Wandern im Odenwald Der Rodensteiner und sein Geisterheer: Spazierwanderung bei Reichelsheim

Gut erkennbar: Mühlturm der Burgruine Rodenstein. Hier war einst das Tor der Burg.
Gut erkennbar: Mühlturm der Burgruine Rodenstein. Hier war einst das Tor der Burg.

Spannenden Märchen und Legenden, aber auch der gruseligen Sage vom Rodensteiner, einem kriegslüsternen Ritter, der wirklich existiert haben soll, können Wanderer auf Wegen rund um die Burg Rodenstein bei Reichelsheim im Odenwald lauschen.

Uralte Bäume überragen efeubewachsene Mauern und Turmreste: Verwunschen liegt sie da, die Burgruine Rodenstein. Oder wurde dieser Eindruck etwa von den Sagen begünstigt, die wir an Lauschstationen hören? Die Geschichten sind so spannend, mitunter sogar gruselig, dass man darüber die moderne Technik fast vergisst. Via Smartphone lassen sich sogar Videos hochladen, die über die Geschichte der Burg Rodenstein informieren.

Aber zurück auf Start: Wir sind vom Wanderparkplatz Rodenstein aus zum „Rodenstein-Rundweg“ mit der Nummer eins aufgebrochen. Etwa ein Kilometer weit ist es bis zur Burg, die komplette Tour misst etwas mehr als drei Kilometer. Eine Teilstrecke der gut markierten Runde verläuft auf dem „Pfad der Sagen“, der zahlreiche Erlebnisstationen zwischen der „Laudenauer Freiheit“ und dem Ort Fränkisch-Crumbach birgt, zu dessen Gemarkung die Burg gehört. Auch einen Sagenrundweg für Kinder hat das in Fränkisch-Crumbach beheimatete Rodensteinmuseum eingerichtet, das sich der Burg und ihrer Geschichte widmet.

Unterwegs: Platz an der Sonne zum Lauschen der Legende um den „Feuertrunk“.
Unterwegs: Platz an der Sonne zum Lauschen der Legende um den »Feuertrunk«.

Der geschotterte Weg führt zunächst bergab und bergauf am Waldrand entlang. Schon nach wenigen hundert Metern bietet sich eine Freiluft-Wellnessliege für einen Lauschangriff an: Zu hören ist die Geschichte vom „Feuertrunk“, die sich um die Wirtstochter Anna rankt. Ein nobler Herr lädt das freundliche Mädchen zum Fest auf Burg Rodenstein ein. Nach gut zwei Minuten endet Teil eins. Neugierig machen wir uns flott auf zur nächsten Station, um das Ende des Märchens zu erfahren: Beim Bankett genießt die junge Frau einen Feuertrunk, der sie in einen tiefen Schlaf fallen lässt. Als sie erwacht, sind alle weg und die Burg zerfällt vor ihren Augen zur Ruine ...

Wir erleben wenig später die „Vision an der Quelle – Das Eichbrünnchen und die Sage vom Sonntagskind“. An dieser Stelle folgen wir einem Trampelpfädchen ins Gehölz, wo sich die eingefasste Quelle findet.

Einst ein mächtiges Gemäuer: Burg Rodenstein.
Einst ein mächtiges Gemäuer: Burg Rodenstein.

Jetzt sind es nur noch wenige Meter zum Burgtor hinauf. Aber es ist bereits klar: Die für den Rundweg angegebene Stunde wird bei all diesen Audio-Erlebnissen nicht ausreichen. Und dann will noch das altehrwürdige Gemäuer selbst auf mehreren Ebenen erkundet werden. Auch hier finden sich reichlich Infotafeln und Sagen. Wir lernen den sagenhaften „Rodensteiner“ kennen, der seine schwangere Frau im Zorn so fest von sich gestoßen haben soll, dass sie stürzte und ihr Kind verlor, woraufhin sie ihn dazu verwünschte, immer Krieg führen zu müssen. Der Geist des Ritters habe aber vielmehr seine übersinnliche Kraft dazu genutzt, die Bevölkerung vor nahenden Kriegshorden zu warnen. Und so ward der Bann gebrochen. Die Sage soll auf das Leben des kriegerischen Hans III. zu Rodenstein (1418-1500) zurückgehen.

