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Freitag, 22. Dezember 2017 Drucken

Südwest

Kirchen der Pfalz: Viele Superlative

Von Petra Depper-Koch

Stellt Hitler an den Pranger: Fresko in der Ludwigskirche.

Stellt Hitler an den Pranger: Fresko in der Ludwigskirche. ( Foto: C. FRANK)

Der Kaiserdom.

Der Kaiserdom. ( Foto: LENZ)

St. Remigius.

St. Remigius. ( Foto: m. hoffmann)

St. Kosmas.

St. Kosmas. ( Foto: MEHN)

Die Orgel.

Die Orgel. ( Foto: THEOBALD/frei)

Wer fehlt hier?

Wer fehlt hier? ( Foto: VIEW)

Die Wehrkirche.

Die Wehrkirche. ( Foto VAN)

1014 geweiht: die Kirche in Landau-Wollmesheim.

1014 geweiht: die Kirche in Landau-Wollmesheim. ( Foto: Iversen)

Nicht nur an Heiligabend sind die zahlreichen Kirchen in der Region einen Besuch wert. Wer sich mit den historischen Bauten beschäftigt, entdeckt kunsthistorische Besonderheiten, aber auch Kurioses. Acht Beispiele aus der Pfalz zeigen, wie vielfältig die Gotteshäuser sind. Weihnachtsgottesdienste werden in allen acht Kirchen gefeiert.

Eindrucksvoll, aber eiskalt – der Speyerer Kaiserdom

Die eindrucksvollste Kirche der Pfalz ist unbestritten der Speyerer Dom, das Wahrzeichen der Stadt. Die gewaltige Kathedrale ist nicht nur die größte erhaltene romanische Kirche Europas, sondern gehört zu den schönsten sakralen Gebäuden dieser Epoche. Ältester Teil des Gotteshauses ist die im Jahr 1041 geweihte Krypta mit den Kaiser- und Königsgräbern. Wegen ihrer Größe, ihrer klaren geometrischen Gliederung und des Farbspiels der Gurtbögen gilt sie als eine der beeindruckendsten Unterkirchen der Welt. Stimmungsvoll ist der Dom an Heiligabend mit seinen unzähligen Lichtern. Musikalisch kann man sich ab 22 Uhr einstimmen lassen, die Vigilfeier mit dem Vokalensemble der Dommusik beginnt um 22.30 Uhr, die Christmette mit Weihbischof Georgens um 23 Uhr. Besucher müssen sich warm anziehen, denn der Dom ist im Winter die kälteste Kirche der Pfalz. Es gibt zwar eine Fußbodenheizung, doch die wird laut Domkapitel nur eingeschaltet, wenn im Inneren Frost droht. Pro Tag lässt sich die Temperatur dann um ein Grad anheben.

Mystisch mit klösterlicher Vergangenheit – St. Remigius

 

Etwas Besonderes ist die Propsteikirche St. Remigius auf dem Remigiusberg im Kreis Kusel. Hier handelt sich um das Relikt einer einstigen Klosteranlage, gegründet von einer Benediktinerabtei im französischen Reims. „Von dem Berg und der Kirche geht etwas Mystisches aus“, sagt Helmut Dick, der sich seit seiner Kindheit mit der 1127 erbauten Kirche beschäftigt, hier schon Messdiener war. Zwar ist von der ursprünglichen Bausubstanz nicht mehr viel übrig, doch die lange Tradition ist überall zu spüren. Das Kloster bestand bis zur Reformation, dann wurde es aufgelöst. In der Gruft der Propsteikirche ruhen 15 Mitglieder der Grafen von Pfalz-Veldenz. Seit 1744 ist das Gotteshaus Pfarrkirche der katholischen Gemeinde „Remigiusberg“. Der romanische Gründungsbau war eine flachgedeckte Pfeilerbasilika. Gut zu erkennen sind noch die einstigen Arkaden, die später zugemauert wurden. Auch gotische Säulen sind sichtbar. Laut Dick hatten die reichen Pröpste die romanische Kirche „modernisieren“ lassen. Schön ist der Ausblick auf das Kuseler Land. An Heiligabend ist um 16 Uhr Familiengottesdienst.

