Saarländisch oder griechisch
Wo man in Neunkirchen gut essen gehen kann
Kaum zu glauben, aber in der zweitgrößten Stadt des Saarlandes hat man abseits von Döner und Schnellrestaurants keine große Auswahl an Speiselokalen. Spitzengastronomie gibt’s hier gar nicht mehr.
Denn das einst beste Haus der Stadt, Bacher im Stadtteil Kohlhof, hat seine Küche mit Österreich-Einschlag, an der zeitweise ein Michelin-Stern glänzte, vor einem Jahr geschlossen.
Wer saarländisch essen will, der ist in Stumms Brauhaus richtig. Lyonerpfanne mit Bratkartoffeln, hoorische oder gefillde Klöße mit Speckrahmsoße: Hier kommen die Saarland-Klassiker auf den Tisch und das im Industrie-Ambiente mit Aussicht aufs stillgelegte Eisenwerk. Das Manko: Das Brauhaus ist sonntags dicht.
Bestens bekocht wird, wer „zur Griechin“ geht. Savatu Jusufi, Jahrgang 1986, bringt im „Parthenon“ im Stadtteil Wellesweiler Gerichte ihrer Heimat auf den Teller.
Als ihr Vater Vassilios Kotsaridis das Lokal 1980 eröffnete, in der Winterfloß-Siedlung aus Hochhäusern und Bungalows, die für Mitarbeiter der Straßenbahn errichtet wurde, war er dort ein Exot. Doch der Mann aus der Region Chalkidiki etablierte sich. Inzwischen hat Tochter Savatu das Lokal übernommen: „Man muss das lieben. Es ist ein Familienbetrieb und nur deshalb funktioniert’s.“ Ihren Beruf als Wirtschaftsprüferin hat sie aufgegeben, das Lokal hat sie um eine große, überdachte Terrasse ergänzt. Sie setzt auf Qualität und Frische, kauft beim Hellas-Händler in Mannheim und auf dem Großmarkt ein. Mittags haben spontane Gäste auch ohne Anmeldung mal die Chance auf einen Tisch, abends nur bei Reservierung. Dann tischen zehn Mitarbeiter in Küche und Service Grillfleisch, Fisch wie zurzeit Skrei und Vegetarisches auf.
Hier geht’s zum aktuellen Neunkirchen-Porträt „Vor meinen Freunden schäme ich mich für meine Heimatstadt“.