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Mittwoch, 03. Januar 2018 Drucken

Pfalz-Ticker

Babymord-Prozess: Juristen streiten im Treppenhaus weiter

Von Christoph Hämmelmann

Stritten sich im Treppenhaus weiter: Alexander Klein (links) und Frank Peter. (Foto: Bolte)

Frankenthal. Einen harten Schlagabtausch haben sich am Mittwoch Verteidiger und Opfer-Anwalt im Frankenthaler Babymord-Prozess geliefert. Anlass dafür: Der eine Jurist machte öffentlich, dass gegen den anderen ein Ermittlungsverfahren läuft. Ihren Kollegen-Streit setzten beide noch nach dem Verhandlungsende vor dem Gerichtssaal fort.

Eigentlich ist Alexander Klein schon ein paar Treppenstufen hinabgeeilt. Doch dann steigt der Verteidiger eines mutmaßlichen Babymörders wieder nach oben: Ein weiteres Mal will er seinem noch vor dem Gerichtssaal plaudernden Kollegen Frank Peter die Meinung sagen. Denn der hat als Opfer-Anwalt gerade öffentlich gemacht, dass die Staatsanwaltschaft seinen juristischen Gegenspieler einer Straftat verdächtigt. Und Klein ärgert sich über den Grund, den Peter dafür angeführt hat.

Es geht um einen anderen Frankenthaler Prozess

 

Eingehandelt hat sich der Verteidiger die Ermittlungen durch einen anderen Frankenthaler Prozess. In dem stand er vor Monaten einem deutschen Staatsbürger mit arabischen Vorfahren bei, der bezichtigt wurde, seine Frau massiv misshandelt zu haben. Auf einem der Schöffen-Stühle saß in jenem Verfahren ein Kommunalpolitiker aus dem Kreis Bad Dürkheim, den Klein nach 17 Verhandlungstagen als befangen einstufen lassen wollte. Begründung: Der Laienrichter habe bei Facebook ausländerfeindliche Hetze präsentiert, er sei also offenbar voreingenommen.

Facebook-Profil des Schöffen soll manipuliert worden sein

 

Das Gericht allerdings zeigte sich unbeeindruckt. Wichtigstes Argument: Der Internet-Auftritt des Schöffen erlaube keine Rückschlüsse auf dessen Haltung, weil er die anstößigen Beiträge nicht selbst verfasst, sondern sie lediglich weiterverbreitet hatte. Obendrein geht die Staatsanwaltschaft inzwischen davon aus, dass sein Profil manipuliert wurde. Ihr Verdacht: Um den Laienrichter loszuwerden, habe der mittlerweile zu mehreren Jahren Haft verurteilte Angeklagte auf dessen Facebook-Seite ausländerfeindliche Internet-Verweise platzieren lassen.

Auch gegen den Anwalt wird ermittelt

 

Gegen Kleins Mandanten wird deshalb jetzt erneut ermittelt. Und den Anwalt führen die Staatsanwälte ebenfalls als Beschuldigten. Schließlich ist davon auszugehen, dass der Jurist auch untergeschobene Belege anführte, als er den Schöffen der Ausländerfeindlichkeit bezichtigte. Was sich vielleicht als Verleumdung einstufen lässt. Doch Klein beteuert: Als Anwalt sei er dazu verpflichtet, Dinge vorzubringen, wenn sie einem Mandanten nutzen könnten. Und er sei davon ausgegangen, dass der Laienrichter alle Facebook-Beiträge tatsächlich selbst veröffentlicht habe.

Klein stuft sich als unschuldig ein

 

Also stuft sich der Jurist als unschuldig ein. Und spielt wieder auf den Grund an, den Peter für seien Vorstoß angeführt hat: „Ich wünsche Ihnen, dass man mit Ihnen auch mal so umgeht wie Sie eben mit mir“, ruft Klein seinem Kollegen zu, ehe er die Treppenstufen hinabeilt, um gleich darauf umzukehren. Doch der Opfer-Anwalt antwortet: „Denken Sie daran, wie Sie mit meiner Mandantin umgegangen sind.“ Schließlich betreut Peter die Mutter des getöteten Babys, und der hat Klein im Prozess tatsächlich schon stundenlang bohrende Fragen gestellt.

Der Opfer-Anwalt greift das geplatzte Verfahren auf

 

Denn die Frau stellt ihren als Mörder des eigenen Kindes angeklagten Ex-Partner als bösartigen Wüterich dar. Der Verteidiger hingegen zielt erkennbar darauf ab, den tödlichen Sturz des Säuglings vom Balkon als tragischen Unfall darzustellen. Ein erster Prozess gegen seinen Mandanten zog sich daher immer weiter in die Länge – bis das Verfahren schließlich platzte, weil eine Richterin schwer erkrankt war. Und genau diese Vorgeschichte hat Opfer-Anwalt Peter nun aufgegriffen, um zu begründen, warum er die Ermittlungen gegen seinen Gegenspieler anspricht.

Klein spricht von Vorwand für Rufschädigung

 

Schließlich will er anregen, dem Angeklagten einen zweiten Pflichtverteidiger zur Seite zu stellen. Falls Klein für schuldig befunden würde und deshalb seine Anwaltszulassung verlöre, könnte, so behauptet Peter, auch das zweite Verfahren scheitern. Die Staatsanwaltschaft allerdings scheint so eine Gefahr bislang nicht zu sehen. Und so wirft der Verteidiger dem Opfer-Anwalt nun vor, bloß einen Vorwand für eine rufschädigende und schlagzeilenträchtige Attacke gesucht zu haben. „Ihnen ist wirklich jedes Mittel recht“, sagt er seinem Kollegen noch, ehe er zum zweiten Mal die Treppen hinuntereilt.

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