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Samstag, 14. Juli 2018 Drucken

Südwest

Ein Hund, der unbedingt gefallen will

Pfälzer Spitzen (1): Cindy Hooper züchtet in Rodalben Deutsche Spitze – Pfälzer Winzer wussten die uralte Rasse noch zu schätzen

Von Petra Depper-Koch

Braune Wolfsspitze mit ihren prachtvollen Mähnen sind selten geworden.

Braune Wolfsspitze mit ihren prachtvollen Mähnen sind selten geworden. ( FotoS: Seebald)

«RODALBEN.» Er gilt als Wadenbeißer, ist aber der freundlichste und aufmerksamste Hund der Welt. Sagt Cindy Hooper, die den Deutschen Spitz in höchsten Tönen preist. Für sie gibt es keinen liebenswerteren Hund. „Früher hatten die Pfälzer Winzer Weinbergspitze, um die diebischen Saatkrähen von den Trauben fernzuhalten“, erzählt die Züchterin aus Rodalben (Kreis Südwestpfalz). „Die Hunde haben die frechen Vögel aus dem Wingert verscheucht und waren damals die beliebtesten Hofhunde.“ Heute sei die älteste Hunderasse Mitteleuropas leider etwas in Vergessenheit geraten. Was Hoopers Herz erfreut: Dank Zwergspitz Boo und der in ihren Spitz vernarrten Paris Hilton ändert sich das gerade.

Das 12.000 Quadratmeter große Areal in der Südwestpfalz, auf dem die gebürtige Amerikanerin seit 26 Jahren ihre Spitze züchtet, sollte niemand uneingeladen betreten. Cindy Hoopers braune Großspitzrüden haben den Eingang des riesigen Grundstücks stets im Blick. Respekt einflößend sind sie mit ihren bernsteinfarbenen Augen und der mächtigen Löwenmähne. Auch sie sind laut Hooper sehr friedliche Zeitgenossen. Sobald sie merken, dass ein Besucher willkommen ist, lächeln sie recht freundlich. Der imposante Großspitz droht auszusterben. „Weltweit gibt es vielleicht noch 40 bis 50“, sagt Hooper.

Die Klein- und Mittelspitze, die in Gehegen, die eher an Kinderspielplätze erinnern, umhertollen, stürzen sofort herbei, als sie die Züchterin sehen. Sie springen in die Höhe, bleiben aber brav hinter dem kaum 50 Zentimeter hohen Zaun. Cindy Hooper amüsiert sich über den schlechten Ruf des Spitzes: „Absurd! Das ist ein perfekter Hund, der seine Besitzer abgöttisch liebt und ihnen unbedingt gefallen möchte.“ Daher sei er leicht zu erziehen und brauche keine harte Hand. Er habe keinen Jagdtrieb und weiche einem nicht von der Seite.

„Ein Spitz braucht im Grunde weder Leine noch einen großen Auslauf, weil er in seiner häuslichen Umgebung vollkommen zufrieden ist“, sagt die 47-Jährige. Ein Kläffer sei er auch nicht, betont sie. In ihrer Hundeschule hat sie festgestellt, dass ein Spitz eher seltener bellt als andere Hunde.

Hooper ist von der hessischen Bergstraße in die Pfalz gezogen, wo sie das alte Bahnhaus an der Rodalb mitten im Wald gekauft hat. Hier lebt sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern, hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. „Ich bin definitiv hundebabysüchtig“, sagt sie und lacht. Ihre Welpen sehen aber auch wirklich proper aus. Jeder kleine Hund ist anders gezeichnet, jeder würde vom Fleck weg adoptiert, säße er als Plüschtier auf einem Spielzeugregal. Neugierig schnuppern die Welpen an den Fingern, holen sich ihre Streicheleinheiten, purzeln über ihre Mütter, spielen Ball und balgen sich untereinander. Hooper betrachtet ihre Kafrusen sichtlich stolz.

Mit ihren Spitzen unter dem geschützten Namen „Von der Arnold’s Eiche“ ist die Züchterin international bekannt geworden, hat unzählige Preise geholt. Ausgesucht hat sie den Namen nach ihrem einstigen Lieblingsplatz an der Bergstraße – einer Lichtung mit einer uralten Eiche. Wenn Cindy Hooper übers Gelände geht, betteln ihre Spitze um Aufmerksamkeit. „Meine Kunden wissen, dass ich kein Vermehrer bin, sondern meine Hunde liebe“, sagt Hooper.

Mit 21 Jahren sei sie von einem Amtsarzt vier Stunden lang auf Herz und Nieren geprüft worden, weil er sie zu jung für die Hundezucht fand. erzählt sie. „Ich habe ihm gesagt, dass er über meine Arbeit nie etwas Negatives hören wird. Und so war es dann auch.“ Bei Cindy Hooper und ihren Tierpflegern wird Sorgfalt und Sauberkeit groß geschrieben. „Bei mir gibt es keine Inzucht“, sagt sie. „Von jedem Welpen wird die DNA hinterlegt, meine Tiere sind geimpft, gechippt und gesund.“ 1400 Euro kostet ein kleiner Spitz aus Hoopers Zucht.

Das ist viel Geld, doch der Aufwand rechtfertigt ihrer Ansicht nach den Preis. Tierarztrechnungen, Futter, Spielzeug und Pflegeutensilien sowie die Arbeiten in den Hundehäusern und auf dem Gelände verschlingen Unsummen. In den vergangenen Jahren hat die Hundetrainerin und gelernte Tierarzthelferin genau fünf Tage Urlaub gemacht. Es fällt ihr schwer, die Verantwortung in fremde Hände zu legen. Hooper ist froh, dass ihr Mann Verständnis für ihre Leidenschaft hat und sie nach Kräften unterstützt. Auch ihre acht und neun Jahre alten Kinder sind begeistert von den Spitzen. Um die alte Rasse wieder bekannter zu machen, besucht die Hundenärrin mit ihren Tieren Kindergärten und Schulklassen.

Dort sind diese Besuche hochwillkommen. Wie Sofakissen auf vier dünnen Beinchen wirken die kleinen Zwergspitze. Der Pommernspitz, auch Pomeranian genannt, entzückt vor allem kleine Mädchen. Mit seinem lachenden Gesicht, der kreisrunden schwarzen Nase und dem kuschelweichen Fell ist er ein richtiger Familienhund. „Jungs finden die großen braunen Wolfsspitze beeindruckender“, erzählt Cindy Hooper.

Als Trainerin hat sie mit Schäferhunden gearbeitet. Für die Zucht suchte sie jedoch einen robusten Hund mit wuscheligem Fell und entdeckte den Spitz mit seinem pflegeleichten schmutzabweisenden Haarkleid. Sie beschreibt ihn als pompös wirkendes Leichtgewicht: tiefenentspannt, aufgeweckt und aufgeschlossen. „Er büxt nicht aus und beschützt alle, die zum Haushalt gehören samt Vogel, Katze und Kaninchen.“ Die Züchterin verkauft ihre Hunde in alle Welt. Derzeit suchen noch fünf wollige Großspitzwelpen ein Zuhause.

INFO

Gäste sind willkommen am 28. August, 10 bis 18 Uhr, beim Treffen der Spitze von der Arnold’s Eiche im Hasenheim Rodalben mit Wanderung, Spitzrennen und Workshop. Anmeldung: info@vonderarnoldseiche.de

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