberg werden dies gerne lesen. Denn dort ist das Radfahren im Forst nach dem Landeswaldgesetz nur auf Wegen erlaubt, die über zwei Meter breit sind. Die mit modernen Geländerädern zu erreichenden Geschwindigkeiten verlangten „eine eindeutige Beschränkung, um gefährliche Begegnungen zwischen Radfahrern und Fußgängern möglichst zu vermeiden“, heißt es zur Begründung. Dabei verweist der baden-württembergische Gesetzgeber auch gerne auf die Straßenverkehrsordnung: Die schreibt nämlich für gemeinsame Fuß- und Radwege außerorts ebenfalls eine Mindestbreite von zwei Metern vor.

Vergeblich forderten Sportler – und auch Touristiker – bisher eine Abschaffung der Zwei-Meter-Regelung. So blieb ein gemeinsamer Vorstoß der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB), des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) sowie der badischen und württembergischen Radsportverbände erfolglos. Das Lobbyisten-Quartett hatte Ende 2013 eine Petition beim Landtag in Stuttgart eingereicht, die von 58.210 Menschen per Unterschrift unterstützt worden war. Mit der Zwei-Meter-Regelung würden Radfahrer in den baden-württembergischen Wäldern „grundlos verunglimpft und kriminalisiert“, argumentierten die Verbände. Der Landtag in Stuttgart lehnte indes vor einem Jahr Änderungen am Landeswaldgesetz ab.

Kein Wunder also, dass die Mountainbike-Begeisterten aus dem Nachbarland nach Ausweichstrecken suchen. Seit zehn Jahren hat der Pfälzerwald einen Mountainbike-Park zu bieten. Bisher sind es fünf ausgewiesene Routen von Rodalben im Südwesten bis Hochspeyer im Nordosten und von Queidersbach im Westen bis nach Lambrecht im Osten – insgesamt ein ausgeschildertes Netz von rund 300 Kilometern Länge.

Derzeit in der Umsetzung ist eine Süderweiterung: Weitere 530 Kilometer sollen dazukommen, die 13 neuen Routen erstrecken sich über das Gebiet der Verbandsgemeinden Annweiler, Bad Bergzabern, Dahner Felsenland, Hauenstein und Pirmasens-Land sowie über den Bereich der Stadt Pirmasens. Die Eröffnung des neuen Angebots, das vom Land mit 234.000 Euro gefördert wird, ist für den Frühsommer 2016 geplant. Der Pfälzerwald würde dann einen der größten Mountainbikeparks in Deutschland mit einer Gesamtstreckenlänge von 800 Kilometern aufweisen.

Schon jetzt registrieren Touristiker im Pfälzerwald einen wachsenden Zuspruch. „Die Diskussion im Schwarzwald um die Zwei-Meter-Regel hat uns sicher nicht geschadet“, heißt es beim Touristbüro der Verbandsgemeinde Lambrecht: „Wir stellen fest, dass immer mehr Mountainbiker aus Baden-Württemberg zu uns kommen.“ Abzulesen sei dies an den Anfragen von Gästen, den Angaben von Tourenanbieter und vor allem aus den Erfahrungen auf den Messen Eurobike in Friedrichshafen und CMT in Stuttgart, sagt die Lambrechter Tourismusexpertin Maria Bergold. Ein weiterer Hinweis: 2013 hatte eine Studentin über den Pfälzer Mountainbike-Park ihrer Bachelorarbeit geschrieben. Ihre Auswertung einer Gästebefragung ergab, dass rund ein Viertel der Besucher aus dem Postleitzahlbereich „7“ stammt, der hauptsächlich Baden-Württemberg abdeckt.

Möglicherweise reisen die Gäste aus dem Nachbarland aber mit überzogenen Erwartungen und falschen Vorstellungen in die Pfalz. Denn außerhalb der Strecken des Mountainbike-Parks ist auch dort kein Spaß und Genuss ohne Limit gestattet. Das Landeswaldgesetz von Rheinland-Pfalz erlaubt Radfahren im Wald nur auf Straßen und Waldwegen.

Was unter „Waldwegen“ zu verstehen ist, erläutert das Gesetz gleich mit: Es sind „nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmete, dauerhaft angelegte oder naturfeste forstliche Wirtschaftswege.“ Damit keine Missverständnisse entstehen, bestimmt das Gesetz auch konkret, was keine Waldwege und somit auch keine Mountainbike-Strecken sind: Maschinenwege, Rückschneisen sowie Fußwege und -pfade. Das heißt: Das Abbiegen auf kleine Waldwege, das Rasen über Wurzeln und Steine auf Pfaden ist Mountainbikern auch im Pfälzerwald nicht erlaubt. Die rheinland-pfälzische Regelung entspreche „in ihren Folgen“ der baden-württembergischen Zwei-Meter-Vorschrift „weitestgehend“, meint man deshalb auch bei der Landesregierung in Stuttgart.

Pfalz-Ticker