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Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Südwest

„Bewässerung das Zauberwort“

Klimawandel-Folgen stellen Winzer vor neue Herausforderungen – Bei Weinbautagen Strategien dargelegt

VON MARTINA RÖBEL

Wasserzufuhr für dürstende Reben: Hier werden Tankwagen dazu eingesetzt.

Wasserzufuhr für dürstende Reben: Hier werden Tankwagen dazu eingesetzt. ( Foto: GÖTZ/DLR RHEINPFALZ)

«NEUSTADT.»Die Folgen des Klimawandels machen sich auch im Pfälzer Weinbau bemerkbar. Welche Risiken, aber auch Chancen dies mit sich bringt, beleuchteten Experten gestern bei den 72. Pfälzischen Weinbautagen in Neustadt. Das Fazit dabei: Für die Winzer gilt es, sich durch verschiedene Anpassungsstrategien vorzubereiten auf veränderte klimatische Gegebenheiten wie höhere Temperaturen und zunehmende Trockenheit im Sommer.

Das von Wetterextremen geprägte Jahr 2018 bezeichnet Martin Ladach vom Institut für Weinbau und Oenologie am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt als „Paradebeispiel“ für die mögliche Entwicklung. Der Anstieg der durchschnittlichen Tagesmitteltemperaturen werde sich fortsetzen. In der Pfalz falle er noch etwas höher aus als im übrigen Bundesgebiet. Die Prognosen zum weiteren Verlauf der Temperaturerhöhung schwankten jedoch je nach Rechenmodell, zudem werde dabei auch der angestrebte Klimaschutz eine entscheidende Rolle spielen, sagte Ladach, der vor den Folgen von dessen Vernachlässigung warnt.

In Rheinland-Pfalz häuften sich seit Beginn der 1990er-Jahre die „warmen“ Jahre deutlich gegenüber den siebziger und achtziger Jahren, zeigte er anhand von Datenauswertungen des „Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen“ auf: „Eine Abweichung der Jahresdurchschnittstemperatur gegenüber dem langjährigen Mittel von ein bis eineinhalb Grad Celsius ist mittlerweile beinahe Standard.“ Allerdings komme es zwischen Phasen des Anstiegs auch wieder zum Absinken. In der Vorderpfalz hatte die durchschnittliche Jahrestemperatur den Angaben nach in der Zeit von 1881 bis 1910 bei 9,5 Grad Celsius gelegen, in den Jahren 1989 bis 2018 betrug sie 11,2 Grad.

Aufgrund der höheren Temperaturen verschiebt sich laut Ladach die Anbaueignung der verschiedenen Rebsorten zugunsten so wärmeliebender wie Cabernet Sauvignon oder Syrah. Dagegen werde das Temperatur-Optimum vieler klassischer „cool-climate“-Sorten wie Riesling oder Müller-Thurgau zukünftig überschritten werden. „Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Anbau dieser Sorten nicht mehr möglich sein wird“, betont der Fachmann. Er geht allerdings davon aus, sich der Sortencharakter und somit die Typizität der Weine durch die veränderte Zusammensetzung der Beereninhaltsstoffe merklich verändern werden.

Denkbar ist für ihn im Übrigen, dass künftig auch an manchen Standorten, wo bisher traditionell kein Qualitätsweinanbau möglich war – wie an Nordhängen oder in Höhenlagen – Reben stehen könnten. Womit mehr Wärme zur „Aufwertung vieler weinbaulicher Standorte“ führen könne. Für Ladach gehört der Weinbau insgesamt „eher zu den Profiteuren“ des Klimawandels – „aber die Voraussetzungen werden schwieriger“, schränkt er dabei ein. 2018 habe die Widrigkeiten der veränderten Anbaubedingungen eindeutig aufgezeigt, aber andererseits auch „anschaulich demonstriert, welche Qualitäten gewonnen werden können“.

Die Temperatur hat maßgeblichen Einfluss auf das Wachstum der Reben, die Licht und Wärme mögen, wie der Weinbauberater grundsätzlich erklärt. Und für die Weinqualität seien vor allem die Temperatursummen in der Zeit von April bis Oktober entscheidend. Ebenso bedeutend sei die Wasserversorgung. Doch diesbezüglich könne die zunehmende Trockenheit im Sommer Probleme bereiten. Vor allem jüngeren Anlagen drohten dadurch zukünftig vermehrt „trockenheitsbedingte Stressreaktionen, die sich auf die Qualität der Trauben und die Leistungsfähigkeit der Anlagen auswirken können“. Hier sehen Ladach und seine Kollegen vom DLR neue Anbaustrategien und vermehrt Techniken, wie zum Beispiel Bewässerung durch Tropfschläuche, gefragt.

Tendenziell höhere Niederschlagsmengen sind dagegen verschiedenen Klimamodellen zufolge in künftig milderen, kürzeren Wintern zu erwarten. Fortsetzen werde sich den Prognosen nach, so Ladach, die Verfrühung des Austriebs sowie des Beginns von Rebblüte und Traubenreife. Dadurch verlagere sich der Lesestart bei frühen Sorten vermehrt in den Spätsommer. Der sich abzeichnende Wandel erfolgt, wie der Experte anmerkt, indes nicht „linear“: Es werde immer wieder Jahre „mit entgegengesetztem Charakter“ geben. Die Klimavariabilität verlange daher den Winzern generell „vermehrt Flexibilität und Schlagkraft ab, um den Herausforderungen gewachsen zu sein“.

Dies unterstrich auch Matthias Petgen vom Institut für Weinbau und Oenologie. „Der Klimawandel hat den Weinbau fest im Griff“, sagt er – ebenfalls an die Rekorde bei Temperaturen und Trockenheit im Jahr 2018 erinnernd. Erstaunlich war für ihn, dass trotz ausbleibender Niederschläge Trockenschäden in den Weinbergen „nur lokal“ auftraten, die Reben „im Großen und Ganzen wuchsfreudig waren“ und die Mostgewichte schon früh „ungeahnte Höhen erreichten“.

Petgen kam unter anderem auch auf mögliche unschöne Folgen von Hitzeperioden zu sprechen, die in Pfälzer Weinbergen bisher noch keine Probleme bereiteten: Ozonschäden und Hitzeschäden, wie man sie etwa vom Weinbau in Australien kennt. Um Trauben vor Sonnenbrand zu bewahren, liefen am DLR schon Versuche mit dem Aufbringen spezieller Schutzmittel, berichtete Petgen. Zu den diversen von ihm geschilderten Maßnahmen, die im Weinbau angesichts der veränderten klimatischen Gegebenheiten ergriffen werden können, gehören beispielsweise die Anpassung der Bodenpflege und des Laubwand-Managements.

Ein wichtiger Faktor ist zudem Bewässerung. Sie war laut Petgen 2018 „das Zauberwort“. Das Hauptproblem bei diesem Weg, Trockenheit entgegenzuwirken, sei aber oft die Beschaffung des in den Wingert zu bringenden Wassers. Da nur wenige Gemarkungen an den Beregnungsverband angeschlossen seien, könne gegebenenfalls die Gründung einer Bewässerungsgemeinschaft zweckmäßg sein, um – bei entsprechender Genehmigung – einen Brunnen anzulegen.

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