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Dienstag, 23. April 2019 Drucken

Südwest

B10: Die Risiko-Straße

Von Rolf Schlicher

Die Unfallstelle auf der B10 zwischen Landau und Godramstein. (Foto: Hema/Crash24)

Wer auf der B10 zwischen Landau und Pirmasens unterwegs ist, kann sich nicht sicher fühlen. Dass der Ausbau verschleppt wurde, rächt sich.

Ein Toter, ein Schwerverletzter, zwei Leichtverletzte – das ist die traurige Bilanz des Unfalls, zu dem es am Samstag auf der B 10 bei Landau gekommen war. Der Frontalzusammenstoß ereignete sich in einem Abschnitt, der wechselnd dreispurig ausgebaut ist – damit besteht jeweils in eine Fahrtrichtung Überholmöglichkeit. Diese Abschnitte gehören zu den unfallträchtigsten Passagen der B 10. Verwundern muss das nicht. Denn dort werden im Prinzip eine Autobahn und eine Bundesstraße aneinandergekoppelt – nur getrennt durch eine doppelte weiße Linie. Eine Mittelplanke als Schutz gibt es nicht. Das Unfallrisiko fährt immer mit. Viele Autofahrer beschleicht deshalb ein mulmiges Gefühl, wenn sie dort mit einer Überholsituation konfrontiert sind: rechts die Lkw-Kolonne, links der schnelle Gegenverkehr – beklemmend.

Die B 10 ist eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Vorder- und Westpfalz. Doch ihr vierspuriger Ausbau bringt der Region Pirmasens wirtschaftlich wohl mehr als der Region Landau – dort fehlt es an Befürwortern. Der Gedanke der Solidarität hat diesen Konflikt bis heute nicht überbrücken können. Zweimal hat die Landesregierung versucht, den Streit um den vierspurigen Ausbau der B 10 mit einem Mediationsverfahren zu befrieden. Vergeblich.

„Überholdruck an den Spurwechselstellen“

Dabei lagen die Argumente auf dem Tisch. Denn bereits beim ersten Schlichtungsversuch im Jahr 2004 hatte die Frage der Verkehrssicherheit eine große Rolle gespielt. Polizei und Verkehrsexperten wiesen damals darauf hin, dass der „Überholdruck an den Spurwechselstellen“ der dreistreifig ausgebauten Abschnitte eine für die B 10 typische Unfallsituation sei – mit der Gefahr besonders schlimmer Personenschäden. Wie kam es überhaupt zu dieser risikobehafteten Dreistreifigkeit mit wechselnden Überholabschnitten? Nachdem in den 1980er-Jahren der Plan, die Autobahn 8 von Pirmasens quer durch den Pfälzerwald an die Rheinschiene anzuschließen, gescheitert war, hatte sich die B 10 zu einer Art Salami-Straße entwickelt. Denn die Landesregierung verfolgte daraufhin die Strategie, aus der B 10 abschnittsweise und über dreispurige Zwischenlösungen eine Ersatzautobahn zu machen.

Doch weil der Ausbau in der Südpfalz bis heute auf Widerstand stößt, ist diese Taktik im südpfälzischen Abschnitt der B 10 nicht aufgegangen. Das geht zu Lasten der Verkehrssicherheit. 15 Jahre nach dem Ende des ersten Mediationsverfahrens wird in der Südpfalz jetzt wenigstens seit März, ein erstes kleines Teilstück vierspurig ausgebaut: der 4,1 Kilometer lange Abschnitt zwischen der Anschlussstelle an der A 65 (Landau-Nord) und Godramstein. Die Bauzeit ist auf sechs bis acht Jahre veranschlagt. Für die Unfallopfer vom Samstag kommt dies zu spät. Die B10 wird noch auf Jahrzehnte eine Risiko-Straße bleiben – weil Kommunalpolitiker regionale Befindlichkeiten pflegen.

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