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Mittwoch, 14. Juni 2017 Drucken

Südwest

Fachhochschulprofessoren wollen Doktorhüte verteilen

Berufsverband fordert eigenverantwortliches Promotionsrecht im geplanten neuen Hochschulgesetz – Warnung vor Nachwuchsmangel

Von Arno Becker

Der Mainzer Theologe Werner Müller-Geib steht an der Spitze eines Verbandes, dem rund 380 Professoren angehören.

Der Mainzer Theologe Werner Müller-Geib steht an der Spitze eines Verbandes, dem rund 380 Professoren angehören. ( Foto: K. Schäfer)

«MAINZ.» Der Hochschullehrerbund Rheinland-Pfalz (HLB) macht sich dafür stark, dass künftig auch die Hochschulen für angewandte Wissenschaften (früher: Fachhochschulen) eigenverantwortlich Doktortitel vergeben dürfen.

Dies betonte Landesvorsitzender Werner Müller-Geib im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Das Promotionsrecht für Fachhochschulen gehört zu den zentralen Forderungen des HLB in der Diskussion um die Reform des rheinland-pfälzischen Hochschulgesetzes. Im Koalitionsvertrag von SPD, FDP und Grünen ist eine solche Novelle vorgesehen. Sie soll Ende 2018 in Kraft treten. Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) hat vor wenigen Wochen eine Expertenkommission berufen, die Ideen für die Gesetzesreform zusammentragen soll.

Im HLB sind die Professoren der Fachhochschulen organisiert. Auch dort gehöre neben der Lehre die Forschung zum Dienstauftrag, begründete Müller-Geib die Forderung nach dem Promotionsrecht. Zurzeit ist an den Fachhochschulen im Land eine Promotion nur in Zusammenarbeit mit einer Universität möglich. Mit Hinweis auf diese Regelung lehnt das Wissenschaftsministerium die HLB-Forderung bisher ab. Müller-Geib warf Wolf vor, mit dieser Position das Licht vieler kleiner Fachhochschulen unter den Scheffel zu stellen. Er verwies auf Hessen, dort sei das Promotionsrecht eingeführt worden.

Der Hochschullehrer formulierte gestern weitere Forderungen an das künftige Hochschulgesetz. So sollten die Kompetenzen der Hochschulräte überprüft und beschnitten werden. Diese Gremien wurden in Deutschland erst ab den 90er Jahren installiert. Zum Teil sind sie mit externen Personen besetzt und schauen wie ein Aufsichtsrat in der Wirtschaft den Selbstverwaltungen der Hochschulen auf die Finger. „Was der Senat entscheidet, muss bindend sein“, sagte hingegen der HLB-Vorsitzende.

Der Hochschullehrerbund versteht sich als Berufsverband der Fachhochschulprofessoren, der für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Lehrende und Studierende eintritt. Bundesweit hat der HLB nach eigenen Angaben rund 6500 Mitglieder. In Rheinland-Pfalz gibt es acht staatliche und kirchliche Fachhochschulen mit rund 40.000 Studierenden und rund 840 Professoren. Von denen gehören laut Müller-Geib rund 380 dem HLB an. Das entspreche einem Organisationsgrad von 42 Prozent, dem zweithöchsten nach Bayern im Vergleich der Bundesländer. Müller-Geib führt den Landesverband seit September. Der Theologe ist Professor an der Katholischen Hochschule Mainz.

Der HLB verlangt die Reduzierung des Lehrdeputats der Fachhochschulprofessoren von 18 auf zwölf Semesterwochenstunden, um dem seit den 70er Jahren gestiegenen Zeitaufwand für Forschung und Selbstverwaltung der Hochschulen Rechnung zu tragen. Zumindest für die forschenden Professoren fordert der Verband je eine wissenschaftliche Hilfskraft. Müller-Geib warnte vor Nachwuchsmangel. Hohe Arbeitsbelastung und unterdurchschnittliche Besoldung führe dazu, dass in Rheinland-Pfalz jede vakante Professorenstelle bis zu ihrer Besetzung im Schnitt häufiger als drei Mal ausgeschrieben werden müsse.

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