Kulturförderung RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Programmkinos der Pfalz vom Hilfspaket des Landes erhoffen

Das Capitol in Limburgerhof besteht seit 1954 und hat nicht nur den Original-Schriftzug erhalten. Betreiber Dieter Janneck hofft
Das Capitol in Limburgerhof besteht seit 1954 und hat nicht nur den Original-Schriftzug erhalten. Betreiber Dieter Janneck hofft, dank der neuen Landesförderung nun erstmals Bundesmittel anzapfen zu können.

500.000 Euro stellt Rheinland-Pfalz bereit, um die rund 20 Programmkinos des Landes in der Coronazeit zu unterstützen. Was genau gefördert wird, ist noch offen. Aber dank des Hilfspakets gibt es erstmals überhaupt eine Landesförderung für Kinos in Rheinland-Pfalz: Dies eröffnet Chancen, auch an Bundesgelder zu kommen, freut man sich zumindest beim Capitol in Limburgerhof.

„Wir haben eine kaputte Heizung, die ist 65 Jahre alt“, erzählt Dieter Janneck vom Capitol Lichtspieltheater Limburgerhof, das seit 1954 besteht und sich bewusst den Charme der frühen Jahre bewahrt hat. Um die Heizung zu erneuern, gebe es über ein Programm der Filmförderungsanstalt (FFA) des Bundes einen hohen Zuschuss. Jedoch könnten diesen nur Kinos beantragen, die aus einem Bundesland mit eigener Kinoförderung kommen. Rheinland-Pfalz gehörte bislang nicht dazu, was die Kinobetreiber des Landes seit jeher bedauern. Zumal sie dadurch sozusagen doppelt leer ausgingen. Das neue Hilfspaket „Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur“ des Landes, das 500.000 Euro für Programmkinos vorsieht, eröffnet nun also zumindest erstmals Chancen auf Bundesmittel. „Ich habe den Antrag schon geschrieben“, sagt Janneck.

In Autokino zu investieren, sei „kaufmännisches Harakiri“

Wofür allerdings die 500.000 Euro des Landes gedacht seien, müsse noch konkretisiert werden, findet der Kinoliebhaber. Falls es vor allem darum gehe, Autokino zu finanzieren, reiche die Summe kaum aus. Autokino kostet rund 100.000 Euro, schätzt er. Für alle reicht das also nicht. Und mit einer Teilförderung Autokino stemmen zu wollen, sei in Zeiten, in denen ohnehin Einkünfte fehlen, „kaufmännisches Harakiri“. Autokino sieht Janneck als einen „kleinen Ersatz“ und „natürlich etwas ganz anderes als Programmkino“. Es einzurichten, bedeute einen riesigen Verwaltungsaufwand, man bräuchte externe Partner und ein geeignetes Gelände. Für das Capitol sei Autokino daher keine Option.

Janneck räumt aber ein, etwas privilegierter als andere zu sein: „Das Kino ist in unserem Besitz, und wir arbeiten ehrenamtlich.“ Der Kinofan, damals Mitinhaber einer Firma für Anlagenbau und -wartung, hatte das Capitol 2014 gemeinsam mit Susanne Deickert, damals Immobilienmaklerin, gekauft, modernisiert und 2015 neu eröffnet. Unterstützung gibt es durch einen Förderverein.

„Wir hangeln uns von Woche zu Woche“

Dramatischer ist die Lage bei der Provinz 80 GmbH, die das Union Studio für Filmkunst in Kaiserslautern und das Provinzkino Enkenbach führt. „Wir hangeln uns von Woche zu Woche“, sagt Geschäftsführer Stefan Sprengart. Er bereitet gerade eine Videokonferenz mit anderen Kinobetreibern vor, um auszuloten, wohin das Landesförderprogramm wohl steuern könne. Sein Kollege Jörg Jacob aus dem Betreiberteam schlägt vor, die 500.000 Euro zu splitten, um eine Hälfte als Coronahilfe auf die Kinos zu verteilen, und nur die andere Hälfte an Zukunftsprojekte zu binden. Zumal es sonst in Rheinland-Pfalz keine Unterstützung der gebeutelten Kinolandschaft gebe, anders als in anderen Bundesländern. So bekommen etwa existenzbedrohte Kinos in Hamburg bis zu 50.000 Euro aus dem Notprogramm „Kino Hilfe Hamburg“.

Als „Super-Nachricht“ indes bewertet Sprengart die Initiative von Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die gestern einen Sonder-Kinoprogrammpreis ankündigte, ausgestattet mit fünf Millionen Euro, um Programmkinos zu helfen. Das Union-Kino war 2018 Bundessieger im Kurzfilmprogramm, 2016 das Provinzkino beim Kinderprogramm. Sprengart rechnet mit zusätzlichen 20.000 Euro aus dem Extra-Topf. Damit könne man ein bis zwei Monate Kinoschließung gerade so überleben, wenn sich Vermieter und Energieversorger weiter kulant zeigten. Hauptziel aber sei aber, wieder öffnen zu dürfen.

„Hoffentlich bald ein Ende absehbar“

Ähnlich sieht es Michael Kaltenegger von den Roxy Kinos in Neustadt, der derzeit in den Vorbereitungen seines Autokino-Vorhabens steckt, das am Samstag in Lachen-Speyerdorf öffnen soll. Das Angebot sieht er als Chance, die Zeit bis zur regulären Öffnung zu überbrücken. „Es ist hoffentlich bald ein Ende absehbar.“ Bis jetzt hat er mit Gutscheinen oder der Idee einer „Geistervorstellung“ kleinere Einnahmen gehabt, auch Soforthilfe beantragt und für drei Mitarbeiter Kurzarbeitergeld anmelden können. „Die Aushilfskräfte aber fallen durchs Raster“, bedauert er.

Mit dem Autokino wäre das Roxy das einzige Programmkino der Pfalz, das sich derzeit für eine Landesförderung qualifiziert. Signale, dass im Land reguläre Kinos wieder öffnen dürfen, gibt es nicht. So laufen etwa die Filmfestspiele „Heimat Europa“ in Simmern (9. August bis 6. September) nun nur als Autokino-Event statt im Pro-Winzkino Simmern.

x