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Freitag, 12. Februar 2016 Drucken

Südwest

Die Sterne zum Leuchten bringen

Straßenlaternen, angestrahlte Gebäude oder auch Autolampen machen die Nacht zum Tag. Solche künstlichen Lichtquellen sorgen auch dafür, dass in Ballungsräumen die Milchstraße kaum mehr mit bloßem Auge zu bewundern ist. Doch die Dunkelheit ist noch nicht überall verloren gegangen: Kaiserslauterer Studenten untersuchen, ob sich der Pfälzerwald als „Sternenpark“ touristisch vermarkten ließe.

Von Jürgen Müller

 

Ein Mistkäfer sitzt auf einer Dungkugel: Einer Studie zufolge nutzen diese Krabbler die Milchstraße zur Orientierung. Das Sternenlicht helfe ihnen dabei, ihre Kotkugeln möglichst schnurgerade von einem Dunghaufen wegzurollen. ( Foto: dpa/Dacke et al./Current Biology)

Der erleuchtete Nachthimmel vom Luitpoldturm aus fotografiert: Während direkt über dem Turm die Sterne funkeln, sorgen am Horizont nahe Ballungszentren und der Ramsteiner Flughafen für Helligkeit. ( Foto: dpa/Dacke et al./Current Biology)

JOHANNISKREUZ. Der Blick zum nächtlichen Sternenhimmel ist überwältigend. Thomas Schriever von der Neustadter Zentralstelle der Forstverwaltung weiß von einer Japanerin aus der Mega-Metropole Tokio zu berichten, die als Austauschschülerin in eine Pfälzerwald-Gemeinde kam. Die ersten drei Nächte habe das Mädchen mit zum Himmel gerichteten Augen im Freien verbracht, so Schriever bei der Vorstellung der Sternenpark-Idee im Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz. Die Japanerin habe bis dahin noch nie Sterne sehen können.

Doch längst nicht nur in Tokio vertreiben ungezählte künstliche Lichtquellen die Dunkelheit. Das wird selbst mitten im Pfälzerwald deutlich. Studenten der Raum- und Umweltplanung an der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern haben den Nachthimmel vom Luitpoldturm beim Hermersbergerhof aus fotografiert. Zwar seien die Sterne über dem Turm gut zu erkennen, berichtet Marcel Schäfer stellvertretend für seine Studienkollegen. Aber am Horizont hellen Städte wie Straßburg, Mannheim/Ludwigshafen und Kaiserslautern sowie die US-Luftwaffenbasis Ramstein den Nachthimmel auf.

Mit der Redewendung „hier gehen die Lichter aus“ wurde früher der Niedergang einer Region umschrieben, sagt die Mainzer Umweltministerin Ulrike Höfken. Doch seit einiger Zeit mache das Schlagwort von der „Lichtverschmutzung“ die Runde. Inzwischen sei auch im Pfälzerwald die natürliche Dunkelheit als Alleinstellungsmerkmal erkannt worden. Denn: Erst „die natürliche Dunkelheit bringt die Sterne zum Leuchten“.

Manche dünn besiedelten Landschaften wie der 70 Kilometer von Berlin entfernte Naturpark Westhavelland, der Nationalpark Eifel oder das Biosphärenreservat Rhön werben schon mit ihrer geringen Lichtverschmutzung: Die drei Regionen präsentieren sich als „Sternenpark“, um Touristen anzulocken. Mit einem solchen Etikett zeichnet die International Dark Sky Association (IDA) Regionen aus, die einen Beitrag zum Schutz der natürlichen Dunkelheit leisten.

Zu den IDA-Anforderungen zählt laut Marcel Schäfer, dass in einem Gebiet mindestens zwölf gut erreichbare Sternenbeobachtungs-Standorte vorhanden sind. Diese Orte müssen zudem eine geringe Lichtverschmutzung aufweisen. Also machten sich die TU-Studenten mit Hilfe von Google Earth auf die Suche nach Kandidaten. Vor Ort wurden neben den Licht- auch die Sichtverhältnisse geprüft. Denn um einen ausreichenden Ausschnitt des Sternenhimmels sehen zu können, braucht es eine Freifläche von wenigstens 50 auf 50 Metern. Im dicht bewaldeten Pfälzerwald erwies sich die Suche nach solchen Lichtungen als Herausforderung.

Sehr zur Freude vom Lembergs Ortsbürgermeister Heinrich Hoffmeister entpuppte sich unter anderem die ehemalige Nike-Raketenstellung auf dem Braunsberg als vielversprechend: Dort ist es ausreichend dunkel, die Militärbrache ist über die Landstraße Salzwoog – Fischbach zu erreichen und auf dem Plateau gibt es asphaltierte Freiflächen. Hoffmeister könnte sich durchaus vorstellen, einen Beobachtungsplatz dort oben als weiteren Baustein in das Touristikangebot der Gemeinde einzubeziehen.

Andreas Hänel vom Planetarium in Osnabrück zählt zu den Pionieren, die auf das Thema Lichtsmog aufmerksam machen. Wer als IDS-Kommune anerkannt werden möchte, muss darauf achten, möglichst wenig Lichtverschmutzung zu erzeugen, erklärt er. Etwa, indem Laternen nicht mehr die ganze Umgebung, sondern nur noch die Straße erhellen, indem die Lichtmenge insgesamt reduziert wird und indem Lampen mit warmweißen Licht und geringen Blauanteilen verwendet werden. Diese Umstellung könne Schritt für Schritt erfolgen, wenn die Beleuchtung ohnehin erneuert oder repariert werden müsse.

All das hat Lemberg bereits mit fast der Hälfte seiner Straßenlaternen erfüllt und obendrein spürbar die Kosten für die Gemeinde gesenkt, freut sich Ortsbürgermeister Hoffmeister. Jetzt wartet er auf den Abschlussbericht der Studenten. Dann könnte er sich vorstellen, das Thema dem Gemeinderat vorzustellen. Auch der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder, der nicht nur Jura, sondern auch einige Semester Astronomie studiert hat, ist mit Blick auf den gesamten Pfälzerwald gespannt: „Wenn das was wird, ist der Bezirksverband Pfalz dabei.“ Die von der IDA für einen Sternenpark geforderte Mindestanzahl von zwölf geeigneten Beobachtungsstandorten sei im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen bei weitem überschritten worden, gibt sich der Student Marcel Schäfer optimistisch.

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