Barocke Pracht trifft Kirchenmaus – St. Kosmas und Damian

 

Geschichtlich interessant ist auch die katholische St. Kosmas und Damian Kirche in Maikammer. Ihre Vergangenheit reicht bis in die Römerzeit zurück, denn sie steht auf den Überresten eines römischen Landgutes. Damals befand sich hier vermutlich auch ein Hausheiligtum. Die Kirche ist eine Saalanlage aus dem 18. Jahrhundert. Auch der prächtige Hochaltar stammt aus dem Barock. Er wurde 1794 von einem Maikammerer Kunstschreiner angefertigt. Interessant ist auch die verspielte Rokoko-Kanzel mit ihren goldenen Verzierungen. Sie stammt von Hofbildhauer Joachim Günther und ist die einzige erhaltene Kanzel des Bruchsaler Künstlers in der Pfalz. Kleine Kuriosität am Rande ist die arme Kirchenmaus aus Bronze, die unter der Priesterbank herumkraxelt. Sie ist das Werk des Pfälzer Bildhauers Gernot Rumpf, der in den 1970er-Jahren den Altarraum neu gestaltete. Wer sie mit etwas Käse versorgen möchte, kann das an Heiligabend nach der Christmette tun. Sie beginnt um 22 Uhr.

Schlichtes Bauwerk mit monumentalem Fresko – Ludwigskirche

 

Die katholische St. Ludwigskirche in Bad Dürkheim ist ein eher schlicht gehaltener Bau aus dem 19. Jahrhundert. Die Kirche sollte mit dem Kurhaus ein Ensemble im damals üblichen klassizistischen Baustil bilden. 1895 erhielt sie noch einen Hochaltar. Hingucker im Chorraum ist das monumentale Freskengemälde des Künstlers Paul Thalheimer – ein riesiges Altarbild in leuchtenden Farben, das er 1938 schuf. Der Professor lehrte an der Münchener Kunstakademie. Unter den Nationalsozialsten galten seine Werke als entartet. Das Fresko zeigt die Kreuzigungsszene. An einem der Kreuze neben Jesus Christus hängt ein sterbender Mann, der aussieht wie Adolf Hitler. Thalheimer war ein Gegner des Reichskanzlers. Dass er es wagte, den Diktator als Mörder ans Kreuz zu nageln, seine Kritik am Regime so offen zu zeigen, war mutig.

 

Heute gilt das Bild als Mahnmal. Unter dem Kreuz sind der damalige Pfarrer und Gemeindemitglieder zu erkennen. An Heiligabend kann man das Bild bei der Christmette um 22 Uhr bewundern.

Alte Glocke mit zeitloser Inschrift – Wehrkirche Dörrenbach

 

Eine der ältesten Glocken der Pfalz hängt im Turm der Wehrkirche Dörrenbach im Kreis Südliche Weinstraße. Erbaut wurde die Kirche um 1300, die Glocke wurde 30 Jahre später gegossen. Wo das geschah, ist leider unbekannt. Passend zur Weihnachtszeit trägt sie die lateinische Inschrift „Oh König der Ehren, Christus, komme mit Frieden“. Ein frommer Wunsch bis heute – angesichts von Terror und Krieg. Zu den Besonderheiten der Kirche gehört ein Treppentürmchen mit einem Lichterker. Das dort einfallende Licht soll die Gläubigen zum Gebet ermahnen und ihnen Trost spenden. Seit 1684 ist die Dörrenbacher Kirche mit ihren zwei Meter dicken Mauern eine Simultankirche; Katholiken und Protestanten teilen sich Altarraum und Sakristei. Pfarrerin Margarete Lingenfelder schätzt die familiäre Atmosphäre des kleinen Gotteshauses: „Die Kirche ist heimelig und nicht überladen geschmückt.“ Man fühle sich auch mit wenigen Besuchern nicht verloren. An Heiligabend aber wird die Kirche voll sein. Der protestantische Familiengottesdienst mit Krippenspiel beginnt um 16 Uhr.

