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Dienstag, 31. Oktober 2017 - 12:27 Uhr Drucken

Pfalz-Ticker

Wolfgang Thierse zum Reformationsjubiläum: „Pluralismus ist kein Idyll“

(Foto: Lenz)

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 Foto: Ditt

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Lutheroratorium, Musical, unzählige Feste und Aktionen rund um die Reformation haben die Protestanten ein Jahr lang auf die Beine gestellt. In Speyer wurden am Dienstagmorgen der zentrale rheinland-pfälzische Festakt und der Festgottesdienst zum Abschluss gefeiert. Religionsvertreter und Politiker betonten gleichermaßen die Wichtigkeit einer friedlichen Lösung der derzeitigen gesellschaftlichen Konflikte.

Liveübertragung an mehreren Orten




Die Feier in der nach langen Renovierungsarbeiten wiedereröffneten 300 Jahre Alten Dreifaltigkeitskirche stand unter dem Leitthema „Neues sagen, Neues wagen“. Die Feier konnten die Bürger sowohl in der benachbarten Heiliggeistkirche als auch im Mutterhaus der Evangelischen Diakonissenanstalt Speyer live an der Videoleinwand mitverfolgen. Sie wurde zudem im Fernsehen übertragen. Vor und in der Heiliggeistkirche gab es zahlreiche Mitmachaktionen für die Besucher, die aus ganz Rheinland-Pfalz und dem angrenzenden Baden-Württemberg gekommen waren.

„Nicht die Geschichte vergessen beim Entsetzen über Gotteskrieger“




Als ein starkes Plädoyer für Frieden und Verständigung – und gegen jede Form der Gewalt hat der Präsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad, die Botschaft Luthers von Gottes Wirkmacht allein durch das Wort bezeichnet. Die Folgen der Reformation: „Menschen wurden im Namen des wahren Glaubens gefangen genommen, gefoltert, vertrieben, ermordet“, betonte Schad. Er verdeutlichte: „Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir uns heute über Gotteskrieger entsetzen, die im Namen ihres Gottes Unfreiheit und Zwang durchsetzen wollen.“ Auch in den Kirchen der Freiheit hätten Menschen gedacht, sie müssten Gottes Ansprüche durchsetzen.

Reformationsfeier als Versöhnungsgeste




„Ich bin froh, dass die Lutherdekade und die Jubiläumsfeier fast ganz ohne Triumphalismus ausgekommen sind - in dem unsere beiden Kirchen, die katholische besonders, ja eine lange Tradition haben. Sie waren vielmehr geprägt von ökumenischem Geist, von beeindruckenden Versöhnungsgeste“, sagte der ehemalige Bundestagspräsident, Wolfgang Thierse.

„Pluralismus wird keine Idylle sein“




Er hob auch ab auf die Herausforderung des gesellschaftlichen Wandels. Die politischen Folgen des Zwiespalts habe man mit Erschrecken am vergangenen Wahlsonntag erlebt. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass unser Land sich weiter verändert und dass unser Land dauerhaft pluralistischer wird“, so Thierse. Dieser Pluralismus werde keine Idylle sein, sondern stecke voller sozialem, religiös-kulturellem und politischen Konfliktpotenzial. „Wir müssen neu, immer wieder neu lernen, damit umzugehen“, forderte er.
Für die ganze Gesellschaft sei das Reformationsjubiläum wichtig, weil sie der Beweis für gelebte Toleranz und Freiheit sei.

Bischof betont Versöhnung




Bischof Karl-Heinz Wiesemann betonte das Verbindende von Katholiken und Protestanten: „Zu lange haben wir als Kirchen einander den Glauben abgesprochen und Leid zugefügt. Heute leben wir aus unserer Verbundenheit im Glauben an den einen Herrn.“ Nur zusammen könnten die Kirchen die Menschen heutzutage für den Glauben faszinieren, so der Bischof.

Ministerpräsidentin würdigt Reformationsstätten




Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer erinnerte daran, dass das Bundesland mit Speyer, Worms und Ebernburg besonders mit den Anfängen der Reformation verbunden sei. In Worms musste Luther Rede und Antwort stehen, in Speyer entstand der Begriff Protestantismus. Auf der Ebernburg fanden verfolgte Reformatoren und Anhänger Luthers bei Franz von Sickingen Unterschlupf. Die Reformation habe eine Entwicklung in Gang gesetzt, die die Gesellschaft bis heute präge. „Reformation geht uns alle an.“ Luthers Bibelübersetzung habe nachhaltig geprägt. Die Forderung nach Teilhabe für alle hätten die Reformatoren gefordert. |ccd