Kernburg der Ruine Rodenstein: Der Brunnen ist noch erhalten.
Kernburg der Ruine Rodenstein: Der Brunnen ist noch erhalten.

Ganz weltlich-wissenschaftlich erklären Schilder in der Kernburg zudem, dass wir den gut erhaltenen Mühlturm vor uns haben, dessen einstige Nutzung ungewiss ist. Sie weisen auf erhaltene Teile der Ringmauer und zeigen, wie Burg Rodenstein einst ausgesehen haben soll. Die Burg war eine Wehranlage der Herren von Crumbach und Rodenstein, deren Stammsitz sich in Fränkisch-Crumbach befand. Sie wurde um 1240 als Trutzburg gegen das benachbarte Schloss Reichenberg in Reichelsheim gebaut, das heute renoviert in privater Nutzung ist. Burg Rodenstein hingegen ist schon lange dem Verfall preisgegeben: Seit Adam von Rodenstein mit seiner ganzen Familie 1635 an der Pest starb, war die Burg nicht mehr bewohnt. Teile wurden abgebrochen und als Baumaterial verwendet. Auch später wurde die Ruine wieder als Steinbruch genutzt.

In Privatbesitz: Reichenburg. Ihretwegen wurde die Rodenstein als Trutzburg errichtet.
In Privatbesitz: Reichenburg. Ihretwegen wurde die Rodenstein als Trutzburg errichtet.

Von so viel Wissen gesättigt, könnte man geradewegs wieder zurück zum Wanderparkplatz spazieren. Aber der größte Teil der erkorenen Runde liegt ja noch vor uns. Wir verlassen die Ruine auf der anderen Seite und folgen geschlungenen Pfaden, bis wir einen breiten Waldweg erreichen. Wichtig: Die Eins im Kreis mit dem R weist hier den richtigen Weg. Auch jenseits der Burg gibt es Erlebnisstationen. Vor allem aber zeigen sich „Naturwunder“: Hier ergießen sich Steine den Hang hinunter, dort ein Wasserfall. Dann zweigt unser Weg V-förmig nach links ab. Unterhalb der Ruine marschieren wir bald durch ebene Wiesen zum Hofgut Rodenstein, das zur Einkehr lockt. Von dort geht es das letzte Teilstück steil bergauf. Aber gut gestärkt, lässt sich das spielend bewältigen.

Wegweiser

Infos und Kontakt: Mehr zur Burg und zu den Sagen: Rodensteinmuseum, Bahnhofstr. 2, Fränkisch-Crumbach, derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, Infos: rodensteinmuseum.de; Kontakt: Dr. Claus Fittschen, 06164 55257, cfittschen@web.de

Anfahrt: Die Burg Rodenstein gehört zwar zur Gemarkung Fränkisch-Crumbach, ist aber auf der B 38 über Weinheim und Fürth kommend gut von Reichelsheim aus erreichbar. An der Hauptkreuzung im Ort geht es links ab, vorbei an der Reichenberghalle und weiter auf der Rodensteiner Straße. An der Weggabelung nach dem Ortsausgang links halten und dem Weg zum Wanderparkplatz Rodenstein folgen.

Einkehrtipps: Hofgut Rodenstein: Landgasthof unterhalb der Burg mit modern interpretierter Regionalküche; geöffnet Do ab 17, Fr/Sa/So ab 11 Uhr; So durchgehend warme Küche, Reservierung: 06164 1087, Info: hofgut-rodenstein.de

Treuschs Schwanen in Reichelsheim: traditionsreiches, stilvolles Restaurant mit regionaler und mediterraner Küche auf gehobenem Niveau; Fr-Di Mittagessen ab 11.30, Abendessen ab 18 Uhr, Reservierung: 06164 2226, Info: treuschs-schwanen.com

Streifzug durch Reichelsheim: Ein Spaziergang durch Reichelsheim mit seinem Fachwerkkern empfiehlt sich. Im Regionalmuseum ist viel über die Geschichte des Ortes, über Bergbau, Eisenbahn, regionales Handwerk und Fachwerk zu erfahren. Zur Reichelsheimer Lichterweihnacht am 2./3.12. wird Advent im Museum gefeiert; www.museum-reichelsheim.eu

Wissenswertes zur Historie: Regionalmuseum in der Bismarckstraße.
Wissenswertes zur Historie: Regionalmuseum in der Bismarckstraße.
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