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Montag, 15. Juli 2019 Drucken

Südwest

Missbrauchsverdacht in Ludwigshafener Kita: Eltern nach Versammlung verunsichert und empört

In einer Ludwigshafener Kita soll ein Erzieher Kindern zu nahe gekommen sein (hier ein Symbolbild).

In einer Ludwigshafener Kita soll ein Erzieher Kindern zu nahe gekommen sein (hier ein Symbolbild). ( Foto: DPA)

Von Misstrauen gegenüber dem protestantischen Trägerverbund, Empörung, Wut und auch Tränen berichten Eltern nach einer nichtöffentlichen Versammlung am vergangenen Dienstagabend in einer Ludwigshafener Kindertagesstätte. Einige sollen den Saal sogar aus Protest verlassen haben. „Es brodelt“, erklärten Teilnehmer.

Die Mütter und Väter wurden bei der Versammlung über einen Missbrauchsverdacht in der Kita informiert. Eine Mutter hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankenthal Anzeige erstattet. Der beschuldigte Erzieher wurde daraufhin freigestellt, informierte ein Sprecher der Evangelischen Landeskirche. Rund 130 Kinder besuchen die Kindertagesstätte.

Nach der Versammlung am Dienstag berichteten Eltern von einer unklaren Situation. Viele würden sich die Frage stellen, ob ihr Kind betroffen sein könnte und wie sie mit der Situation umgehen sollten. Darauf hätten sie jedoch keine Antworten erhalten. Dass der Beschuldigte vor einiger Zeit aus einer anderen Kita versetzt worden sei, weil er dort wegen „zu großer körperlicher Nähe zu Kindern“ aufgefallen sei, soll viele Eltern fassungslos gemacht haben. Auch warum der Erzieher in der jetzigen Kita die Gruppe gewechselt habe, sei nicht aufgeklärt worden, beklagten Eltern gegenüber der RHEINPFALZ.

Landeskirche schweigt und verweist auf Persönlichkeitsrechte des Erziehers

Die Landeskirche wollte auf Anfrage zum Vorwurf, dass der Beschuldigte bereits in einer anderen Kita aufgefallen sei, aufgrund der Persönlichkeitsrechte des Erziehers keine Stellung nehmen. Zur Versetzung in eine andere Gruppe sagte der Sprecher: „Veränderungen im Personaleinsatz sind ein normaler Vorgang im Betrieb einer Kita.“ Er betonte, dass die Kirche großen Wert auf Aufklärung durch die staatlichen Ermittlungsbehörden lege. Die Elternschaft sei informiert worden, als die Polizei grünes Licht dafür gegeben habe, trat er dem Vorwurf der Vertuschung entgegen. „Der erste Kontakt mit dem Sonderdezernat für Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung fand telefonisch am 4. Juli statt. Für uns war dies dann der Zeitpunkt, die Elternversammlung konkret zu planen.“

Dabei sollten nach dem Wunsch der Kirche Vertreter der Kita, des Trägers, des Dekanats und der Landeskirche anwesend sein, um die notwendigen Informationen geben und Fragen beantworten zu können. Des Weiteren sollten Polizei, Landesjugendamt, Kinderschutzdienst und Erziehungsberatungsstelle eingeladen werden. Nachdem jedoch am 5. Juli Informationen über den Verdacht in die Öffentlichkeit gedrungen seien, sei der 9. Juli als Versammlungstag festgelegt. Die genannten nichtkirchlichen Institutionen hätten ihre Teilnahme abgesagt.

Jederzeit ansprechbar

Die Versammlung sollte nach weiteren Angaben des Sprechers der Landeskirche dazu beitragen, dass die Eltern nicht alleine gelassen werden und Beratungs- und Informationsangebote erhalten. Die Vertreter des Trägers hätten deutlich gemacht, dass sie jederzeit ansprechbar sind. Ebenso eine Fachberaterin, die zuvor beim Kinderschutzdienst gearbeitet habe. Auch sei ein Papier an die Eltern ausgeteilt worden mit Kontaktdaten des Kinderschutzdienstes, der Polizei und des Trägers für weitere Hilfen, so der Kirchensprecher. |evo

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