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Sonntag, 21. Juli 2019 - 10:48 Uhr Drucken

Pfalz-Ticker

Zahlreiche Unwetterschäden im Rhein-Pfalz-Kreis

Diesen Baum an der Auffahrt zur B9 hat es entwurzelt. Foto: krx

Diesen Baum an der Auffahrt zur B9 hat es entwurzelt. Foto: krx

[Aktualisiert: 18:40 Uhr] In der Nacht zum Sonntag ist ein heftiges Gewitter über den Rhein-Pfalz-Kreis gezogen. Die Feuerwehr Rhein-Pfalz-Kreis meldet zahlreiche Einsätze und erhebliche Schäden. Am Sonntagvormittag machten sich Landrat Clemens Körner und Kreisfeuerwehrinspekteur Patrick Janz ein Bild von der Lage.

Schwer getroffen hat es Waldsee, teilt Michael Jaspers, Wehrleiter der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rheinauen, mit. „Wir sind derzeit am Abarbeiten“, sagt er am Sonntagmorgen. „Der Schwerpunkt liegt in Waldsee. Dort war es extrem.“ Gut 50 Dächer seien dort beschädigt, zahlreiche Bäume entwurzelt, Auto durch herabfallende Ziegel ramponiert worden. Neuhofen und Altrip sind laut Jaspers glimpflicher davon gekommen, Otterstadt wurde verschont. Mit drei Drehleitern war die Wehr bereits in der Nacht unterwegs. Unterstützung bekam sie auch aus Speyer und Mutterstadt. 

THW sichert Giebelwand

An einem Rohbau in Waldsee ist eine Giebelwand eingestürzt, die das Technische Hilfswerk noch in der Nacht gesichert hat. Besonders betroffen sind nach Angaben des Wehrleiters die Neuhofener Straße in Waldsee – „Dort sind mehr als 20 Dächer beschädigt“ –, das angrenzende Neubaugebiet sowie das Wochenendgebiet. „Unaufschiebbare Erstmaßnahmen“ erledigen die Wehrleute am Sonntagvormittag: entfernen lose Ziegel, decken wenn nötig auch notdürftig ein Dach ab. Verrsperrte Straßenzufahrten wurden noch in der Nacht freigeschnitten – der Waldweg in Richtung Schlicht zum Beispiel.

Sicherungsmaßnahmen an Gebäuden

30 Einsatzstellen meldet die Schifferstadter Wehr bislang. Am schlimmsten betroffen ist das Schulzentrum, bei dem große Dachelemente zerstört wurden. Auf die Autobahn 61 waren sechs Bäume gestürzt. Die Kreisstraße 30 musste über Stunden auf Grund zahlreicher umgestürzter Bäume gesperrt werden. Am Nachmittag war die Feuerwehr Schifferstadt noch mit Sicherungsmaßnahmen an Gebäuden beschäftigt, für die auch die Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Dannstadt-Schauernheim gebraucht wurde. Am Rand der A61 mussten zudem noch einige Bäume gefällt werden, die drohten auf die Straße zu fallen.

Umgestürzte Bäume

Die Freiwillige Feuerwehr Böhl-Iggelheim musste ab 0.55 Uhr zu rund 37 Einsätzen ausrücken, so Wehrleiter Michael Remmle. Der erste Einsatz war ein umgestürzter Baum auf der Landstraße nach Speyer. Bis etwa 10.30 Uhr sei die Wehr über Nacht mit rund 25 Einsatzkräften und fünf Fahrzeugen im Dauereinsatz gewesen. Neben der Sicherung einer herabgefallenen Oberleitung (400V), seien mehrere Bäume von Dächern, herabfallende Ziegeln und zahlreiche Bäume aus dem öffentlichen Straßenbereich entfernt worden, so die Feuerwehr. Durch einen entwurzelten Baum geriet außerdem ein Flüssiggastank in Schieflage. Laut Wehr ging davon allerdings keine akute Gefahr aus, so dass die Sicherung entsprechend durch die verständigte Betreiberfirma erfolgen konnte.

Auch Pfalzwerke und Telekom im Einsatz

Am frühen Sonntagmorgen wurde die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Deidesheim - Ortswehr Meckenheim - mit elf Mann und drei Fahrzeugen zur Unterstützung und Ablösen der nächtlichen Einsatzkräfte alarmiert. Mit im Einsatz im Bereich Böhl-Iggelheim waren zudem die Pfalzwerke, die Telekom, die Firma Progas, sowie eine Baufirma und ein Baumpflegeunternehmen als externe Firmen, welche zur Unterstützung hinzu gerufen wurden.

Windgeschwindigkeit von 31 Knoten

Wie Meteorologe Martin Jonas vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach mitteilt, sei das schwere Gewitter am Sonntag zwischen 0.30 und 1 Uhr durch den südlichen Rhein-Pfalz-Kreis bis nach Baden-Baden gezogen. „Es ist nichts Ungewöhnliches, dass ein Gewitter mit Sturm oder orkanartigen Böen einhergeht“, sagt er. Diese können eine Folge von Höhenwinden oder der Temperatur- und Feuchteschichtung sein. Denn wenn den Boden trocken und die Luft sehr feucht ist, könnten Fallböen entstehen, die sich zu Orkanböen entwickeln können. An der nächstgelegenen Messstation in Mannheim sei eine Windgeschwindigkeit von 31 Knoten gemessen worden. Das entspreche etwa 58 Kilometer pro Stunde. „Das ist nicht viel“, sagt Jonas. Die Situation im südlichen Rhein-Pfalz-Kreis lassen jedoch darauf schließen, dass die Windgeschwindigkeit dort höher lag. „58 Stundenkilometer muss ein Dach aushalten.“ |cju/stja/krx

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