Comics RHEINPFALZ Plus Artikel Wie es die Pfalz ins neue Lucky-Luke-Album geschafft hat

Man spricht Deutsch.
Man spricht Deutsch.

„Letzte Runde für die Daltons“ heißt das neueste Comic-Abenteuer mit Lucky Luke. Der einsame Cowboy hat mit streikenden Bierbrauern und deutschen Eigenheiten zu kämpfen.

Die Großstadt ist ungewohntes Terrain für Lucky Luke und seinen treuen Freund Jolly Jumper, die in der Weite der amerikanischen Prärie zu Hause sind. „Hatte ich mir irgendwie gemütlicher vorgestellt“, sagt das sprechende Pferd, als sie auf Milwaukee blicken. In „Amerikas Bierhauptstadt“ soll der Cowboy einen Streik der Bierbrauer schlichten, damit in Neumünchen (Ortsmotto: „Für Desperados ist hier Hopfen und Malz verloren“) und im ganzen Wilden West wieder der Gerstensaft fließen kann.

„Letzte Runde für die Daltons“ heißt der nach deutscher Zählung 102. Band der beliebten franko-belgischen Comic-Serie. Zum ersten Mal ist der Cowboy mit der modernen Welt des industriellen Amerikas konfrontiert: Gewerkschaften, Bosse, Fließbandarbeit. Historischer Hintergrund ist die deutsche Einwanderung in die USA im 19. Jahrhundert. Diese Neuankömmlinge prägten Kultur und Gesellschaft stark, nicht zuletzt durch die Gründung von Brauereien. Die größten konzentrierten sich in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin, wo Deutsch gesprochen wurde und noch heute ein hoher Anteil der Bewohner deutsche Wurzeln hat.

Aus diesen Fakten strickt Jul (Lucien Berjeaut) eine turbulente Geschichte. Der 50-Jährige ist seit zehn Jahren als Autor für die Comics verantwortlich. Erdacht wurde der Revolverheld vor bald 80 Jahren von dem Belgier Morris (Maurice de Bevere), zeitweise verfasste Asterix-Erfinder René Goscinny die Szenarien, die damalige Wild-West-Filme parodierten, aber auch historische Begebenheiten und Figuren wie etwa Billy the Kid aufgriffen. Nach Morris’ Tod 2001 setzten verschiedene Texter die Serie fort. Zeichner blieb immer Achdé (Hervé Damenton), der noch mit Morris zusammengearbeitet hatte.

Ein gewisser Frederick Trump taucht auf

Jul hat den Cowboy schon nach Paris geschickt, in „Das gelobte Land“ die Einwanderung aschkenasischer Juden in die Vereinigten Staaten thematisiert und in „Fackeln im Baumwollfeld“ den ersten schwarzen Sheriff Bass Reeves auftreten lassen. Der komplex erzählte Band spielt in den Südstaaten nach dem Bürgerkrieg, es geht um Sklavenhaltung, Rassismus, den Ku-Klux-Klan. So politisch ist die „Letzte Runde“ nicht. Der Autor nimmt deutsche Eigenheiten aufs Korn, allerdings ohne besondere satirische Schärfe. So bleiben in der Stadt alle brav an Kreuzungen stehen, wenn die Laterne Rot zeigt – „eine neumodische Erfindung“, wie dem verdutzten Lucky Luke erklärt wird.

Zu den Wortwitzen hat der erfahrene Übersetzer Klaus Jöken in der deutschen Fassung seinen Teil beigetragen. Und einen groben Schnitzer behoben. In einer Passage wird referiert, wie die deutschen Einwanderer dem Land ihren Stempel aufgedrückt haben, unter anderem durch Frikadellen im Brötchen oder zu Weihnachten geschmückte Tannenbäume. Auch ein gewisser Frederick Trump taucht auf. „In ihrem Saloon junge Frauen auszubeuten, ist das etwa ein gutes Vorbild für ihre Enkel?“, fragt ihn ein Pfarrer. Er sei „aus dieser Pfalz“ eingewandert, um dem Ruf des Goldes zu folgen, heißt es da. Im französischen Original hingegen ist von „Bayern“ die Rede, was zwar ebenfalls korrekt, aber nur die halbe Wahrheit ist. Ob die mit Blick auf Nachkomme Donald nicht besser schamhaft verschwiegen worden wäre, ist eine andere Frage.

Lesezeichen

Achdé/Jul: „Lucky Luke – Letzte Runde für die Daltons“, Egmont Ehapa Media, 48 Seiten, 7,99 Euro (Softcover).

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