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Dienstag, 24. Juli 2018 Drucken

Südwest

„Gags auf unsere eigenen Kosten“

Pfälzer Spitzen (2): Das Erfolgsrezept des Kabarett-Duos „Spitz & Stumpf“, das seit über 20 Jahren auf der Bühne steht

Von Susanne Kimmel

„Spitz & Stumpf“ 2018 – „SOKO Baure Cop“ heißt das aktuelle Programm von Bernhard Weller (links) und Götz Valter hier bei einem Auftritt in Lambrecht.

„Spitz & Stumpf“ 2018 – „SOKO Baure Cop“ heißt das aktuelle Programm von Bernhard Weller (links) und Götz Valter hier bei einem Auftritt in Lambrecht. ( Foto: Linzmeier-Mehn)

„Spitz & Stumpf“ im Dezember 1999 bei einem Auftritt im Ludwigshafener Kulturdepot – „Dabbische Johrgäng“ hieß damals das Programm.

„Spitz & Stumpf“ im Dezember 1999 bei einem Auftritt im Ludwigshafener Kulturdepot – „Dabbische Johrgäng“ hieß damals das Programm. ( Foto: Kunz)

Mal musikalisch: Auftritt zusammen mit der „Blue Note Big Band“ 2012 in Neustadt.

Mal musikalisch: Auftritt zusammen mit der „Blue Note Big Band“ 2012 in Neustadt. ( Foto: LM)

«Neustadt/Speyer». Aus einer wörtlich zu nehmenden „Schnapsidee unter Kumpels“ vor inzwischen mehr als zwanzig Jahren wurde laut Bernhard Weller unverhofft schnell mehr. Der Wahl-Neustadter, der im Ortsteil Hambach wohnt, ist den meisten als Friedel Spitz bekannt – auf der Bühne bildet er mit seinem Schauspiel-Kollegen Götz Valter alias Eugen („Eicheen“) Stumpf das beliebte Pfälzer Kabarett-Duo „Spitz & Stumpf“.

1995 zunächst noch mit anderem Bühnenpartner kamen schnell mehr und mehr Auftritte hinzu, erinnert sich Weller. Just an dem Tag aber, als sein allererstes Programm in Speyer Premiere feiern sollte, bekam der damalige Kollege kalte Füße. „Ich habe den Zuschauern dann erzählen müssen, der Stumpf ist mir abgehauen“, so Weller. Übel habe ihm das glücklicherweise niemand genommen. Wohl auch, weil er schnell passenden Ersatz fand: Ein Amateur-Theater in Dudenhofen brachte ihn nicht nur mit seiner heutigen Ehefrau, sondern auch mit dem, so Weller, „begnadeten Schauspieler Götz Valter zusammen. Das Projekt „Spitz & Stumpf“ konnte weitergehen.

Klar war von Anfang an: Gesprochen wird Pfälzisch. „Obwohl viele uns davor gewarnt haben, weil unser Dialekt angeblich nicht schön ist“, erzählt Weller bedauernd. „Spitz & Stumpf“ sollten aber Bodenständigkeit vermitteln, „ohne dabei grenzdebil zu wirken“, wie ein Landrat einmal gelobt habe. Und siehe da: Heute freuten sich die Zuschauer, wenn sie Begriffe wie „edärmlich“ wieder hören würden oder „Spitz“ und „Stumpf“ dem Pfarrer zu verstehen gäben, er solle „den Balle flach halde“. Im Mai gab es dafür für das Duo in Bockenheim sogar den pfälzischen Mundart-Preis.

Inhaltlich geht es bei den humoristischen Auftritten von Weingutsbesitzer Eugen Stumpf und dessen bestem Kunden Friedel Spitz um den ganz normalen Alltagswahnsinn. Und: Jeder Bühnencharakter hat seine eigene Vita. Friedel Spitz, der frühere Aniliner und nervtötende Besserwisser, erfolglos bei der Frauensuche und ein Typ Mensch, der wohl an jedem Stammtisch zu finden ist. Eugen, „Eicheen“, Stumpf wiederum, der bauernschlaue, aber etwas treudoofe „Dappschädel“ (O-Ton Valter), dessen Ehefrau immer in Kur ist und den Gatten seinem Schicksal überlässt.

Und so spielen sich beide die Bälle hin und her, improvisieren auch immer wieder und hauen dabei gerne „den ein oder anderen Schenkelklopfer raus“, so Weller.

Der Hambacher Familienvater und gebürtige Schwabe, der bei seiner Übersiedlung in die Pfalz noch zu hören bekam „der is jo gar net vun do“, schreibt seit 1995 die Bühnenprogramme von „Spitz & Stumpf“ und betont: „Wir setzen durchaus intelligente Pointen, wer bei unseren Auftritten mitdenken will, der kann das allzu gerne tun“.

Bevor ein neues Programm wahrlich steht, zieht sich Weller am liebsten erst einmal zehn Tage ins Kloster zurück, geht viel spazieren und lässt in Ruhe seine Ideen reifen. Steht dann schließlich das Roh-Skript, werden gemeinsam mit Valter die Details ausgetüftelt. „Well-Flääsch!“, „Die äänzisch Artige“ oder „Beer g’scheelt“ waren dann die Titel der so entstandenen Programme.

Wie es gelingt, sich auch nach mehr als zwanzig Jahren immer wieder zu gedanklichen Spitzenleistungen anzutreiben? „Es ist die Lust auf das Abenteuer“, beschreibt Weller seinen Ansporn. So würden er und Valter als Privatpersonen nun einmal anders denken als die beiden Charaktere auf der Bühne. „Die Geschichten, die sich da plötzlich entwickeln, sind hochgradig spannend“, sagt der Regisseur aus Leidenschaft und gibt gleichermaßen zu: „Vor einigen Jahren waren die Parallelen mit meiner Bühnenfigur noch größer“. Solle heißen: „Meine Arbeit ist auch ein bisschen wie Therapie, nur ohne Couch“.

Weller und Valter – sie sehen sich als Kabarettisten, Komödianten, Theatermenschen und Schauspieler und antworten auf die Frage, bis zu welchem Punkt das Stilmittel der Überspitzung für sie vertretbar sei: „Unsere Gags gehen immer auf unsere eigenen Kosten, wir würden niemals jemanden vorführen oder bloßstellen“. Auf diese Weise könne der Zuschauer selbst überlegen, in wieweit er sich ertappt fühle, betonen Weller und Valter.

Beide schätzen aneinander, dass sie sich auf den anderen verlassen können. „Wir führen eine 23-jährige Bühnen-Ehe, in der wir jeweils auf die Fähigkeiten des anderen vertrauen“, so Weller. Jetzt im Sommer ist es ruhiger um „Spitz & Stumpf“: Weller widmet sich als Ausgleich zum Bühnenleben seiner Tätigkeit als Reiseleiter, ist viel in den Bergen und an der frischen Luft unterwegs. Valter wiederum verbringt gerne einfach Zeit mit seiner Familie in Speyer, bevor es wieder in der gesamten Region auf Tour geht.

Einen großen Wunsch hegen die beiden Pfälzer Kabarettisten allerdings: „Das Weingut Stumpf soll eines Tages Realität werden“, so „Eicheen“-Darsteller Valter. Nachdem er und Weller ihre frühere Spielstätte, die „Scheier“ in der Haßlocher Aumühle, aus finanziellen Gründen aufgeben mussten und „von Spielort zu Spielort durchs Land tingeln“, träumt das Duo von einer eigenen, kleinen Bühne. Die Suche verlief bislang leider erfolglos.

Info

Alle Termine: www.spitzundstumpf.de

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