Wandern im Pfälzerwald Unterwegs nach Murrmirnichtviel: Rundwanderung bei Bad Dürkheim

Idyllische Wasserlandschaft: Fischteich am Schwabenbach.
Idyllische Wasserlandschaft: Fischteich am Schwabenbach.

Murrmirnichtviel, Kehrdichannichts, Schaudichnichtum! Das waren schon im Wanderbuch der Eltern klangvolle Namen, merkwürdig, bizarr, witzig. Diese Zehn-Kilometer-Tour führt vorbei an alten Jagdhäusern und Ruinen.

Später gerieten die Jagdhäuser mit den motzigen Imperativ-Titeln in Vergessenheit. Bis eines Tages, bei einem Streifzug durchs Weltweitnetz, Murrmirnichtviel wieder aufploppt, erschlossen von neu markierten Pfaden, die obendrein einen Schlangenweiher und einen Hammelsbrunnen passieren. Wer könnte dieser Verkettung suggestiver Namen widerstehen? Also nichts wie hin!

Los geht’s am Wanderparkplatz „An den drei Eichen“ südwestlich von Bad Dürkheim. Die 1913 dort errichtete Schutzhütte mit den Picknickbänken wird uns nach der gut zehn Kilometer langen Wanderung als Vesperplatz dienen. Doch zunächst lassen wir das Häuschen mit der schmucken Rundholzkonstruktion rechts liegen und schlagen den Weg ins Hammelstal ein. Für den ersten Teil der Strecke folgen wir dem Logo des Limburg-Hammelstal-Hardenburg-Wegs; ab dem Hammelsbrunnen gesellt sich, als parallel verlaufende Alternative, das Signet des Pfalzpfads „Drei Eichen“ hinzu, auf das wir nach der Erkundung von Murrmirnichtviel komplett umsatteln.

Seit 2014 sprudelt er wieder: der Hammelsbrunnen.
Seit 2014 sprudelt er wieder: der Hammelsbrunnen.

Aber der Reihe nach. Fischteiche, in denen sich das strahlende Azur des Spätsommerhimmels und das Gelbgrün des umgebenden Mischwalds fotogen spiegeln, bilden den ersten Blickfang. Ehe er zu diesen idyllischen Wasserflächen angestaut wird, verursacht der Schwabenbach, dem wir auf schattigem Waldpfad entgegen seiner Fließrichtung folgen, eine üppige Feuchtwiesenlandschaft, die nach etwa eineinhalb Kilometern gewissermaßen in künstlichem Wasserspiel endet: Der am Schwabenbach gelegene Hammelsbrunnen entpuppt sich nämlich als kreisrunde, bereits 1907 vom Drachenfelsclub gestaltete Sandsteinanlage mit Fontäne. Dem vor 150 Jahren gegründeten Verein ist es auch zu verdanken, dass hier seit 2014 wieder Wasser plätschert. Davor herrschte 30 Jahre lang Ebbe im Hammelsbrunnen.

Ruine auf dem Dreispitz-Kamm: Murrmirnichtviel, auch Friedrichsburg genannt, war ein barockes Jagdhaus der Leininger.
Ruine auf dem Dreispitz-Kamm: Murrmirnichtviel, auch Friedrichsburg genannt, war ein barockes Jagdhaus der Leininger.

Im Jagdrevier der Grafen

Nächstes Ziel: Murrmirnichtviel. Auf der anderen Bachseite gehen wir auf breitem Forstweg ein kurzes Stück gen Nordosten, ehe sich unser Pfad – die Abzweigung ist leicht zu verpassen – linker Hand durch Brombeerhecken und dann den Berg empor schlängelt. Ab hier wird’s anstrengend, denn zwischen Hammelsbrunnen und Murrmirnichtviel sind gut 240 Höhenmeter zu überwinden. Und als wäre das nicht schon schweißtreibend genug, ist der finale Aufstieg auf den Dreispitz-Kamm auch noch sagenhaft steil.

Wirkt mediterran: Waldstück mit Kiefern und Heidekraut.
Wirkt mediterran: Waldstück mit Kiefern und Heidekraut.

