Meisenthal Zwei Tage Theater in und vor der Glasbläserhalle von Meisenthal

Die mit viel Geld neu gestaltete Site Verrier in der Meisenthaler Dorfmitte ist Schauplatz des Theaterfestivals „Demandez nous l
Die mit viel Geld neu gestaltete Site Verrier in der Meisenthaler Dorfmitte ist Schauplatz des Theaterfestivals »Demandez nous la Lune«.

Das Theaterfestival „Demandez nous la lune“ in Meisenthal lockt mit hochkarätigen Gruppen aus dem ganzen Land bei freiem Eintritt in die Site Verrier.

Ende Mai lädt die Site Verrier in Meisenthal zum großen Theaterspektakel. Zwei Tage lang unterhalten Straßentheatergruppen aus dem ganzen Land in der früheren Glasbläserhalle und dem Freigelände zwischen den einstigen Fabrikgebäuden. Alles bei freiem Eintritt und mit einem sehr poetischen Thema.„Demandez nous la lune“ ist der Titel des Spektakels. Was sich mit „Verlangt den Mond von uns“ übersetzen lässt. Die Meisenthaler werden in der Region allgemein die „Mondfänger“ genannt, und der Legende nach sollen vier Herren dereinst in recht angetrunkenem Zustand versucht haben, die Spiegelung des Mondes im Dorfteich einzufangen. Den Dorfteich gibt es immer noch hinter der Site Verrier, die seit dem zwölf Millionen Euro teuren Umbau einiges an Charme verloren hat, aber immer noch eine außergewöhnliche Atmosphäre ausstrahlt.

Die Legende der Mondfänger

Die Legende der Mondfänger ist nicht der einzige Grund, dass sich ein solches Festival ausgerechnet in dem 700 Einwohner zählenden Dorf finden lässt. Die riesige Glasbläserhalle mit ihrer bis zu zehn Meter hohen Decke beherbergt schon seit vielen Jahren Straßentheatergruppen im Winter, die dort ihre Stücke für den nächsten Sommer im Trockenen einstudieren können. Insofern hat die Truppe des Betreibervereins Cadhame beste Kontakte in die Szene im ganzen Land. Und die werden genutzt, um Gruppen für das zweitägige Spektakel in die Wälder des Bitscherlandes zu locken.

Die Besucher können den ganzen Tag bei freiem Eintritt zwischen den verschiedenen Spektakeln in der Halle und dem Hof wechseln. Das Glasmuseum hat natürlich auch geöffnet und bietet derzeit eine Sonderausstellung zu Eugène Kremer, einem örtlichen Glaskünstler, der einst mit den Größen des Jugendstils kooperierte. Es geht sogar das Gerücht, dass einige der exzellentesten Stücke von Emile Gallé rein aus der Hand von Kremer sein sollen.

Auch für Besucher aus Deutschland geeignet, die kein Französisch sprechen

Besucher aus Deutschland werden bei dem Festival immer fündig, auch wenn sie gar kein Französisch sprechen. Einige der Stücke sind pantomimisch oder kommen mit so wenig Text aus, dass es international zu verstehen ist. Vor allem wird viel gelacht, während der zwei Tage. Das fängt mit „Ça va foirer“, der Compagnie Reverbere aus Lyon an, die am Samstag, 30. Mai, gegen 15 Uhr auftreten soll. Die Uhrzeit ist bei „Demandez nous la lune“ nicht immer so präzise zu nehmen. Es geht sehr locker auf dem Festivalgelände zu und kann auch durchaus mal eine Viertel- oder halbe Stunde später werden. Der Titel des Stücks lässt sich mit „Es wird schief gehen“ übersetzen, und entsprechend schräg ist auch das Stück, in dem der Akteur mit Barbiepuppen, Sonnenbrillen oder Zahnstochern auf der Nase jongliert. Für die Dramaturgie kommt auch noch eine Peitsche zum Einsatz, die gerne von einem Besucher geschwungen werden darf.

Die Compagnie Kartoffel zeigt mit „Ici-Plage“ ein Stück, das ohne viel Text auch für deutsche Besucher geeignet ist.
Die Compagnie Kartoffel zeigt mit »Ici-Plage« ein Stück, das ohne viel Text auch für deutsche Besucher geeignet ist.

Der Vorteil des Festivalgeländes ist die Flexibilität bezüglich des Wetters. Wenn auch einige der Stücke extra für das Freigelände gedacht waren, können diese problemlos in die Halle verlegt werden. Das gilt auch für das sehr sommerliche Stück „Icy-Plage“ der Gruppe „Kartoffel“ aus Marseille, das, wie der Name schon sagt, an einem Strand spielen soll. Die dortigen Rituale, die jeder kennt, mit ihren ganz speziellen Körperhaltungen und Anstandsregeln werden in dem Stück von drei Männern und einer Frau sowie einer Schaufensterpuppe aufs Korn genommen, analysiert und auf die Spitze getrieben. Das Sonnenbaden, Umziehen oder Aufblasen eines Schwimmreifens sind Anlass für ausgefeilte Choreografien, die allesamt pantomimisch ablaufen und damit auch die Zwerchfelle der deutschen Besucher strapazieren können. „Icy-Plage“ wird am Samstag, 17 Uhr, sowie Sonntag, 11.45 Uhr, aufgeführt.

Das tragikomische Element bedient der Clown, der sticht und sich Thyphus Bronx nennt. Emmanuel Gil ist der Clown, der am Samstag, 18 Uhr, und Sonntag, 14.15 Uhr, zwischen Weinen und Lachen schwankt, die Rolle des Clowns an sich hinterfragt und sich bestens als „impertinenter Clown“, so die Eigenbezeichnung, aufführt. Ein nachdenkliches Stück, das aber auch für Kinder geeignet ist, aber unbedingt französische Sprachkenntnisse erfordert.

„Die kleinen Arme“

Was für die Formation „Les petites bras“, also „Die kleinen Arme“, nicht gilt. Die sind sehr international und nonverbal, scheinen aus dem Wilden Westen zu kommen und schleudern gerne Frauen durch die Lüfte. Akrobatik, die den Atem stocken lässt, serviert die Gruppe, die aus einer sehr ländlichen Gegend in den Voralpen kommt. Zirkuselemente mischen sich mit Komik. Da wird auf Seilen getanzt, in schwindelnder Höhe grimassiert und mit Karotten geschossen. Die kleinen Arme sind der Schlusspunkt des Samstags und spielen gegen 21.30 Uhr und am Sonntag nochmal gegen 16.15 Uhr.

Poetischer Tanz

Eine sehr poetische Note bringt die Tänzerin Claire Ducreux in die Halle als Schlussnummer des Sonntags. Die aus Lyon stammende Frau hat zeitgenössischen Tanz studiert und wird mit einer Stange im Raum agieren, die als Baum gedacht ist. „Fleurir les abîmes“ ist der Titel des Stückes, der sich mit „Abgründe erblühen lassen“ übersetzen lässt. Einen Baum der Sanftheit im Herzen der Welt will Claire Ducreux pflanzen. Alles ganz ohne Sprache nur mit Tanz und damit auch wieder bestens für das deutsche Publikum geeignet.

Information

„Demandez nous la lune“, 30. und 31. Mai, Site Verrier, Meisenthal

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