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Südwest

Mordfall Torun: Fluch-SMS alarmierte den Sohn des Unternehmers

Warum der Unternehmer-Sohn Eyüp Torun plötzlich ahnte, dass sein Vater Verbrechern zum Opfer gefallen war

Von Christoph Hämmelmann

Macht die Polizei für den Tod seines Vaters mitverantwortlich: Eyüp Torun mit seinem Anwalt Alexander Graf.

Macht die Polizei für den Tod seines Vaters mitverantwortlich: Eyüp Torun mit seinem Anwalt Alexander Graf. (Archivfoto: Bolte)

Im Mordprozess um den Tod Ismail Toruns hat der Sohn des Ludwigshafener Geschäftsmanns am Mittwoch berichtet, ab wann er ahnte, dass sein Vater zum Opfer eines Verbrechens geworden war. Außerdem bezichtigte der 29-Jährige einen Polizisten der Lüge.

Eyüp Torun stockt. Setzt an. Stockt wieder. Spricht dann doch, aber mit bebender Stimme. Dabei hat der 29-Jährige den Frankenthaler Richtern eben noch ruhig und gefasst berichtet, was er von den letzten Lebenstagen seines Vaters Ismail mitbekam. Und wie er am 5. Januar 2017 um 20.12 Uhr erkannte, dass dem 49-Jährigen etwas Schlimmes passiert sein musste. Denn da bekam er von dessen Handynummer eine Kurznachricht, in der ein Architekt mit einem vulgären türkischen Fluch belegt wurde.

Der Firmenchef scheint leiser als sonst zu sprechen

 

Doch so etwas, glaubt der Sohn, hätte sein Vater niemals geschrieben. Umso seltsamer kommt Eyüp Torun auf einmal vor, was in den letzten Tagen geschehen ist. Vom jüngsten seiner Brüder hat er gehört: Der Vater ist angeblich spontan nach Berlin gefahren, um dort ein lukratives Grundstücksgeschäft zu machen. Die anderen Angehörigen sollen davon aber nichts erfahren. Der 29-Jährige telefoniert daraufhin selbst mehrfach mit dem Familienchef. Der scheint ihm leiser als sonst zu sprechen. Und: „Er wirkte irgendwie lieb.“

Bei Fragen zu angeblichem Schnäppchen wird er abweisend

 

Doch andererseits wird der Vater abweisend, als sein Sohn mehr über das Berliner Schnäppchen-Grundstück erfahren will. Statt Informationen bekommt der 29-Jährige einen Auftrag: 200.000 Euro soll er von der Sparkasse holen. Mit ähnlichen Aufforderungen traktiert der wohlhabende Chef einer Unternehmensgruppe mit rund 200 Beschäftigten in jenen Stunden auch viele Freunde und Geschäftspartner: Manche sollen ihm für wenige Tage ein paar Tausend Euro leihen, andere bittet er gleich um sechsstellige Beträge.

Die Geldbündel trudeln sogar in Plastiksäcken ein

 

Schließlich hat der 49-Jährige auch selbst schon oft mit Schnell-Darlehen ausgeholfen. Außerdem kennen ihn seine in der Pfalz lebenden Landsleute als gewieften Geschäftsmann, der einen Riecher für lukrative Spontan-Käufe hat und Unterstützer am Erfolg teilhaben lässt. Am Ende summieren sich die in der Ludwigshafener Torun-Firmenzentrale mal in Briefumschlägen, mal in Plastiksäcken abgegebenen Bargeld-Bündel auf 975.000 Euro – ein Vermögen, das in Mannheim einer der Familie unbekannten Frau übergeben wird.

Nach der Übergabe kommt nur noch die vulgäre SMS

 

Denn sie nennt am Treffpunkt das zuvor mit dem 49-Jährigen am Telefon vereinbarte Passwort. Danach allerdings ist Ismail Torun nicht mehr erreichbar. Von seiner Nummer kommt nur noch die vulgäre Textnachricht, die auf einmal das Schlimmste fürchten lässt. Dutzende Menschen schwärmen aus, um die halbe Nacht lang Toruns Aston Martin zu suchen. Sein Sohn geht derweil zur Polizei. Die findet am nächsten Morgen die Leiche des Vaters. Und nimmt kurz danach seine mutmaßlichen Mörder fest.

Die Polizei hatte die Verdächtigen schon im Blick

 

Einer von ihnen, der frühere Betreiber einer Frankenthaler Wellness-Oase, hatte sich mit jenem Architekten zerstritten, der in der mysteriösen Fluch-Botschaft erwähnt wurde. Doch die Beamten hatten den Verdächtigen und seine Komplizen aus einem anderen Grund im Blick: Spuren führten bereits zu ihnen, als Ende 2016 am Ludwigshafener Willersinn-Weiher die Leiche eines erdrosselten Unternehmers aus dem badischen Brühl gefunden wurde.

Ermittler konnten mithören

 

Heute wissen die Ermittler: Diesen Automatenaufsteller lockten die Täter ebenso wie später Torun in einen Mannheimer Hinterhof, um ihn dort zu überwältigen und anschließend zu erpressen. Doch das erste Opfer starb, ohne jemanden um Geld gebeten zu haben. Also ahnte die Polizei noch nicht, dass sie es mit mordenden Entführern zu tun hatte – und verkannte, in welcher Gefahr Torun schwebte. Dabei konnten die Beamten über angezapfte Verbindungen sogar mithören, wie der 49-Jährige eine knappe Million Euro zusammentelefonierte.

Der Sohn sagt: Ein Polizist hat gelogen

 

Offen ist bislang allerdings, ob diese Telefonate ständig belauscht oder doch erst später ausgewertet wurden. Ein Kommissar beteuerte an einem früheren Verhandlungstag nach einigem Hin und Her, „überwiegend“ sei nur aufgezeichnet worden. Nun sagt Eyüp Torun stockend: Da müsse der Mann gelogen haben. Denn ihm habe dieser Beamte nach der Tat berichtet, dass die Polizei das Verbrechen zwar weitgehend live mitverfolgt habe, aber nicht eingeschritten sei. Der angebliche Grund dafür lässt seine Stimme beben: „Weil man dachte, mein Vater gehört zu der Bande.“

Pfalz-Ticker