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Dienstag, 23. April 2019 Drucken

Südwest

Kind stirbt auf Hallen-Spielplatz

Von Andreas Schlick und Rolf Schlicher

(Symbolfoto: dpa)

Ein vierjähriger Junge ist am Ostersamstag auf einem Indoor-Spielplatz im südpfälzischen Offenbach gestorben. Die Ermittler gehen von einem Unglück aus. Die Todesursache ist trotz Obduktion unklar. Was ist passiert?

Es ist ein furchtbarer Fall: Ein vierjähriger Junge aus Landau ist am Samstagnachmittag auf einem Indoor-Spielplatz in Offenbach (Kreis Südliche Weinstraße) gestorben. Die Ermittler gehen von einem Unfall aus. Der Leichnam des Kindes wurde am Sonntag obduziert. Das habe jedoch keine näheren Erkenntnisse zur Todesursache gebracht, wie die Polizei am Montag auf Anfrage der RHEINPFALZ erklärte. Auch die genaueren Umstände des Unglücks seien noch unklar. Die Ermittlungen dauern an. Die Staatsanwaltschaft Landau will sich am heutigen Dienstag zu dem Tod des Jungen äußern.

Stellungnahme bei Facebook

Der Inhaber des Spielplatzes veröffentlichte am Sonntagabend eine Stellungnahme bei Facebook: Der Junge sei beim Gehen aus unerklärlichen Gründen plötzlich zusammengesackt. Der Hallenbetreiber spricht von „einem der schlimmsten Ereignisse, die es geben kann“. Wer seine Anteilnahme zeigen wolle, könne an den Türen des Indoor-Spielplatzes Blumen oder Kerzen aufstellen. Der Betreiber schrieb auch, er bitte darum, die Familie des Jungen in Ruhe zu lassen. Spekulationen über den Unglücksfall und Gerüchte in sozialen Netzwerken empfinde er als absolute Frechheit gegenüber der Familie. „Ich bitte jeden um Anstand und die nötige Pietät.“

Ab welchem Alter Jahren dürfen Kinder in die Halle und wer haftet?

Der Indoor-Spielplatz in Offenbach verfügt über verschiedene Bereiche: Darunter sind ein Teufelsrad, ein Trampolin, das Piratenland, eine Fahrbahn für Kinder-Quads und ein Klettergerüst. Wie bei den meisten dieser Einrichtungen gilt auch in Offenbach, dass der Betreiber und seine Mitarbeiter keine Betreuung der Kinder übernehmen, die Aufsichtspflicht bleibt bei den Erziehungsberechtigten. Im Normalfall ist Kindern der Besuch des Offenbacher Hallenspielplatzes nur in Begleitung eines Erwachsenen möglich. Allerdings: Kinder ab sieben Jahren dürfen dort die Halle auch ohne Begleitung eines Erwachsenen besuchen, wenn für sie vorher eine Haftungsfreistellungserklärung unterschrieben wurde.Die Anzahl der Indoor-Spielplätze ist in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren ständig gewachsen. Der Trend kommt aus England, Holland sowie den USA und setzte sich auch in Deutschland schnell durch, weil die Anlagen wetterunabhängig waren und eine gute Alternativnutzung von leerstehenden Tennishallen boten. Inzwischen gibt es in Deutschland nach Branchenangaben rund 380 Indoor-Spielplätze mit jährlich rund 16 Millionen Besuchern. Beliebt sind solche Hallenspielplätze besonders für die Ausrichtung von Kindergeburtstagen, meist verfügen sie auch über ein eigenes gastronomisches Angebot.

Rund 100 dieser Einrichtungen sind im „Verband der Hallen- und Indoorspielplätze“ (VDH) organisiert, der sich als die „führende Interessensvertretung“ der Anbieter solcher Freizeitaktivitäten bezeichnet. Immer wenn es auf einem Indoor-Spielplatz zu einem Unfall kommt, wird auch die Frage der Sicherheit thematisiert. So auch im vergangenen Jahr, als ein vierjähriger Junge auf einer Anlage im bayerischen Gerolzhofen schwere Kopfverletzungen erlitt. In dem dortigen Spielgelände waren laut Zeugen mehrere Jugendliche auf eine Hüpfburg gesprungen. Der vierjährige Junge wurde in Folge dessen von der Hüpfburg weg über eine Absperrung katapultiert und stürzte aus mehreren Metern Höhe mit dem Kopf auf den Boden.

Werden die Indoor-Spielplätze von Behörden überprüft?

Der Verband wehrt sich dagegen, dass aufgrund solcher vereinzelten Unfälle Indoor-Spielplätze als besonders gefährlich dargestellt werden. Er verweist auf eine Auswertung von Haftpflichtschäden bei 73 Indoor-Spielplätzen: Demnach seien von diesen Betreibern dem Versicherer zwischen 2013 und 2017 lediglich 29 Haftpflichtschäden gemeldet worden.Der Verband weist allerdings auch auf ein Manko hin: Indoor-Spielplätze würden in Deutschland nach der Eröffnung meist nicht mehr von den Behörden geprüft oder überwacht. Die Einhaltung von Sicherheitsregeln und DIN-Vorschriften liege alleine in der Verantwortung des Betreibers. Als ein weiteres Problem nennt der Verband, dass die vorhandenen DIN-Vorschriften nicht für Indoor-Spielplätze konzipiert worden seien und daher nicht auf alle Anlagen und Geräte Anwendung finden könnten. „Eine beworbene TÜV-Prüfung sagt daher leider nicht viel über den Umfang der Prüfung aus und gibt keine Aufschlüsse über das Ergebnis der Prüfung“, sagt VDH-Sprecher Ulrich Hähnel. Der Verband habe daher vor Jahren seine Mitglieder zu eigenen Sicherheitsregeln und Überprüfungen im Rahmen eines Ehrenkodexes verpflichtet.

Pfalz-Ticker