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Montag, 29. Dezember 2014 Drucken

Kaiserslautern

„Verteilen statt Vernichten“

Durchschnittlich sind es 100 Kunden, die an einem Ausgabetag der Kaiserslauterer „Tafel“ versorgt werden. Die soziale Einrichtung hat sich an ihrem vor über zwei Jahren bezogenen neuen Zuhause in der Wollstraße gut eingelebt. Das Angebot an Lebensmitteln geht zurück.

VON JOACHIM SCHWITALLA

 

Adele Haag und Marina Siles (rechts) führen die „Tafel“. (Foto: VIEW)

Durchschnittlich sind es 100 Kunden, die an einem Ausgabetag der Kaiserslauterer „Tafel“ versorgt werden. Die soziale Einrichtung hat sich an ihrem vor über zwei Jahren bezogenen neuen Zuhause in der Wollstraße gut eingelebt. Das Angebot an Lebensmitteln geht zurück.

 

Ihr macht die Arbeit immer noch Spaß. Und das mit 71 Jahren. Damals, als sie in einer Talkshow mit Jürgen Fliege von der „Tafel“ in Düsseldorf hörte, war sie angetan von dem, was diese Einrichtung für Bedürftige leistet. Das war 1998. Gutes tun und etwas von dem zurückgeben, was sie in ihrem eigenen Leben an Gutem erfahren hat, das tut Adele Haag bis heute.

„Wir haben uns in unserem Domizil in der Wollstraße gut eingelebt“, sagt die Vorsitzende des Vereins der Kaiserslauterer Tafel. An der Arbeit des Vereins hat sich in 16 Jahren nichts verändert. „Unsere Arbeit ist immer die gleiche. Wir beschaffen Ware, die Verbrauchermärkte nicht verkauft haben und geben die noch verwertbaren Artikel an Menschen mit Bedarf weiter“, bringt es Adele Haag auf den Punkt.

Über zwei Jahre sind es her, dass die Tafel aus dem Untergeschoss des früheren Marienheims in der Pariser Straße in die Wollstraße auf dem Kotten umgezogen ist. Angemietet hat die Tafel die ehemaligen Räume der Gaststätte „Deutsches Haus“. Auf 180 Quadratmeter wurden eine Ausgabestelle für Lebensmittel, ein Warteraum für Kunden und Lagerräume für Waren geschaffen. Mit den Räumlichkeiten sind Adele Haag und ihre Stellvertreterin Marina Siles sehr zufrieden. Das Entgegenkommen des Vermieters bei der Herrichtung der Räume hat der Verein gerne angenommen. Auch wenn die Anlieferung mit dem Transportfahrzeug in der Kennelstraße einfacher war, die Fahrer haben sich an die engen Straßen auf dem Kotten gewöhnt.

Dienstags und freitags, 15 bis 16.30 Uhr, und 14-tägig donnerstags herrscht in der Tafel Hochbetrieb. Fünf Frauen sind in der Ausgabe damit beschäftigt, ihren Kunden die Taschen mit Gemüse, Obst, Backwaren, Milchprodukten, Süßigkeiten und Lebensmitteln, die aktuell zur Verfügung stehen, zu füllen. Durchschnittlich 100 Kunden sind es, die an einem Ausgabetag nicht mit leeren Händen nach Hause gehen.

Zuvor erhalten die Nachfragenden eine Nummer, die ihnen anzeigt, wann sie an der Reihe sind. Ein bestuhlter Warteraum mit bis zu 50 Plätzen erleichtert den Kunden die Wartezeit. Unter den Bedürftigen hat die Anzahl der Asylbewerber zugenommen, berichtet Adele Haag. „Der Zulauf aus dem Asternweg ist groß.“ Rückläufig dagegen ist das Angebot an Lebensmitteln. „Die Ware wird weniger“, verweist sie auf Verbrauchermärkte, die ihrerseits knapper disponieren.

Von Montag bis Freitag ist der Transporter der Tafel mit drei Männern unterwegs, gespendete Waren bei Supermärkten und Bäckereien abzuholen und der Tafel zuzuführen. „Verteilen statt Vernichten“ laute das Motto der Tafel. „Wir sind keine Grundversorger“, baut Adele Haag vor. „Wir können nur geben, was wir selbst bekommen.“ Gleichwohl fügt sie hinzu: „Wer zur Tafel kommt, muss nicht verhungern.“ Schade findet es Adele Haag, dass von den Weihnachtspäckchen, die speziell für Kinder mit Textilien, Spielsachen und Süßigkeiten gepackt wurden, bis kurz vor Weihnachten längst nicht alle abgeholt wurden.

Anders als im Marienheim muss der Verein für die Räumlichkeiten Miete und Nebenkosten zahlen. Nicht immer reichen die Beiträge der 90 Mitglieder und Spenden aus, den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dann kann es schon mal vorkommen, dass pro Ausgabe von Lebensmitteln ein Solidarbeitrag von ein bis zwei Euro von den Kunden erhoben werden muss.

Zu Recht können Adele Haag und 55 ehrenamtlich tätige Frauen und Männer stolz auf ihre Arbeit sein. Auf ihr Team lässt die Gründerin der Kaiserslauterer Tafel nichts kommen. Mehrere Auszeichnungen in der Vergangenheit, darunter auch die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz, hat sie im Namen ihrer Mitstreiter entgegengenommen.

Auch wenn ihre Familie hinter ihr steht, sie sich in ihrem Alter noch fit fühlt und sie gut mit ihren Kunden umgehen kann, kann sich Adele Haag vorstellen, künftig kürzer zu treten. Wie die junge Studentin, die sich kürzlich bei der Tafel engagiert hat, wünscht sie sich weitere junge Leute, die mit anpacken helfen, der Gesellschaft ein soziales Gesicht zu geben. Bundesweit gibt es 922 Tafeln. Die Tafel in Kaiserslautern ist die 158., die bedürftigen Menschen ihr Leben erträglicher macht.