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Pfalz-Ticker

Anwalt will Babymord-Vorwurf entkräften

Von Christoph Hämmelmann

Diesmal macht er von Anfang an klar, worauf er hinauswill: Rechtsanwalt Alexander Klein mit seinem Mandanten. (Foto: Bolte)

Nachdem das Verfahren im ersten Anlauf geplatzt war, hat der Frankenthaler Prozess um den Tod der erst wenige Wochen alten Senna am Dienstag zum zweiten Mal begonnen. Wieder ließ der angeklagte Vater des Mädchens offen, ob er seine Tochter wirklich umbringen wollte. Aber dafür machte sein Anwalt diesmal gleich zu Beginn klar, dass er den Babymord-Vorwurf widerlegen will.

Der Satz lässt den Angeklagten erschauern: Er habe seine zwei Monate alte Tochter im Mai 2016 absichtlich vom Balkon geworfen, weil sie ein „Hindernis für sein Leben“ war. So hat es die Staatsanwältin vor mehr als einem Jahr schon einmal gesagt, als der Prozess gegen den 34-Jährigen zum ersten Mal begann. Und so wiederholt sie es jetzt, weil das Verfahren geplatzt war und noch einmal von vorne beginnen muss.

Es ist kein richtiges Geständnis

 

Der Angeklagte lässt seinen Verteidiger Alexander Klein ebenfalls erneut sagen, was er vor 13 Monaten schon einmal vortrug: dass Senna aus seinen Händen in den Tod stürzte. Und dass er eine weitere, aus einer früheren Beziehung stammende Tochter mit einem Messer schwer verletzte. Und dass er an der Schuld verzweifle, die er so auf sich lud. Was, aller Zerknirschung zum Trotz, kein richtiges Geständnis ist. Denn so bleibt weiterhin offen, ob der Frankenthaler seine Tat als bloßes Versehen einstufen lassen will. Oder als Totschlag. Oder gar als Mord.





Und doch ist etwas anders als beim ersten Prozessbeginn. Denn Anwalt Klein lässt die Erklärung seines Mandanten nahtlos in eine eigene übergehen. Mit der macht er diesmal von vornherein klar, worauf er hinauswill – auch wenn er dazu ein wenig ausholt. Zunächst einmal lässt der Jurist erkennen, dass der Angeklagte durchaus mehr über den Tod seiner Tochter sagen könnte. Doch er fügt gleich hinzu: Als Verteidiger müsse er dem 34-Jährigen empfehlen, mit so einer „weitergehenden Einlassung“ noch eine Weile zu warten.

Der Angeklagte soll wegen der Zeugen schweigen

Schließlich, sagt Klein, lasse sich nur durch einstweiliges Schweigen verhindern, dass die wichtigsten Belastungszeugen seinem Mandanten mit ihren anschließenden Aussagen gezielt widersprechen – und so die Wahrheit verbiegen. Dieses Misstrauen des Anwalts gilt zwei Menschen: der Mutter der getöteten Senna, die der Angeklagte in jener verhängnisvollen Nacht zuerst attackiert und ebenfalls verletzt hat. Und einem Jugendfreund des Frankenthalers, der nach ihrer Flucht in der Wohnung blieb und so als Einziger gesehen hat, wie das Baby in den Tod stürzte.

Entscheidende Argumente für den Mord-Vorwurf

Dieser Mann behauptet: Der Vater habe seine Tochter in hohem Bogen und mit voller Absicht vom Balkon geschleudert. Sennas Mutter wiederum hat ihren Ex-Partner als rasend eifersüchtigen Tyrannen beschrieben, der es ihr verübelte, wenn sie sich um ihre Tochter statt um ihn kümmerte. Damit lieferten sie und der Jugendfreund des Angeklagten der Staatsanwaltschaft die entscheidenden Argumente, um den Tod des Babys als Mord einzustufen. Anwalt Klein hingegen argwöhnt, dass die zwei Zeugen seinen Mandanten möglichst schlecht dastehen lassen wollen.

Der Verteidiger hat sich schwere Vorwürfe eingehandelt

Umso ausführlicher hat der Ludwigshafener Jurist die Beiden im ersten Prozess mit Fragen überzogen. Und sie so tatsächlich in Widersprüche verwickelt. Und sich selbst schwere Vorwürfe eingehandelt: Er quäle eine trauernde Mutter, und er ziehe den Prozess künstlich in die Länge. Tatsächlich führten seine langen Vernehmungen dazu, dass die Richterinnen immer neue Zusatztermine ansetzen mussten – bis eine aus ihren Reihen schwer krank wurde und das Gericht das Verfahren mit neuem Personal jetzt noch einmal von vorne beginnen muss.

Klein sagt: Es geht ihm um die Wahrheit

Also sagt der Verteidiger nun gleich zu Beginn, worauf er hinauswill. Und er beteuert, dass er nur nach der Wahrheit suchen wolle. Wie die seiner Meinung nach am Ende aussehen wird, erwähnt Klein nebenbei auch schon. Was er andeutet, heißt im Klartext: Der Angeklagte habe seine Tochter Senna im Kokainrausch versehentlich vom Balkon fallen lassen.

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