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Dienstag, 31. Juli 2018 Drucken

Südwest

Flugzeug lässt 92 Tonnen Treibstoff ab

Von Andreas Ganter

Viermal hat dieser Cargolux-Frachtjumbo am Samstag um die Mittagszeit die Gemeinde Kerzenheim westlich von Grünstadt überflogen,

Viermal hat dieser Cargolux-Frachtjumbo am Samstag um die Mittagszeit die Gemeinde Kerzenheim westlich von Grünstadt überflogen, ( Foto: Klaus Wittig/frei)

In Luxemburg gestarteter Frachtflieger muss wegen Fahrwerksproblemen wieder landen und zuvor Gewicht reduzieren

Am Wochenende hat ein Jet über der Pfalz, dem Hunsrück und dem Saarland wieder Kerosin abgelassen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bestätigte gestern Beobachtungen von RHEINPFALZ-Lesern: Am frühen Samstagnachmittag seien 92 Tonnen Treibstoff in etwa 4600 Metern Höhe versprüht worden. Zur Begründung werden Fahrwerksprobleme genannt.

Fahrwerk ließ sich nicht einfahren

 

Samstag, kurz nach 12.30 Uhr: In Luxemburg startet eine Frachtmaschine der Cargolux Airlines. Die Boeing 747 soll eigentlich nach Singapur fliegen. Dazu kommt es allerdings nicht. Das Fahrwerk lässt sich nicht einziehen. Nach einigen Schleifen über der Pfalz, dem Hunsrück und dem Saarland landet der Jumbo-Jet gegen 14.10 Uhr wieder in Luxemburg.

Die Flugroute für den Kerosinablass reicht dabei vom saarländischen Ottweiler in südöstlicher Richtung quer über den Pfälzerwald bis kurz vor Landau. Von dort geht es in nördlicher Richtung bis Kirchheimbolanden und dann wieder westlich bis Baumholder und Birkenfeld. Insgesamt viermal fliegt der Jet dieses Rechteck ab, bevor er in Luxemburg landet. An der Strecke besteht kein Zweifel. Im Internet lässt sich nachvollziehen, welche Wege ein Flieger zurücklegt. Dabei lässt sich auch feststellen, um welche Maschine es sich handelt, wo sie startete und wo sie ursprünglich landen sollte.


Zu schwer zum Landen

Bei der RHEINPFALZ haben sich etliche Leser gemeldet, denen die ungewöhnliche Flugweise am strahlend blauen Himmel aufgefallen war. Auf einigen Fotos ist zu erkennen, dass die Boeing 747 ihr Fahrwerk in der Luft ausgefahren hatte. Das bestätigt die Darstellung der Flugsicherung, dass der Jet Fahrwerksprobleme hatte. In solchen Fällen müssen Langstreckenflugzeuge in der Luft Kerosin ablassen, um schnellstmöglich wieder landen zu können.

Der Hintergrund für dieses Manöver ist, dass das maximal zulässige Landegewicht dieser Flugzeuge deutlich niedriger ist als ihr Startgewicht. Die Konstrukteure, Piloten und Fluglinien gehen davon aus, dass diese Langstreckenflieger so viel Kerosin auf dem Flug verbrauchen, dass sie bei der Landung automatisch deutlich leichter sind. Am Samstag traf dies aber nicht zu.

Viele Augenzeugen für Flugmanöver

Manfred Baumann aus Weselberg (Kreis Südwestpfalz) sah die Maschine dreimal in einer Höhe von etwa 4560 Metern und mit einer Geschwindigkeit von 700 Stundenkilometern seine Heimatregion überqueren. Die „Initiative Pro Pfälzerwald“ hat den Vorfall ebenfalls bemerkt. In einer Stellungnahme auf ihrer Homepage schreibt sie: „Dass hier Kerosin abgelassen wurde, darüber kann kein Zweifel bestehen, denn dieses Ereignis war an einigen Orten mit bloßem Auge gut zu erkennen! Geht man davon aus, dass eine solche Maschine etwa zwei Tonnen Kerosin pro Minute ablassen kann, braucht man kein Rechenkünstler zu sein, um festzustellen, dass es sich um eine ganz erhebliche Menge gehandelt haben muss.“

RHEINPFALZ-Leser Klaus Wittig hat beobachtet, dass die Maschine sich gegen 13 Uhr aus Süden seinem Wohnort Kerzenheim (Donnersbergkreis) näherte: „Mir fiel sofort auf, dass die Maschine an den Flügelenden weiße Streifen hinter sich herzog und mir wurde klar, dass da wieder Kerosin abgelassen wurde.“ Genau an diesen Stellen sind die Einrichtungen angebracht, die es Langstreckenflugzeugen ermöglichen, fein vernebelten Treibstoff in der Luft abzulassen. Das Flugzeug sei binnen einer Stunde viermal über Kerzenheim geflogen und danach stets nach Westen abgedreht.

Rekord der vergangenen zweieinhalb Jahre

Bei dem Vorfall vom Wochenende handelt es sich bereits um den fünften bekannt gewordenen Kerosin-Notablass über der Pfalz seit Jahresbeginn. Insgesamt gelangten bei den ersten vier Fällen seit Januar 89 Tonnen Kerosin in die Umwelt. Zuletzt hatte am Karfreitag ein Tankflugzeug der US-Luftwaffe, das auf der Airbase Ramstein gestartet war, über der Pfalz 43 Tonnen Kerosin abgelassen. Die am Samstag über Südwestdeutschland versprühten 92 Tonnen stellen mindestens in den vergangenen zweieinhalb Jahren einen Rekordwert dar – soweit die Fälle überhaupt bekanntwurden: Am 10. April 2016 waren auf einen Schlag 91 Tonnen über der Eifel niedergegangen.

Bundesweit 579,5 Tonnen im Jahr 2017

In Deutschland sind vor allem drei Gebiete überproportional vom Spritablass betroffen: der Pfälzerwald, eine Region in der Nähe von München sowie die Nordsee. Alle drei Gegenden liegen in der Nähe von großen Flughäfen und sind vergleichsweise dünn besiedelt. 2017 sind bundesweit 579,5 Tonnen Kerosin von zivilen wie militärischen Fliegern abgelassen worden. Das sind knapp 88 Tonnen mehr als im Jahr davor. Die Zahlen beziehen sich allerdings nur auf dokumentierte Fälle. Knapp zwei Drittel der bundesweiten Kerosinmenge – nämlich 368 Tonnen – wurden über Rheinland-Pfalz abgelassen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des saarländischen Grünen-Bundestagsabgeordneten Markus Tressel hervor.

Auffallend ist in der Dokumentation der Bundesregierung, dass der Treibstoff im vergangenen Jahr insbesondere über dem „Bereich Pfalz“ sowie dem „Bereich Ramstein“ (Begriffe der Bundesregierung) in die Luft geblasen wird. Weiter werden genannt „Bereich Pfälzerwald“, „Bereich Westerwald“, „Bereich Hahn“ oder „Strecke Spangdahlem - Ramstein“.

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