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Südwest

Ludwigshafener Hochstraßen: Kosten explodieren

Von Steffen Gierescher

Sanierungsfall Hochstraße Süd, wegen ihrer markanten Pfeiler auch „Pilzhochstraße“ genannt.

Sanierungsfall Hochstraße Süd, wegen ihrer markanten Pfeiler auch „Pilzhochstraße“ genannt. ( Archivfoto: mix)

Ihre beiden maroden Hochstraßen werden für die Stadt Ludwigshafen zu einem kaum kalkulierbaren Kostenrisiko: Gestern hat Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) den Stadtrat auf einer Sondersitzung informiert, dass die Sanierung der Hochstraße Süd (B 37) weitaus aufwendiger und viel teurer wird als die ursprünglich veranschlagten 25 Millionen Euro. Eine konkrete Zahl nannte sie nicht. Diese lieferte Kämmerer Dieter Feid (SPD) – für die Hochstraße Nord (B 44). Deren Abrisskosten steigen um 22 auf nunmehr 310 Millionen Euro.

„Das Hochstraßensystem ist ein laufender Sanierungsprozess“, veranschaulichte Bau- und Umweltdezernent Klaus Dillinger (CDU) gestern als dritter zuständiger Politiker aus der Verwaltungsspitze die Gesamtproblematik der in die Jahre gekommenen Trassen. Sie verbinden die Pfalz über die A 650 und den Rhein hinweg mit Nordbaden und sind jeweils in ihrer Stabilität gefährdet. 57 Millionen Euro sind Dillinger zufolge allein seit 2000 in die Instandhaltung der jahrzehntealten Bauwerke gesteckt worden. Die Verkehrsbelastung ist unterdessen weiter gestiegen: 59.000 Fahrzeuge passieren im Schnitt täglich die Süd-Hochstraße, die über die Konrad-Adenauer-Brücke nach Mannheim führt. 44.000 befahren am Tag die Nord-Schwester, über die man via Kurt-Schumacher-Brücke in die Nachbarstadt gelangt.

 

Planerisch kompliziert macht das Ganze, dass der auf mindestens acht Jahre anberaumte Abriss der Hochstraße Nord erst dann beginnen kann, wenn die Süd-Schwester als wichtigste Ausweichroute wieder stabil ist. Das wird nach gestrigen Angaben zweieinhalb Jahre dauern. Baustart soll im Sommer 2020 sein. Die einleitenden Arbeiten für den Abriss der Hochstraße Nord können daher frühestens 2021 und damit ein bis zwei Jahre später als geplant beginnen. Mit spürbaren Verkehrsbehinderungen rechnet Dillinger jetzt ab 2023.

Spannglieder korridiert

 

Wie aktuelle Untersuchungen ergeben haben, sind die Spannglieder des filigranen Schalentragwerks der bereits für Lkw ab 3,5 Tonnen gesperrten Hochstraße Süd durch Korrosion stärker angegriffen als angenommen. Auf einem 500 Meter langen Teilstück („Pilzhochstraße“) soll die bundesweit einzigartige Konstruktion nach Prüfung mehrere Alternativen durch ein sogenanntes Galeriebauwerk gestützt werden, das 30 Jahre halten soll, wie der verantwortliche Ingenieur Heinz-Josef Vieth vom Karlsruher Büro Krebs und Kiefer erläuterte. Durch die undichte Fahrbahnplatte seien Tausalze (Chloride) an den sensiblen Fugen zwischen den mächtigen Einzelbauwerken an die inzwischen großteils verrosteten Spannglieder gelangt und hätten diese beschädigt. Das beeinträchtige die Statik der Trasse erheblich. Eine genaue Kostenschätzung könne erst erfolgen, wenn die Voruntersuchungen im Herbst endgültig abgeschlossen sind. Im Raum stehende Kosten von 70 Millionen Euro wollte gestern keiner der Politiker bestätigen. Bis auf einige Vollsperrungen für Betonarbeiten an Wochenenden werde der Verkehr auf der Hochstraße Süd durch die Arbeiten nicht wesentlich eingeschränkt, kündigte Dillinger an. Er hofft nach wie vor darauf, dass der gesamte Hochstraßenkomplex im Jahr 2030 abgeschlossen sein wird.

Bürgerforum im Pfalzbau

 

„Die Hochstraßensanierungen stellen die Stadt und ihre Bürger vor große Herausforderungen. Es ist mir wichtig, dass alles ohne Wenn und Aber auf den Tisch kommt“, betonte OB Steinruck. Die Bevölkerung wird sie gemeinsam mit den beiden Beigeordneten heute um 18.30 Uhr bei einem Forum im Ludwigshafener Pfalzbau umfassend über den aktuellen Sachstand unterrichten.

 

Ein weiteres Thema werden dann die jetzt schon absehbar steigenden Kosten für die Sanierung der Hochstraße Nord sein. Laut Finanzdezernent Feid erhöhen sich Planungs- und Verwaltungsaufwand wegen zusätzlicher Ausgaben für externe Projektsteuerungen, die Bürgerbeteiligung, Ingenieurhonorare und Gutachten von 33 auf 55 Millionen Euro – alles nichtförderfähige Kosten, die die Stadt alleine stemmen müsse. Und damit sei noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Bund und Land sieht er daher weiter in der Pflicht, der mit über einer Milliarde Euro verschuldeten Stadt unter die Arme zu greifen. Wie beim Projekt Hochstraße Nord geht Feid davon aus, dass sich Berlin, Mainz und Ludwigshafen auch die Finanzierung der Sanierung der Südtrasse wegen deren überregionaler Bedeutung „mindestens“ im prozentualen Kostenverhältnis 60/25/15 teilen. 

 

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