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Dienstag, 03. Dezember 2019 - 18:43 Uhr Drucken

Pfalz-Ticker

Hochstraßen-Humor im Internet: „Über keine Brücke kannst du gehn“

Die Hochstraße Süd in Ludwigshafen soll abgerissen werden.

Die Hochstraße Süd in Ludwigshafen soll abgerissen werden. ( Foto: KUNZ)

Wenn nichts mehr hilft, hilft nur noch Humor. Tagtäglich leiden Ludwigshafener und alle, die in Ludwigshafen arbeiten oder den Rhein queren möchten, unter dem Hochstraßen-Desaster: Die Hochstraßen sind marode und einsturzgefährdet, Durchfahrten sind gesperrt, Abfahrten abgeriegelt, eine Diskothek geschlossen. Die Stadt strebt einen Abriss und Neubau an. Bis es so weit ist, könnten 15 Jahre vergehen.

Giuseppe Comu kann ein Lied davon singen

Den Ludwigshafener Künstler Giuseppe Comu (35) hat das Thema zu einem Lied inspiriert. Zur Melodie von „Über sieben Brücken mußt du gehn“, Ostdeutschen von Karat, Westdeutschen von Peter Maffay bekannt, textet Comu: „Über keine Brücke kannst du gehn / 15 Jahre musst du überstehn / 15 Jahre wirst du wütend sein / liebe Grüße aus Ludwigshafen am Rhein.“

Vorgetragen hat Comu („Co steht für Comedy und mu für Musik“) das Liedchen am 1. Dezember in der Ludwigshafener Jakobuskirche. Und während sein Publikum den Song feiert, ruft der 35-jährige: „Das geht raus an die Jutta!“

Herzen und Likes für Comus Lied

Gemeint ist die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD). Comu, der sein Geld als Controller verdient und nur in seiner Freizeit als Sänger und Comedian unterwegs ist, postet auf seiner Facebook-Seite regelmäßig satirische Beiträge zum Hochstraßen-Chaos. Auf einen dieser Beiträge hat die Oberbürgermeisterin auch schon reagiert, hat ihm geschrieben, das Problem seien nicht die Finanzen, sondern die rechtlichen Vorgaben.

Auf das Brücken-Ständchen zu Steinrucks Ehren, das Comu live auf Facebook übertragen hat, hat die Oberbürgermeisterin aber noch nicht reagiert. Dafür fliegen ihm auf Instagram die Herzen zu und auch bei Facebook hat das Video viele Likes eingesammelt. Der Text zum Song sei ihm übrigens eingefallen, als er mal wieder wegen der Brückensperrung im Stau stand.

„Ab und zu, alles zu“

Mit Humor und einem Facebook-Video hat auch Cornelia Isselhard (51) auf das Ludwigshafener Verkehrschaos reagiert. In dem Filmchen steht die Ludwigshafenerin vor der gesperrten Hochstraße Süd („Hallo, ich bin gerade in Ludwigshafen, stehe auf der gesperrten Hochstraße ...“), als aus dem Hintergrund ein Mann angerannt kommt, sichtlich aufgeregt, und fuchtelnd die Situation beschreibt: „Alles zu! Nuffzus zu! Und nauszus zu! Ruffzus ... ab und zu, alles zu!“ Der Mann ist Gerhard Leipold, erzählt Isselhard gegenüber der RHEINPFALZ: "Mein allerbester Freund und Seelenverwandter." Die beiden haben 2018 bereits ein ähnliches Video auf dem Bad Dürkheimer Wurstmarkt gedreht. 

Bei dem Hochstraßen-Video hätten die beiden keine Absperrung überschritten, betont Isselhard. Natürlich sei ihr bewusst, dass man die Brücke nicht betreten soll. Die Ludwigshafenerin hofft: "Vielleicht nimmt der ein oder andere geplagte Verkehrsteilnehmer dieses Video in seinen Gedanken mit, wenn er im Verkehrschaos steht und kann sich ein klein wenig von dem Stress den er vor, während oder nach der Arbeit hat, ablenken." Vielleicht entspanne das die Situation "ein ganz ganz ganz klein wenig".

Und tatsächlich: Viele Hochstraßen-Geplagte freuen sich über den Galgenhumor. Das Video wurde innerhalb von drei Tagen mehr als 2000 Mal geteilt und mehr als 800 Mal kommentiert. „Ich kann nicht mehr“, schreibt eine Frau unter dem Video. Eine andere fasst zutreffend zusammen: „So, jetzt ist es geklärt, alles zu!“

Land prüft schnelleres Verfahren

Ob das Hochstraßen-Chaos tatsächlich noch 15 Jahre andauert, ist ungewiss. Das Land will ein schnelleres Verfahren prüfen. Bis dahin gilt wohl die Parole des Kabarettisten Joachim Ringelnatz: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ |adh

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