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Dienstag, 19. Juli 2016 Drucken

Speyer Land

Firma bietet DNA-Analyse für Hundekot an

„Die Kacke muss untersucht werden, alles andere macht keinen Sinn.“: Das sagte der Römerberger SPD-Ortsvereinsvorsitzende Herbert Martin Kälberer (wir berichteten). ( Archiv-Foto: Franck )

Andy Wende ( Archiv-Foto: Franck )

Dienstagsfrage: Die SPD in Römerberg würde gerne Hunde-DNA-Tests einführen, um zu untersuchen, welche Herrchen den Dreck ihrer Vierbeiner auf den Straßen liegen lassen. Wie realistisch ist das? Sebastian Eder hat mit Andy Wende (40) gesprochen, der mit seiner Firma „Mistkäfer“ solche DNA-Test anbietet.

Herr Wende, wie sind Sie darauf gekommen, eine Firma zu gründen, die DNA-Analysen von Hundekot anbietet?

Das kam, weil wir vor unserem Haus in Burscheid massive Probleme mit Hundehaufen hatten, das ist etwa zwei Jahre her. Anfang 2015 habe ich mit meiner Frau die Firma „Mistkäfer“ gegründet. Wir bieten Städten und Wohnungsgesellschaften seitdem die Ein- und Durchführung eines Programms an, das nachweislich zu einer wirksamen und langfristigen Verringerung von Verschmutzung durch Hundekot führt.

Wie haben Sie sich in das Gebiet eingearbeitet?

 

Ich bin selbst Biochemiker, bin also sozusagen vom Fach. Ich habe mir Anbieter in den USA angeschaut, dort ist das schon ziemlich verbreitet, da gibt es mehrere Anbieter. Die habe ich mir als Vorbild genommen und das Geschäftsmodell an die hiesigen Bedingungen angepasst.

 

Haben Sie denn gleich Kunden gefunden?

Erst mal gab es die Firma nur auf dem Papier. Im vergangenen Jahr haben wir Gespräche mit verschiedenen Städten und Gemeinden geführt. Leider ist es immer wieder an rechtlichen Bedenken gescheitert, die Städte meinten, dass es keine gesetzliche Grundlage gebe, um Hundehalter dazu zu verpflichten, ihre Hunde in einer Datenbank registrieren zu lassen.

 

Haben Sie also bis heute keine Kunden?

Doch, wir arbeiten jetzt mit einer Baugenossenschaft in Jena zusammen, die ihre Mieter dazu verpflichten will, ihre Hunde registrieren zu lassen, um dann liegengelassene Kackhaufen den entsprechenden Hundehaltern zuordnen zu können. Wir haben schon die ersten Sets rausgeschickt, aber auch die Baugenossenschaft klärt gerade noch rechtliche Dinge, damit das alles wasserdicht ist. Das könnte unser Pilotprojekt mit Modellcharakter werden.

 

Aber heißt das, eine Gemeinde kann das gar nicht durchsetzen?

Ich glaube schon, dass es da Mittel und Wege gibt. Ein leichter Weg wäre zum Beispiel, das über das Modell der Hundesteuer zu machen. Die Hundehalter, die nicht bereit sind, ihre Hunde registrieren zu lassen, sollen einfach mehr Steuern zahlen. So erreicht man vielleicht keine hundertprozentige Abdeckung, gerade die, die den Dreck nicht wegmachen, werden sich vielleicht nicht registrieren. Aber ich glaube schon, dass man einen großen Teil abdecken kann. Und dann kann man Fehlverhalten ahnden, da nimmt der Hundebesitzer im Zweifel den Haufen mit, auch wenn gerade niemand schaut.

 

Was würde das eine Gemeinde denn kosten?

Den Vertrag mit der Jenaer Baugenossenschaft (JBG) hatten wir schon vergangenes Jahr abgeschlossen. Damals hatten wir noch kein Pauschalpreismodell, deshalb bezahlt uns die JBG pro tatsächlich anfallender Probe anstatt per Flatrate. Wir haben jetzt für die Wohnungsbaugesellschaft einen Pauschalpreis, etwa 20 Euro pro Hund und pro Jahr ist der Grundpreis. Dafür erstellen und pflegen wir die Datenbank. Es kommen dann noch Kosten dazu, je nachdem, wie viele Kotproben untersucht werden. Für privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen haben wir inzwischen einen Grundpreis von 24 Euro pro „Bestandshund“ und Jahr festgelegt. Da Kommunen noch mal mehr Hunde in ihrem Bestand haben, kann ich mir hier einen rabattierten Grundpreis von 20 Euro pro Hund und Jahr vorstellen. Die Anzahl der Kottests würde mit den Jahren bestimmt zurückgehen, weil immer weniger Leute die Haufen liegen lassen, wenn sie erst mal bestraft werden.

 

Und wer entnimmt die Proben?

Auch da gibt es verschiedene Modelle. Wir bieten zum Beispiel an, dass wir dem Ordnungsamt ein Set zuschicken, mit Handschuhen, einem Stäbchen für den Abstrich und so weiter. Dann kann das Ordnungsamt die Proben entnehmen und zu uns schicken. Wir bieten gegen einen Aufpreis aber auch an, dass wir das selbst vor Ort machen.

 

Und wie läuft die Registrierung der Hunde ab?

Dafür reicht ein normaler Abstrich, also eine kleine Speichelprobe. Das kann die Stadt entweder selbst machen, die Probe zum Beispiel bei der Anmeldung zur Hundesteuer entnehmen. Oder es wird beim Tierarzt gemacht. Die andere Möglichkeit ist wieder, dass wir das übernehmen. Die Vergleichsdaten werden dann in einer Datenbank erfasst.

 

Die Ortsgemeinde Römerberg könnte sich also einfach an Sie wenden?

Ja klar. Wir hatten das allerdings schon öfter, dass wir von der Presse angerufen wurden, weil das ein Thema in irgendeinem Ortsgemeinderat war. Teilweise sind wir dann auf die Orte proaktiv zugegangen, haben aber nie eine Antwort bekommen. Das ist manchmal schon etwas frustrierend.

 

Wie sieht es denn bei Ihnen vor der Haustür mittlerweile aus?

Viel besser, die Leute haben anscheinend mitbekommen, dass wir unsere Firma gegründet haben, es war ja auch öfter das Fernsehen bei uns. Das hat schon gereicht, damit die Leute den Dreck regelmäßig wegmachen. Hier sieht man fast keinen Haufen mehr.

 

Die Rubrik

Unter dem Titel „Dienstagsfrage“ beantworten wir einmal die Woche Fragen, die im Alltag im Speyerer Umland auftauchen.

 

|seed

Pfalz-Ticker