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Samstag, 15. September 2018 - 18:00 Uhr Drucken

Pfalz-Ticker

Wiesemann zu Missbrauch: „Versagen und Schuld der Kirchenleitung auf allen Ebenen“

Bischof Wiesemann. Archivfoto: Lenz

Bischof Wiesemann. Archivfoto: Lenz

Bischof Karl-Heinz Wiesemann wendet sich im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch direkt an die Gemeinden und Gläubigen im Bistum Speyer. Seine Erklärung zur Veröffentlichung der Missbrauchsstudie wird an diesem Wochenende in allen Gottesdiensten der Diözese verlesen. „Das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in Deutschland im Jahr 2010 hat eine tiefe Erschütterung ausgelöst. Wir Bischöfe haben in dieser Situation zahlreiche Maßnahmen zur Aufklärung und Prävention ergriffen. Auch sahen wir die Notwendigkeit, den Missbrauch in der katholischen Kirche durch Wissenschaftler von außen unabhängig untersuchen zu lassen“, schreibt Bischof Wiesemann.

Teile der Missbrauchstudie schon öffentlich



Wie berichtet, sollte eigentlich am 25. September während der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda eine Studie vorgestellt werden, die den Missbrauch untersucht hatte. Diese Woche waren aber schon einige Zahlen durchgesickert. So sollen laut der in Auftrag gegebenen Studie zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3677 sexuelle Vergehen von 1670 Klerikern überwiegend an Jungen stattgefunden haben. Deutschlandweit wurden dazu die Unterlagen von (Erz-)Diözesen geprüft. Auch das Bistum Speyer hatte seine Akten zur Prüfung offen gelegt. Bislang waren 39 Fälle im Bistum Speyer bekannt geworden, die entweder strafrechtlich verjährt oder in denen die betroffenen Kleriker bereits verstorben waren.

Bischof zutiefst erschüttert



Die nun bekannt gewordenen Zahlen über die Dimension des Missbrauchs erschütterten den Bischof zutiefst: „Was Priester unserer Kirche Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen an körperlichem und seelischem Leid zugefügt haben, ist unbeschreiblich und sehr bedrückend.“ Versagen und Schuld treffe auch die Leitung auf allen Ebenen der Kirche. Der Schutz der Kirche sei oft vor den Schutz der Betroffenen gestellt worden. „Das bedaure ich zutiefst und bitte die Betroffenen aus tiefem Herzen um Verzeihung“, so der Bischof.

„Bisher Unternommenes reicht nicht aus“


Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen aus seiner Sicht: „Das bisher Unternommene reicht nicht aus. Wir müssen für unsere Kirche weitere Konsequenzen ziehen und uns allen damit verbundenen Fragen offen und ehrlich stellen.“ Dazu brauche es zuerst eine intensive Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Studie.

„Ich werde mich weiterhin für eine konsequente Aufarbeitung einsetzen“, erklärt Bischof Wiesemann. Dabei seien ihm der Kontakt und das Gespräch mit den Betroffenen besonders wichtig. „Sie wurden oft über Jahrzehnte in unserer Kirche nicht gehört und ich bin entschlossen, dies zu ändern und dauerhaft zu gewährleisten.“ Er ermutigt Betroffene, die sich bisher noch nicht gemeldet haben, sich an die beiden Missbrauchsbeauftragten des Bistums zu wenden. Dies könne helfen, Täter zu entlarven und weitere Verbrechen zu vermeiden.

Prävention soll ausgebaut werden


Die Diözese Speyer werde die Prävention weiter ausbauen, personell wie finanziell, um so einen umfassenderen Schutz für Kinder, Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene zu erreichen, kündigt Bischof Wiesemann an. „Wir werden alles tun, damit sie bei uns sicher sein können.“ In den vergangenen Wochen hatten den Bischof viele Mitteilungen erreicht, „aus denen Schmerz und Zorn sprechen“. Er verstehe und teile die Enttäuschung der Gläubigen, „die Wut und das tiefes Leiden an der Kirche“. Der Schmerz und das Leid der Betroffenen seien „der Schmerz und das Leid Jesu Christi.“ Zusätzlich zu Gesprächen mit Betroffenen, Aufklärung und Prävention seien auch Umkehr, Buße und das gemeinschaftliche Gebet der Kirche notwendig.

|ras/mk