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Freitag, 03. August 2018 Drucken

Südwest

Abdul D.: Zweifel an Selbsttötungs-Versuch

Von Christoph Hämmelmann

Gefängnis für jugendliche Straftäter: Abdul D. ist in Schifferstadt inhaftiert. Ein Gutachten zufolge könnte der Afghane bei seiner Tat im vergangenen Dezember noch gerade so minderjährig gewesen sein.

Gefängnis für jugendliche Straftäter: Abdul D. ist in Schifferstadt inhaftiert. Ein Gutachten zufolge könnte der Afghane bei seiner Tat im vergangenen Dezember noch gerade so minderjährig gewesen sein. ( Foto: Lenz)

Mit der Klinge eines Einmal-Rasierers hat sich Mias mutmaßlicher Mörder Abdul D. vor wenigen Tagen im Schifferstadter Jugendgefängnis an der Brust verletzt. Nach RHEINPFALZ-Informationen sagte er danach einem Betreuer: Mit diesen Schnitten wollte er sich töten. Doch in Justizkreisen wird bezweifelt, dass er sich wirklich das Leben nehmen wollte.

Es soll ein Mithäftling gewesen sein, der in der Nacht vom 29. auf 30. Juli im Schifferstadter Jugendgefängnis Alarm schlug: Er rief Justizbeamte, weil er befürchtete, dass Abdul D. sich umbringen würde. Denn der Zuwanderer aus Afghanistan hatte eine Klinge aus einem Einweg-Rasierer ausgebaut und schon begonnen, sich damit in die Brust zu schneiden. Einen weiteren Stich soll er sich nach RHEINPFALZ-Informationen sogar noch beigebracht haben, als schon Gefängnispersonal herbeigeeilt war. Aber dann ließ er sich doch fesseln und ins Krankenhaus bringen.

Er kam in eine Spezial-Zelle

 

Dass er sich mit der Klinge tatsächlich umbringen wollte, soll Abdul D. später einem Betreuer gesagt haben. Nach RHEINPFALZ-Informationen will sich der Häftling zum Suizid entschlossen haben, als er an einen Brief an einen etwa gleichaltrigen Angehörigen schrieb, der gemeinsam mit ihm nach Deutschland gekommen war. Allerdings wird in Justizkreisen angesichts seines Vorgehens bezweifelt, dass sich der Afghane tatsächlich das Leben nehmen wollte. Trotzdem wurde er nach ärztlicher Behandlung zunächst in eine Spezial-Zelle verlegt.

 

In so einem „besonders gesicherten Haftraum“ gibt es keine Gegenstände, mit denen ein Mensch sich etwas antun könnte. Außerdem werden selbstmordgefährdete Gefangene dort besonders genau überwacht. Unmittelbar nach seiner Tat im vergangenen Dezember war Abdul D. schon einmal so untergebracht worden, weil er so verzweifelt wirkte. Er hatte in Kandel seine 15-jährige Ex-Freundin Mia erstochen, nachdem sie ihn verlassen hatte. Später sollen ihn Mithäftlinge im Gefängnis deshalb verprügelt haben.

Verteidiger: Wurde erst auf Nachfrage informiert

 

Über den neuesten Vorfall hatte gestern zunächst „Bild online“ berichtet. Abdul D.s Verteidiger Maximilian Endler bestätigte daraufhin, dass es zu einem Suizidversuch seines Mandanten gekommen sein soll. Allerdings habe ihn das Gefängnis erst über das Ereignis informiert, als er schon einen entsprechenden Hinweis bekommen und deshalb nachgefragt hatte. Der Jurist sagt: Sein Mandant habe außer ihm kaum Bezugspersonen in Deutschland. Deshalb hätte er sich gewünscht, dass er schneller einbezogen worden wäre.

 

Das Mainzer Justizministerium ließ diese Kritik unkommentiert. Stattdessen veröffentlichte es eine Erklärung, in der sinngemäß steht: Um die Persönlichkeitsrechte der Gefangenen zu schützen, werden grundsätzlich keine Informationen über deren Gesundheitszustand preisgegeben. Allerdings scheint der Prozess gegen Abdul D. ohne Verzögerung weiterzulaufen: Das Landauer Landgericht teilte gestern mit, dass am Montag und am Mittwoch wie geplant weiterverhandelt werden soll. An beiden Tagen seien je 15 Zeugen vorgeladen.

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