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Mittwoch, 12. September 2018 - 17:31 Uhr Drucken

Pfalz-Ticker

Amsterdam-Attentat: Beratungsstelle „Salam“ nur einmal kontaktiert

Detlef Placzek, Chef des Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung Foto: DPA

Detlef Placzek, Chef des Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung Foto: DPA

Im Fall des mutmaßlichen Amsterdam-Attentäters Jawed S. hat die Beratungsstelle gegen islamistische Radikalisierung „Salam“ im Januar 2017 einen telefonischen Hinweis auf Verhaltensänderungen des inzwischen 19-jährigen Afghanen erhalten. Danach habe es keinen weiteren Kontakt gegeben, es sei auch keine Einschätzung vorgenommen worden, die auf das Stadium seiner Radikalisierung schließen ließen. Das sagte der Leiter des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV), Detlef Placzek, am Mittwoch in Mainz.

Seit 2015 im Landkreis Mainz-Bingen



Jawed S. wurde Ende August von holländischen Sicherheitsbehörden nach einer Messerattacke auf zwei amerikanische Touristen festgenommen. Er gilt als islamistischer Terrorist. Seit 2015 lebte der junge Afghane im Landkreis Mainz-Bingen, wo er zunächst als unbegleiteter Minderjähriger in Einrichtungen der Jugendhilfe wohnte. In Rheinland-Pfalz war er den Sicherheitsbehörden vor dem Anschlag nicht aufgefallen. Am Wochenende machte das Landesjugendamt den Hinweis auf den Kontakt eines damaligen Betreuers zu „Salam“ öffentlich. Placzeks Behörde ist erst seit Mai 2017 für „Salam“ zuständig. Seitdem werde in jedem Fall vom Team der Beratungsstelle im Gruppengespräch eine Einschätzung vorgenommen. Die Stufen sind: „keine Sicherheitsrelevanz“, „Aufklärungsbedarf“, „latent“ und „akut“.

Proaktiv auf Kontaktpersonen zugehen



Aktuell würden die Berater von „Salam“ außerdem immer, wenn ein weiterer Beratungsbedarf nötig sei, proaktiv auf die Kontaktpersonen zugehen. Von 2016 bis Mai 2017 war das private Weiterbildungsinstitut INBI Träger von „Salam“, damals war die Aussteigerberatung aus der islamistisch-salafistischen Szene anders als heute kein Auftrag der Beratungsstelle, es gab auch kaum eine Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden. Aus dem Telefonprotokoll vom Januar 2017 lasse sich entnehmen, dass Jawed S. zunehmend religiöser geworden sei und schulische Probleme gehabt habe, sagte Placzek. Die geschilderten Verhaltensveränderungen hätten im Nachhinein nicht auf eine akute Radikalisierung zum damaligen Zeitpunkt schließen lassen, die schon damals ein Fall für die Sicherheitsbehörden gewesen wäre. Bei dem Telefonat sei vereinbart worden, dass der Anrufer seine Kontaktdaten übermittele, dies sei offenbar aber nicht geschehen. |kad

 

 

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