Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Dienstag, 26. April 2016 Drucken

Ludwigshafen

Stadt bremst Bau von Flüchtlingsunterkünften

Von Michael Schmid

 

Derzeit sind über 2000 Flüchtlinge in Ludwigshafen untergebracht. Der Zustrom hat deutlich nachgelassen. Die Stadtverwaltung will deshalb erst einmal beim Bauprogramm für Unterkünfte etwas auf die Bremse treten. An sieben Standorten soll bis auf Weiteres nicht gebaut werden. Darüber ist gestern der Stadtrat informiert worden.

Woche für Woche sind im vergangenen Jahr Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes nach Ludwigshafen transportiert worden. Mitte Februar sind erstmals keine neuen Menschen mehr gekommen. Grund: Die Länder entlang der Balkan-Fluchtroute haben ihre Grenzen geschlossen. Im April sind nur noch 78 Flüchtlinge in der Stadt gelandet. Zum Vergleich: Im Januar und Dezember waren es noch über 200 Menschen.

„Ob das so bleibt, kann niemand genau sagen“, sagte Bürgermeister Wolfgang van Vliet ( SPD). Klar sei jedoch, dass Ludwigshafen in den kommenden Monaten noch einmal 283 Flüchtlinge zugewiesen bekommt, denn die Stadt habe noch einen Überhang bei den vom Land festgelegten Kontingenten aus dem vergangenen Jahr. Nach Angaben des Sozialdezernenten sind derzeit 2035 Flüchtlinge in der Stadt unterbracht – etwa die Hälfte sind Syrer, ein Drittel Afghanen und ein weitere größere Gruppe stammt aus dem Irak. Fast drei Viertel aller Neuankömmlinge sind Familien. Aber es gibt auch 101 Minderjährige, die ohne Eltern hier leben, wie Jugenddezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) informierte. Für 75 Kinder hat die Verwaltung die Vormundschaft übernehmen müssen.

Wer von den Flüchtlingen nicht in eine Wohnung vermittelt werden kann, muss in einer der Massenunterkünfte leben. Die Familien sind in umgebauten Gewerbegebäuden und Containern in der Mundenheimer Wattstraße unterbracht, alleinstehende Männer in Hallen auf dem Messplatz. Um mehr Wohnraum zu schaffen, hat die Stadt ein Bauprogramm für Flüchtlinge auf den Weg gebracht: Die Verwaltung wollte insgesamt bis zu 31 Häuser in Schlichtbauweise im Stadtgebiet bauen. Jedes Haus liefert Platz für maximal 54 Personen.

Davon werden jetzt erst einmal vier Gebäude in Mundenheim (Flurstraße) voraussichtlich Ende Mai bezogen. Ende Juli folgen jeweils zwei Häuser im Gewerbegebiet Wingertsgewanne (Oggersheim), im August in der Edigheimer Kranichstraße sowie im September in der Wollstraße (West). Die restlichen geplanten Standorte sollen als Reserve vorgehalten werden. „Wir wollen die Projekte beenden, die wir begonnen haben. Bei Bedarf werden wir wieder zügig einsteigen“, sagte Baudezernent Klaus Dillinger (CDU). Auch beim Bau von SOS-Unterkünften (Hallen für bis zu 240 Personen) tritt die Stadt auf die Bremse. Erst einmal gebaut werden zwei Hallen in der Wollstraße und eine in Maudach (Gewerbegebiet). Weiteren geplante Standorte sollen nur bei Bedarf realisiert werden.

„Wir wissen nicht, was noch kommt. Wir dürfen nicht zu viele, aber auch nicht zu wenige Plätze haben“, sagte Ordnungsdezernent Dieter Feid (SPD). Er berichtete auch von einem großen Stau bei der Bearbeitung von Asylverfahren. Von 1940 Verfahren der Ludwigshafener Flüchtlinge seien vom zuständigen Bundesamt erst 237 Fälle abgeschlossen worden. Rund 450 Flüchtlinge seien vom Land bisher gar nicht registriert worden. Dies soll nun in den kommenden Tagen nachgeholt werden. Der Kämmerer unterstützte Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) in ihrer Forderung nach einer besseren finanziellen Unterstützung der Kommunen.

Pfalz-Ticker