Viel Müh’ für wenig Ruine: Nur brusthohe Grundmauern sind vom barocken Jagdschlösschen erhalten. Halbierte Fenstergewände aus Sandstein rahmen Gräser, die im Innern des Hauses wuchern; auch vom einstigen Wach- oder Treppenturm ist nur ein Stumpf geblieben. Damit dieser „Lost Place“ der Feudalzeit Relevanz erhält, muss man im Geschichtsbuch blättern. Denn errichtet wurde Murrmirnichtviel ebenso wie Kehrdichannichts und Schaudichnichtum, um Jagdreviere abzustecken, Territorien abzugrenzen. Dabei markierten Murrmirnichtviel und das unweit gelegene Kehrdichannichts – beide wurden um 1720 erbaut – das Gebiet der Grafen von Leiningen, während das etwa zwei Kilometer entfernte, heute fast völlig verschwundene Jagdhaus Schaudichnichtum von den Freiherren von Hallberg im Auftrag des Pfälzer Kurfürsten gegründet wurde. Hier also waidmännische Leininger, dort die Jäger aus Kurpfalz. Die drei Herrenhäuser, welche die Claims absteckten, bedachte dann der Volksmund mit Namen, in denen die adelige Rivalität um Wald und Wild in sprachlichen Drohgebärden nachhallt.

Lädt seit 1913 zur Rast: Schutzhütte an den drei Eichen.
Lädt seit 1913 zur Rast: Schutzhütte an den drei Eichen.

Neoimpressionistischer Kiefernwald

Wir verlassen das in den Revolutionskriegen zerstörte Denkmal der Macht- und Jagdlust in entgegengesetzter Richtung, um am Südwestende des Bergkamms einen bequemeren Abstieg zu suchen, finden auf schmalem Pfad zurück zum ursprünglichen Weg und folgen dann dem Logo, das eine Eiche auf stilisierte Murrmirnichtviel-Reste pflanzt, in Richtung Schlangenweiher.

Die nun folgende, von der Nachmittagssonne durchflirrte Waldlandschaft mutet fast mediterran an. Kiefern dominieren. Zu ihren Füßen sprenkeln unzählige Heidekrautstauden das Panorama mit zartrosa, zartlila Pünktchen – französische Neoimpressionisten wie Paul Signac oder Henri-Edmond Cross hätten das nicht schöner malen können.

Inklusive der Abstecher bei Murrmirnichtviel und dem Schlangenweiher ist die Tour etwa 10 Kilometer lang.
Inklusive der Abstecher bei Murrmirnichtviel und dem Schlangenweiher ist die Tour etwa 10 Kilometer lang.

Ehe es über das Naturfreundehaus Groß-Eppental zurück zu den drei Eichen geht, drehen wir noch eine Runde um den Schlangenweiher. Statt der seltenen Amphibien, die hier hausen sollen, oder der namengebenden Reptilien kommen nur ein paar neugierige Jungenten angeschwommen. „Nomen est omen“ gilt halt doch nur bedingt für diese Tour, deren wahrer Reiz ohnehin nicht in Namen gründet, sondern in der herrlichen Vielfalt an Waldimpressionen.

Gut markiert: Ab dem Hammelsbrunnen lotsen zwei neue Symbole nach Murrmirnichtviel.
Gut markiert: Ab dem Hammelsbrunnen lotsen zwei neue Symbole nach Murrmirnichtviel.

 

Unsere Wanderung nach Murrmirnichtviel folgt im ersten Teil dem Limburg-Hammelstal-Hardenburg-Weg, in der zweiten Hälfte nach der Ruine dem Pfalzpfad Drei Eichen: Rundweg Schlangenweiher – Murrmirnichtviel. Die tatsächlich gelaufene Strecke ist gut 10 Kilometer lang. Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz An den drei Eichen, den man, von der Vorderpfalz kommend, über den Bad Dürkheimer Ortsteil Seebach erreicht, von Kaiserslautern aus über die B 37 und den Ortsteil Grethen. Einkehrmöglichkeit am Weg: das am 15.8. wiedereröffnete Naturfreundehaus Groß-Eppental ist täglich außer dienstags 11-18 Uhr geöffnet (während des Wurstmarkts ist auch montags geschlossen), Info www.naturzauberderdreieichen.de.

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