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Donnerstag, 30. November 2017 - 11:43 Uhr Drucken

Pfalz-Ticker

Beat Fehlmann wird neuer Intendant der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

Von Frank Pommer

Der neue Intendant Beat Fehlmann. Foto: SWP | Patrick Pfeiffer

Der neue Intendant Beat Fehlmann. Foto: SWP | Patrick Pfeiffer

Vorstellung in der Ludwigshafener Philharmonie: Beat Fehlmann, der neue Intendant der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. (Foto: Hartschuh)

Der 1974 in Aarau geborene Beat Fehlmann wird neuer Intendant der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen. Am Donnerstag stellt sich der Schweizer, der derzeit noch Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie in Konstanz ist, in einer vom Mainzer Kulturministerium einberufenen Pressekonferenz in der Ludwigshafener Philharmonie vor.

 

 

 

Ein Universaltalent

Ein Alleskönner. So eine Art Leonardo da Vinci der Musikszene. Universaltalent, mindestens. Sein Musikstudium beendete er mit Abschlüssen in den Fächern Klarinette, Dirigieren und Komposition. Klaus Huber, der Anfang Oktober verstorbene große Schweizer Komponist, gehörte zu seinen Lehrern. Assistent war Fehlmann beispielsweise bei Heinz Holliger. Es gibt ganz bestimmt schlechtere Adressen in der Szene.

Er erhielt Preise für seine Kompositionen, zudem zahlreiche Einladungen als Dirigent, doch vor etwas mehr als zehn Jahren folgte dann der Richtungswechsel. Quasi die andere Seite der Medaille Musikbetrieb: Verwaltung, Planung, Management. Intendanzen in der Kammerphilharmonie Graubünden, bei der Philharmonie der Nationen von Justus Frantz waren quasi die Einstiegsjobs in die Branche. Vorausgegangen die nachgerade exquisite Ausbildung zum Executive Master in Arts Administration an der Universität Zürich. Ein Studiengang, den der einstige Züricher, Salzburger und jetzige Mailänder Intendant Alexander Pereira gegründet hat. Auch hier kann man sich schlechtere Referenzen vorstellen.

Erfolgreich in Konstanz

2013 dann die erste Bewährungsprobe für Beat Fehlmann: Er übernimmt die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz. Damals fast schon ein Himmelfahrtskommando. Der Etat: fett überzogen; die Auslastungszahlen: verbesserungsbedürftig; das Image in der Stadt (so kann man es in Publikationen nachlesen, die rund um den Bodensee erscheinen): katastrophal.

Wie auch immer die Situation tatsächlich gewesen ist, die Fehlmann in Konstanz vorgefunden hat, er hat einiges verändert: Orchester und Stadt scheinen fest miteinander verwachsen zu sein, die Zahlen stimmen wieder. 95 Prozent Auslastung konnte das Orchester zuletzt vermelden, zudem gelang es in manchen Spielzeiten, einen Überschuss zu erwirtschaften.

Staatsphilharmonie als Aufstieg

Mit – laut Theaterstatistik des deutschen Bühnenvereins – 65 Musikern ist die Südwestdeutsche Philharmonie ungefähr so groß wie das Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern. Beide Klangkörper werden als B-Orchester im Tarifvertrag für Kulturorchester eingestuft. Das Konstanzer Orchester ist damit auch deutlich kleiner als die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die über 87 Mitglieder verfügt. Auch der Etat ist mit gut fünf Millionen Euro deutlich niedriger als jener der Staatsphilharmonie - hier liegt er bei gut neun Millionen Euro (auch diese Zahlen sind der jüngsten Theaterstatistik entnommen).

Für Beat Fehlmann bedeutet der Wechsel also sicherlich einen Aufstieg in die nächst höhere Orchester-Liga. Und es gibt sogar noch eine Art Verbindung zwischen seinem künftigen und seinem jetzigen Orchester: Ari Rasilainen. Den finnischen Dirigenten, der bis 2009 Chefdirigent der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz war, hat Fehlmann nach Konstanz geholt.

Große Fußstapfen in Ludwigshafen

Nun also Ludwigshafen, Deutsche Staatsphilharmonie. Große Fußstapfen. Das Orchester hat in den vergangenen Jahren unter seinem Chefdirigenten Karl-Heinz Steffens und seinem Intendanten Michael Kaufmann eine großartige Entwicklung genommen. Die beiden haben Konzertformate entwickelt und Konzertprogramme umgesetzt, die durchaus als außergewöhnlich zu bezeichnen sind. Beispiele sind unter anderem das Festival „Modern Times“ oder auch die Reihe „Bruckner in den Domen“. Daran wird sich Beat Fehlmann messen lassen müssen.

Und er wird einen Weg finden müssen, um auf ein Orchester zuzugehen, dessen Mitglieder zuletzt zumindest teilweise einen offenen Krieg gegen den eigenen Intendanten geführt haben. Wenn man so will, mit Erfolg. Es gehört nach der Vorgeschichte dieses Jahres jedenfalls auch eine Portion Mut dazu, ausgerechnet bei der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz Intendant zu werden. Und dabei ist die aus Sicht des scheidenden Intendanten Kaufmann zu beklagende chronische Unterfinanzierung des Orchesters noch gar nicht berücksichtigt.

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