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Donnerstag, 16. Mai 2019 - 08:43 Uhr Drucken

Pfalz-Ticker

Feuer in Rheingoldhalle: Großer Schaden befürchtet

Das Feuer ist im Dach der Halle ausgebrochen. (Foto: dpa)

(Foto: dpa)

[Aktualisiert 18.10 Uhr] Ein Feuer hat in der über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Mainzer Rheingoldhalle immensen Schaden angerichtet. „Mehrere Hunderttausend Euro sind die unterste Schätzung“, sagte ein Polizeisprecher in Mainz. Ersten Ermittlungen zufolge könnte sich der Brand am Donnerstagmorgen in dem Veranstaltungs- und Kongresszentrum durch einen Schwelbrand bei Sanierungsarbeiten entwickelt haben. Erst am Nachmittag waren die Flammen nach stundenlangem Einsatz weitgehend gelöscht.

Betroffen war ein Zwischenraum zwischen der Hallendecke und dem Dachaufbau, wie Stadtsprecher Marc André Glöckner sagte. Rund die Hälfte der Dachfläche - etwa 5000 Quadratmeter - sind der Stadt zufolge von dem Brand beschädigt worden. Teile der Dachkonstruktion stürzten ein. Die markanten, goldenen Dachspitzen der Halle hätten das Feuer aber nahezu unbeschadet überstanden, sagte Glöckner. Verletzt wurde durch das Feuer selbst niemand. Drei Verkehrspolizisten, die bei intensiver Rauchentwicklung den Verkehr geregelt hatten, mussten zwischenzeitlich von einem Arzt behandelt werden.

Bemerkt worden war der Brand laut Polizei gegen 6.20 Uhr, als die Brandmeldeanlage des Gebäudes Alarm schlug. Vorher sei bereits Rauch wahrgenommen worden. Dieser breitete sich großflächig aus. Etwa 150 Feuerwehrleute der umliegenden Wehren aus Mainz und Wiesbaden sowie zwei Werksfeuerwehren rückten an, darunter mehrere Drehleiterwagen. Ein Feuerlöschboot war auf dem Rhein im Einsatz, um Schaumlöschmittel zum Brandort zu bringen. Auf einem großen Parkplatz am Fußballstadion von Mainz 05 am Stadtrand richtete die Feuerwehr eine Sammelstelle für Einsatzkräfte ein. Ein angrenzendes Hotel sei teilweise evakuiert worden, berichtete Glöckner. Hotelgäste und Anwohner waren über mehrere Stunden aufgefordert, Türen und Fenster vorsichtshalber geschlossen zu halten. Messwagen der Feuerwehr überprüften die Luft auf mögliche Schadstoffe. Laut der Polizei bestand aber zu keiner Zeit Gefahr.

Fotos aus dem Hubschrauber

Am frühen Nachmittag meldete die Stadt schließlich, das Feuer sei weitgehend gelöscht. Bis zum Abend sollten Feuerwehrkräfte noch auf dem Hallendach bleiben, um einzelne Glutnester zu finden. Zwischenzeitlich wurde zusammen mit Statikern überlegt, einen Mini-Bagger auf das Dach zu heben, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Aus Platzmangel und wegen der unklaren Statik des Daches wurde die Idee aber nicht weiter verfolgt. Bereits seit den frühen Morgenstunden hatte die Feuerwehr versucht, mit Spezialsägen die Dachkonstruktion zu öffnen, um an den Brandherd zu kommen. Die Polizei ermittelt nun wegen fahrlässiger Brandstiftung. Brandermittler der Polizei überflogen dazu mit einem Hubschrauber das Gelände und fertigten mit einer hochauflösenden Kamera Bilder von der Unglücksstelle an. Erste Spuren konnten gesichert werden. Erste Einschätzungen sind im Laufe des Freitags zu erwarten, wie die Polizei mitteilte.

Die Rheinstraße, eine zentrale Verkehrsachse in der Innenstadt, blieb den ganzen Tag über gesperrt. Vor allem im morgendlichen Berufsverkehr kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. „Mainz hat komplett gestanden“, sagte ein Polizeisprecher. Die Verkehrsbehinderungen hätten sich auch auf die Autobahnen 60 (Bingen-Rüsselsheim) und 643 (Wiesbaden-Mainz) ausgewirkt. Die Zufahrt auf die Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden war eingeschränkt befahrbar. Weil die Rheinstraße voraussichtlich noch bis zum Freitag gesperrt bleiben sollte, erwartete die Polizei auch für den Feierabendverkehr und den Berufsverkehr am Freitagmorgen Behinderungen.

Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) zeigte sich am Unglücksort betroffen. „Das ist ein Stück von Mainz, das brennt“, sagte er. Es tue weh, die Halle in Brand zu sehen. Sie sei mit ihrer „schönen und reichen Geschichte“ eng mit der Stadt verbunden. In der Rheingoldhalle finden unter anderem viele traditionelle Fastnachtssitzungen statt. Die aus dem Fernsehen bekannte Sitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ wird allerdings aus dem nur wenige hundert Meter von der Halle entfernten Kurfürstlichen Schloss ausgestrahlt.

Der große Kongresssaal der Mainzer Rheingoldhalle war zuletzt wegen Umbaus geschlossen. Neben einer Modernisierung der Räume sollte laut der Stadt Mainz auch der Brandschutz auf den neusten Stand gebracht werden. Die Bauarbeiten sollten laut ursprünglicher Planung bis November dieses Jahres dauern. Das Land hatte einen Zuschuss von mehr als 4,68 Millionen dafür gegeben. Wegen verschärfter Brandschutzauflagen war der große Kongresssaal, in dem ursprünglich bis zu 3000 Besucher Platz fanden, zuletzt nur noch für 2400 Personen zugelassen gewesen.