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Montag, 08. Januar 2018 Drucken

Südwest

Anklage wegen Attentatsversuch

Von Christoph Hämmelmann

Fahndungserfolg im Januar 2017: Der damalige österreichische Innenminister Wolfgang Sobotka vermeldet die Festnahme eines 17-jährigen Terrorverdächtigen. Nun soll dieser Anhänger der islamistischen IS-Miliz als mutmaßlicher Anstifter des Attentatsversuchs von Ludwigshafen in Wien vor Gericht gestellt werden.

Fahndungserfolg im Januar 2017: Der damalige österreichische Innenminister Wolfgang Sobotka vermeldet die Festnahme eines 17-jährigen Terrorverdächtigen. Nun soll dieser Anhänger der islamistischen IS-Miliz als mutmaßlicher Anstifter des Attentatsversuchs von Ludwigshafen in Wien vor Gericht gestellt werden. ( Foto: dpa)

Der gescheiterte Anschlag auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt kommt doch vor Gericht: In Wien wird ein 18-Jähriger als Anstifter angeklagt.

«Ludwigshafen/Wien.» Die österreichischen Medien verspotten in manchmal als „Terror-Buberl“. Doch als eine schwer bewaffnete Spezialeinheit den damals 17-jährigen Lorenz K. im Januar 2017 festnahm, wurde er in der Alpenrepublik als islamistischer Top-Terrorist gehandelt: Die Behörden berichteten von Plänen für einen Anschlag auf das Wiener U-Bahn-Netz, die Polizei versprach erhöhte Präsenz und rief zu allgemeiner Wachsamkeit auf, und sogar der damalige Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) höchstpersönlich trat vor die Presse.

Der Wiener schwor der Terrormiliz IS die Treue

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft eine dicke Anklageschrift gegen Lorenz K. zusammengestellt. In der geht es unter anderem um Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, schließlich hatte er in einer Video-Nachricht der IS-Miliz die Treue geschworen. Doch am schwersten wiegt ein Vorwurf, der die Pfalz betrifft. Denn der Sohn albanischer Eltern stand von Wien aus übers Internet mit einem damals Zwölfjährigen in Verbindung, der sich im am 26. November 2016 auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt in die Luft sprengen wollte.

Der Ludwigshafener lebt an einem geheim gehaltenen Ort

Mittlerweile lebt dieser Deutsch-Iraker mit seinen Eltern streng abgeschirmt an einem geheim gehaltenen Ort. Auf Kosten der Stadt Ludwigshafen wird er rund um die Uhr bewacht sowie von Pädagogen und Psychologen betreut. Denn die Behörden halten den Jungen zwar für gefährlich, können ihn aber nichts ins Gefängnis stecken: Junge Menschen dürfen in Deutschland nur für Taten bestraft werden, die sie ab ihrem 14. Geburtstag begangen haben. Obendrein geben amtliche Stellen nur möglichst wenige Informationen über seinen Fall an die Öffentlichkeit.

Er soll erst einen Anschlag auf eine Kirche geplant haben

Doch im Zusammenhang mit seinem österreichischen Internet-Kontakt kommen nun trotzdem neue Details heraus. Schließlich wissen die Wiener Ermittler, was sich der Zwölfjährige und ihr Angeklagter in Internet-Nachrichtendiensten wechselseitig übermittelt haben. Und sie kennen die Aussagen des Ludwigshafeners, über die selbst die Betreuer des Jungen nach Angaben des Jugendamts nur sehr wenig erfahren haben. Und so geht die Wiener Staatsanwaltschaft inzwischen davon aus, dass der Zwölfjährige zunächst einen Anschlag auf eine Kirche geplant hatte.

Im Austausch mit Lorenz K. entschied er sich für den Weihnachtsmarkt

Erst im Austausch mit Lorenz K. soll der Deutsch-Iraker dann beschlossen haben, lieber den Weihnachtsmarkt anzugreifen. Noch während er am 26. November mit seinem Eigenbau-Sprengsatz dorthin marschierte, stand er übers Internet mit seinem österreichischen Gesinnungsgenossen in Verbindung. In dessen Prozess wird diese Episode eine entscheidende Rolle spielen. Denn die Wiener Staatsanwaltschaft hat – anders als der RHEINPFALZ vor einigen Wochen angekündigt – den 18-Jährigen nun doch auch als Anstifter des Ludwigshafener Attentatsversuchs angeklagt.

Dem Wiener drohen bis zu 15 Jahre Haft

Deshalb drohen ihm jetzt bis zu 15 Jahre Haft. Und sein Verteidiger Wolfgang Blaschitz wird vor allem versuchen, den Vorwurf der „versuchten Bestimmung zum Mord und versuchten Bestimmung zur vorsätzlichen Gefährdung durch Sprengmittel“ zu widerlegen. Der Jurist behauptet: Sein Mandant hatte gar keinen entscheidenden Einfluss auf den Zwölfjährigen. Denn der sei schon von sich aus derart fanatisiert gewesen, dass er auch ohne Lorenz K. losgezogen wäre. Gescheitert ist der Attentatsversuch in Ludwigshafen den österreichischen Behörden zufolge jedenfalls nur, weil der selbst gebastelte Sprengsatz des Deutsch-Irakers nicht funktionierte. 

 

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