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Pfalz-Ticker

Flugzeug lässt 75 Tonnen Kerosin über Pfalz ab

Von Andreas Ganter

Dass ausgerechnet über der Pfalz immer wieder Treibstoff abgelassen wird, hängt mit der Nähe zum Frankfurter Flughafen zusammen.  Foto: dpa

Dass ausgerechnet über der Pfalz immer wieder Treibstoff abgelassen wird, hängt mit der Nähe zum Frankfurter Flughafen zusammen. Foto: dpa

Es ist schon wieder passiert: Ein Flugzeug hat über der Pfalz Kerosin abgelassen – und nicht gerade wenig. Entsprechende Informationen der RHEINPFALZ hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen am Dienstag bestätigt.

Fahrwerksprobleme bei Boeing 747

Freitag, 8. September: Gegen 14 Uhr startet am Flughafen in Frankfurt eine Boeing 747. Die Langstreckenmaschine der Lufthansa ist unterwegs in Richtung USA. Eigentlich soll sie in Orlando landen. Aber dazu kommt es nicht. Kurz nach dem Start bemerken die Piloten laut DFS Fahrwerksprobleme bei der Maschine. Die Crew beschließt daraufhin, den Flug abzubrechen und zurück nach Frankfurt zu liegen.

75 Tonnen Kerosin abgelassen

Allerdings ist der Tank des Lufthansa-Flugzeugs gut gefüllt. Die Boeing soll eigentlich ja bis nach Amerika fliegen. Für die direkte Landung in Frankfurt wäre die Boeing zu schwer. Wenn Flugzeuge mit vollem Tank aufsetzen, besteht unter anderem die Gefahr, dass sich das Fahrwerk verzieht oder sonstige Schäden an der Maschine auftreten – von Risiken für die Passagiere ganz zu schweigen. Der Pilot entscheidet vor diesem Hintergrund, Treibstoff abzulassen: insgesamt 75 Tonnen Kerosin. Er fliegt dabei in einer Höhe von rund 5500 Metern eine Schleife über die Pfalz, das angrenzende Saarland, den Hunsrück und die Eifel.

Kerosinmenge diesmal deutlich größer

Die Kerosinmenge ist deutlich größer als das, was Piloten in den vergangenen Jahren über der Pfalz abgelassen haben. Das geht aus Unterlagen der DFS hervor, die die RHEINPFALZ im August veröffentlichte. Für Aufregung sorgte zuletzt ein Fall im Mai. Damals gingen 54 Tonnen Kerosin über der Pfalz herunter. 2016 waren es insgesamt rund 150 Tonnen Kerosin, 2015 knapp 84 Tonnen Treibstoff.

„Gebiet Pfalz“ besonders stark betroffen

Laut dem Mainzer Wirtschaftsministerium haben 37 Flugzeuge zwischen 2010 und 2016 über Rheinland-Pfalz ihren Treibstoff abgelassen. In zehn der Fälle handelte es sich um militärische Flugzeuge, insgesamt waren das 130 Tonnen. Das „Gebiet Pfalz“ war dabei mit 82 Tonnen besonders stark betroffen. Dass ausgerechnet über dieser Region immer wieder Treibstoff abgelassen wird, hängt mit dem Frankfurter Flughafen zusammen. Drei Viertel aller Starts gehen dort Richtung Westen. Über der Pfalz sind die Flugzeuge meist genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Piloten merken, ob etwas nicht stimmt und sie entscheiden müssen, gegebenenfalls umzudrehen – und vorher Sprit abzulassen.

Nur mit triftigem Grund erlaubt

Flugzeuge dürfen nur dann Treibstoff ablassen, wenn es dafür einen triftigen Grund gibt, etwa eine Notsituation. Dann nimmt der Pilot Kontakt mit der Deutschen Flugsicherung auf. Die wiederum unterstützt den Flugzeugkapitän bei der Suche nach einem geeigneten Luftraum, in dem er Kerosin ablassen kann. Die Entscheidung darüber, ob das wirklich dort passiert, liegt letztlich beim Piloten. 1500 bis 2000 Kilo Treibstoff pro Minute können durchschnittlich abgelassen werden. Schon aus wirtschaftlichen Gründen wird sich ein Pilot aber wohl sehr genau überlegen, ob er Treibstoff ablässt. Immerhin kostet eine Tonne Kerosin die Luftfahrtgesellschaften ungefähr 800 US-Dollar.

Benzol gilt als krebserregend

Es gibt unterschiedliche Meinungen, ob und inwiefern abgelassener Treibstoff für die Menschen, die in den betroffenen Gebieten wohnen, schädlich ist. Probleme bereitet vor allem das Benzol im Kerosin, das als krebserregend gilt. Allerdings gibt es derzeit keine Erkenntnisse, welche Schäden der Treibstoffablass wirklich verursacht. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage aus dem Jahr 2016 geht hervor, dass lediglich acht Prozent der abgelassenen Treibstoffmenge die Erdoberfläche erreichen. Das Kerosin wird beim Ablassen fein vernebelt. Es dauert wohl Tage, bis es auf der Erdoberfläche ankommt. Unklar ist zudem, ob das Kerosin in der Region niedersinkt, über der es abgelassen wird. Bei einer Ablasshöhe von mindestens 1800 Metern kann es vom Wind verweht werden.

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