Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Zum Einzelverkauf der Ausgabe als PDF
Freitag, 15. Dezember 2017

6°C

Dienstag, 10. März 2015 Drucken

Bad Dürkheim

Sechs Welpen aus dem Gully gerettet

Frischer Wurf zufällig entdeckt – Hündchen werden bei Pflegerin der Tierhilfe aufgepäppelt

Wirklich winzig sind die sechs Welpen, die von Helga Schreuder jetzt zunächst mit dem Fläschchen durchgefüttert werden müssen. Alle zwei Stunden gibt’s eine Portion Milch. (Foto: Franck )

Sechs gerade geborene Welpen sind am Montagvormittag in einem Kanalschacht in Wachenheim gefunden worden. Die Tiere können erst wenige Stunden zuvor zur Welt gekommen sein, die Nabelschnur war noch dran. Der Verein Tierhilfe hat die Hundebabys an eine Pflegerin aus den eigenen Reihen gegeben und Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Eine Anwohnerin im Wohngebiet Höhenhausen, die gegen 11 Uhr gerade ihre eigenen Hunde ausführte, war aus ein Fiepen aufmerksam geworden, dessen Herkunft sie schließlich unter einem Gullydeckel mitten auf der Straße Im Neustück ausmachte (die Straße geht dann außerhalb in den Römerweg über). Die Passantin alarmierte den Bauhof und mit dessen Hilfe sowie einiger Nachbarn konnten sie den schweren Kanaldeckel anheben. Im Schacht stießen sie auf die sechs Welpen.

So schilderte es Judith Räch, Vorsitzende des Vereins Tierhilfe, am Nachmittag der RHEINPFALZ. „Die Nabelschnur war noch nicht trocken, das heißt, die Welpen sind erst in der Nacht oder gar am Morgen geworfen worden.“

Die Wachenheimerin, die auf die Welpen stieß, ging mit ihnen zunächst zum Tierarzt und informierte die Tierhilfe. Am Nachmittag kamen sie in die Obhut von Helga Schreuder, einer erfahrenen Tierpflegerin aus den eigenen Reihen, die in Herxheim am Berg wohnt.

„Wir wissen noch nicht, ob wir sie durchbringen“, sagte Räch. Die 50-Jährige, die den Verein seit 2007 leitet, hat Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Sie selbst, die schon vorher lange Jahre im Tierschutz aktiv war, hat einen solchen Fall auch noch nicht erlebt. „Dass man uns zu Hause einen Karton mit Katzen vor die Tür gesetzt hat, das hatten wir schon. Da hat sich wenigstens noch jemand Mühe gegeben, dass sie gefunden werden. Aber so etwas ...“ Da habe jemand bewusst gewollt, dass die Hunde nicht überleben, so Räch.

Inzwischen sind die Welpen in ziemlich besten Händen. Helga Schreuder ist mit Hunden vertraut, „so lange ich denken kann“. Sie habe „schon einiges an Hund, Katze, Maus, Fisch, Vogel“ in Pflege gehabt und hält selbst ein halbes Dutzend Hunde. Meist „hängengebliebene“, wie sie sagt. Unter anderem „Dreibeiner“ wie einen Schäferhund und einen Schäfer-Husky oder Panikhunde wie einen 37 Zentimeter großen Mischling, der in einer Höhle gefunden worden war und den sie in den ersten fünf Monaten auf dem Arm hatte Gassi tragen müssen. „13 Hunde im Haus war mal das Höchste der Gefühle“, lachte die 53-Jährige. „Aber so miniklein waren noch keine.“

Ihre neuesten Pensionsgäste werden jetzt mit Ziegenaufzuchtmilch samt Zusatzstoffen aus der Nuckelflasche aufgepäppelt, bekommen alle zwei Stunden eine Mahlzeit und den Bauch massiert. Feste Nahrung gibt’s wohl erst nach der vierten, fünften Woche. Auch die Tierärztin habe ein Auge auf sie.

„Im Moment liegen sie auf dem Wärmekissen“, beschrieb Schreuder bei unserem Anruf. Ihre Hoffnung, dass in „Shari“, ihrem weiblichen Border Collie, Mutterinstinkte geweckt werden, schien auch aufzugehen. „Sie liegt schon mal davor...“ Als die Fotos entstanden, war Shari schon dabei, ihre Adoptivkinder abzuschlecken.

Das Sextett besteht aus vier Rüden und zwei Mädchen, sie kamen als Federgewichte zwischen 128 und 140 Gramm in Herxheim an. Die Rasse der Tiere ist vorerst noch nicht zu bestimmen, doch tippt die „Hundemutter“ aufgrund ihrer langen Erfahrung und den Aufzeichnungen auf eine eher kleinere Art in der Größe von Dackel oder Chihuahua. Wenn sie über den Berg sind, wird der Verein Tierhilfe versuchen, neue Besitzer für sie zu finden – was nach Judith Rächs Erfahrung nicht allzu schwer sein sollte: „Welpen gehen immer.“ (psp)

Pfalz-Ticker