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Freitag, 19. Dezember 2014 Drucken

Südwest

Lauter gute Gaben

Mainzer Wissenschaftler erklären, was es mit Biebel, Fromm, Gnädig und Gebs auf sich hat

Ob häufig oder rar, jeder Familienname besitzt einen individuellen Klang. Kennern erzählen Namen ganze Geschichten: Wo ihre Träger herstammen, welchen Beruf und welche Vorlieben ihre Vorfahren hatten oder wie sie aussahen. RHEINPFALZ-Leser können sich von den Namenforschern der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz) Fragen zum Familiennamen beantworten lassen.

 

Weihnachten steht vor der Tür, und den Mainzer Namenforschern sind besonders gottesfürchtige Familiennamen unter den Einsendungen zu dieser Serie aufgefallen, die wunderbar in eine besinnliche, stille Adventszeit passen. Denn im Advent (lateinisch adventus domini: „Ankunft des Herrn“) erwarten wir die Geburt Christi und freuen uns, wie im berühmten Weihnachtslied, auf eine selige, gnadenbringende Weihnachtszeit (und natürlich auf die Geschenke). Ob alle ausgewählten Namen tatsächlich solch einen frommen Hintergrund haben, erklären in der heutigen Folge die Namenforscher Rita Heuser und Fabian Fahlbusch.

 

Walter Biebel aus Ludwigshafen-Oppau und seine Familie fragen sich schon länger, woher denn ihr Name kommt.

Die Antwort: Auch wenn dieser Familienname danach klingt, so hat doch die Heilige Schrift bei seiner Entstehung nicht Pate gestanden. Vielmehr geht er zurück auf eine Verkleinerungsform mit der kosenden Endsilbe el(e) des mittelhochdeutschen Wortes „buobe“, das einen Jungen, Diener, Knecht oder Spitzbuben bezeichnet. In Einzelfällen kann es sich auch um eine ebenso verkleinerte Kurzform des Rufnamens Bitbert handeln, zusammengesetzt aus althochdeutsch „bittan“ (wünschen, bitten) und „beraht“ (glänzend). Die 194 Telefonanschlüsse (hochgerechnet bundesweit rund 543 Namenträger) finden sich in der Südhälfte Deutschlands mit kleineren Nestern bei Freising sowie in und um Riedstadt.

Renate Neugebauer aus Ludwigshafen schreibt uns: „Schon immer wollte ich wissen, wo mein Mädchenname Fromm herkommt, und es wäre schön, es jetzt zu erfahren. Man sagt mir Herzensbildung, Anständigkeit etc. nach, eine Kirchgängerin bin ich aber nie gewesen. Hat der Name Fromm vielleicht etwas damit zu tun?“

Die Antwort: Auch die Vorfahren der etwa 7182 Fromms (2565 Telefonanschlüsse) müssen nicht unbedingt besonders religiös und gottesfürchtig gewesen sein. Denn das mittelhochdeutsche Wort „vrum“, „vrom“ (mittelniederdeutsch: „vrome“) bedeutete zunächst soviel wie „tüchtig“, „tapfer“, „rechtschaffen“, „vornehm“ – allesamt also positive Eigenschaften, welche die ersten Namenträger auszeichneten und zu diesem Übernamen geführt haben.

Erst ab dem 15. Jahrhundert nimmt das Adjektiv dann allmählich den spezifisch religiösen Inhalt an, mit dem wir es heute vornehmlich verwenden. Die genannten Wesenszüge scheinen damals allgegenwärtig gewesen zu sein, denn der Familienname Fromm begegnet in ganz Deutschland, mit einer starken Konzentration im Eichsfeld (Raum Uder/Heilbad Heiligenstadt). Zugleich kann der Familienname aber auch als sogenanntes Patronym auf Kurzformen von Rufnamen beruhen, die mit dem althochdeutschen „fruma“ in der Bedeutung „Nutzen, Vorteil, Segen, Heil“ anlauten wie beispielsweise Frumolt.

Petra Gnädig aus Böhl-Iggelheim schreibt: „Ich würde gerne etwas nach diesem Namen forschen. Vielleicht können Sie ihn einmal in Ihrer Namensbedeutungsrubrik aufnehmen?“

Die Antwort: Der Name hat zwei Hauptverbreitungsgebiete: Zum einen in Süddeutschland im Raum Offenburg und im Raum Singen (Hohentwiel), zum anderen in Brandenburg im Großraum Berlin und in der Region um Beeskow und Schönwalde. Die 306 Telefonanschlüsse entsprechen dabei bundesweit etwa 857 Personen, die so heißen. Der Name geht auf eine auffallende und besonders liebenswürdige Eigenschaft des ersten Namenträgers zurück. Mittelhochdeutsch „genaedec“ beziehungsweise mittelniederdeutsch „gnedich“ bedeutet nämlich „wohlwollend, barmherzig, freundlich“.

Irene Holl, geborene Gebs, aus Dahn (Landkreis Südwestpfalz) interessiert sich für den Familiennamen ihrer Vorfahren aus Meßkirch. Sie fragt sich, ob der Name Gebs von „Gebs her!“ kommt.

Die Antwort: Der Name Gebs ist mit 16 Telefonanschlüssen (entspricht etwa 45 Namenträgern) recht selten, aber hauptsächlich in der baden-württembergischen Stadt Meßkirch belegt. Nur indirekt hat er mit dem Verb „geben“ zu tun, und keineswegs forderte der erste Namenträger seine Zeitgenossen ständig dazu auf, etwas herzugeben. Es handelt sich vielmehr um ein Patronym, das heißt, der Rufname des Vaters ging auf seine Nachfahren als Familienname über. Dahinter stecken die Kurzformen Gebo, Gebe, Geb(s) von alten Rufnamen wie Gebhard, Gebhers, Gebald, die mit dem althochdeutschen Wort „geba“ (Gabe) gebildet wurden.

 

Haben Sie Fragen zu Ihrem Familiennamen, dann schreiben Sie uns. Die Mainzer Sprachwissenschaftler wählen aus allen mittlerweile eingegangenen Einsendungen pro Folge drei bis vier Familiennamen aus und erläutern deren Herkunft und Bedeutung. Das heißt aber leider: Nicht alle Einsendungen – inzwischen sind es weit üpber 5000 – können in der seit Sommer 2005 laufenden Serie berücksichtigt werden. Zudem: Diese Serie leistet keine Ahnenforschung. (Fotos: Kunz (3), Seebald)

 

 

 

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