Kleinod für Musikfreunde – Schlosskirche Mühlheim

 

Musikfreunden kann die protestantische Schlosskirche Mühlheim im Kreis Bad Dürkheim ans Herz gelegt werden. Dort befindet sich nach Angaben von Pfarrer Martin Theobald die am besten erhaltene Stummorgel der Pfalz. Das kostbare Instrument wurde 1738 von Johann Michael Stumm gebaut. Die Orgel ist mittlerweile grundsaniert. „Ein wunderbares Instrument in einer wunderbaren kleinen Kirche“, schwärmt Theobald. Die Kirche im Obrigheimer Ortsteil Mühlheim gilt als Kleinod. Errichtet wurde sie im Auftrag der Leininger Grafen in den 1330er-Jahren. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde sie zur Schlosskirche umgebaut. Theobald ist stolz auf die wertvollen Fresken aus dem 14. Jahrhundert, die auch ein Weihnachtsmotiv zeigen. Obrigheim besitzt gleich zwei Schatzkästlein. In der protestanischen Kirche im Ortsteil Albsheim an der Eis steht laut Theobald eine der ältesten noch gespielten Orgeln in der Pfalz aus dem Jahr 1732. Sie klingt in dem Kirchlein noch gut, muss aber saniert werden. Orgelbauer war Johann Valentin Senn aus Seebach. In Albsheim ist an Heiligabend um 17 Uhr Christvesper, in Mühlheim beginnt um 15.30 Uhr ein Familiengottesdienst.

Weihnachtsfenster mit kleinen Mängeln – Paul-Gerhardt-Kirche

 

Die heutige Paul-Gerhardt Kirche in Hochspeyer im Kreis Kaiserslautern wurde 1770 als lutherische Kirche erbaut. Als Reminiszenz ist als eines der wenigen schmückenden Elemente auf der rechten Seite des Altarraumes ein großes Lutherbild. 1870 wurde der massive viereckige Turm aus roten Sandsteinquadern vollständig neu aufgebaut. Die Kirche empfängt ihr Licht aus sechs Spitzbogenfenstern mit Scheitelsteinen. Am südlichen Ende läuft die Kirche dreiseitig zu und umschließt hier Altarraum mit Sandsteinaltar, Kanzel und Presbytergestühl. Ungewöhnlich ist vor allem das Glasfenster an der Südseite. Es zeigt in bunten Farben die Anbetung des Jesuskindes in der Krippe durch die Heiligen Drei Könige. Bei der Stallszene fehlen weder Ochse noch Esel, doch Josef von Nazareth sucht man auf dem Bild vergebens. Vielleicht fehlte der Platz oder er war gerade anderswo beschäftigt. „Er wurde vergessen – vielleicht war er nicht so wichtig“, sagt Pfarrer Max Eisfeld schmunzelnd. Er gestaltet an Heiligabend um 17 Uhr einen Familiengottesdienst, um 22 Uhr ist ein Gottesdienst zur Christnacht.

Kein Turmbau zu Babel – Wollmesheimer Kirche

 

Als älteste Pfälzer Dorfkirche gilt die protestantische Kirche im Landauer Ortsteil Wollmesheim. Sie wurde 1014 geweiht und geht auf eine Holzkirche zurück, die im Jahr 991 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Von der ursprünglichen Bausubstanz sind umfangreiche Mauerteile des Langhauses erhalten. Kaum vorstellbar angesichts heutiger Bauskandale: Der 24 Meter hohe Turm wurde 1095 erbaut und ist noch vollkommen erhalten. Selbst die Holzbalken sind noch intakt. Im Turm hängt eine der ältesten Glocken der Pfalz. Die mittlere Glocke wurde Ende des 13. Jahrhunderts von Meister Thomas in Trier gegossen.

Für Pfarrer Traugott Oerther ist die Kirche ein besonderer Ort. Nicht nur wegen ihrer Vergangenheit, sondern auch wegen ihrer schönen Lage außerhalb des Dorfes auf einem Hügel. „Jetzt im Winter hat man einen weiten Blick bis hin zum Schwarzwald“, sagt er. Überzeugen davon kann man sich an Heiligabend vor dem Gottesdienst mit Krippenspiel, der um 17.30 Uhr beginnt. 

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