Festival des deutschen Films RHEINPFALZ Plus Artikel Uwe Ochsenknecht und „Tatort“-Stars kommen nach Ludwigshafen

Wird am 29. August in Ludwigshafen ausgezeichnet: Uwe Ochsenknecht.
Wird am 29. August in Ludwigshafen ausgezeichnet: Uwe Ochsenknecht.

„Mehr Filme, mehr Gäste, mehr Preise“: So kündigt die Leitung des Festivals des deutschen Films in Ludwigshafen die 21. Ausgabe an. Sie ist wieder ein Balanceakt.

Zwei Schauspielpreise vergibt das Festival dieses Jahr: an den eher leisen Rainer Bock – ein Festivaldauergast sozusagen, der ganz in seinen Rollen aufzugehen scheint –, und an den in Mannheim aufgewachsenen Uwe Ochsenknecht, der raumgreifend spielt und auch durch seine Präsenz in Boulevardmedien bekannt ist: Die Wahl dieser beiden ganz gegensätzlich arbeitenden Schauspieler als Preisträger spiegelt wider, was die Festivalmacher Michael Kötz und Daniela Kötz auch für das gesamte Festivalprogramm im Sinn haben: Anspruch und Unterhaltung sinnhaft miteinander zu verbinden.

Rainer Bock erhält am 2. September den zweiten der beiden diesjährigen Schauspielpreise der diesjährigen Festivalausgabe.
Rainer Bock erhält am 2. September den zweiten der beiden diesjährigen Schauspielpreise der diesjährigen Festivalausgabe.

Da das Festival sich zum großen Teil selbst finanziert, vor allem über den Ticketverkauf und die Gastronomie, geht das Team auf sein Publikum bewusst ein. Michael und Daniela Kötz, die das Festival als gemeinnützige GmbH führen, fragen sich dabei, was die Parkinsel-Gäste wohl sehen möchten, wie weit sie auch mit schwierigen Filmen konfrontiert werden können. Die Zuschauer gehen bei dieser Gratwanderung stets mit, hat Michael Kötz beobachtet, „Sie wollen keine Action. Sie wollen Filme, die ihnen zu denken geben, die einen Erfahrungshorizont herstellen, die eine gewisse Tiefe haben und auch existenzielle Fragen stellen.“ Das Publikum goutiere Filme mit einer besondern Gestimmtheit und Atmosphäre, kurz: einer sorgfältig und stimmig entwickelten Ästhetik.

Leiten das Festival im 21. Jahr: Daniela und Michael Kötz.
Leiten das Festival im 21. Jahr: Daniela und Michael Kötz.

Zugleich aber hätten die Zuschauer auch „nichts dagegen, dass Filme lustig sind“. Daher gelte es, auch Filme zu finden, „die unterhaltsam sind, aber nicht doof“. Um dieses Spektrum abzubilden, gibt es diesmal klare Hinweise im Programmheft. Die Filmauswahl ist erstmals in vier Gruppen aufgeteilt, sozusagen von leichterer Unterhaltung bis zu hehrer Filmkunst.

Sieben Filme sind der Rubrik „gefällige Unterhaltung“ zugeordnet: Darunter ist etwa die Komödie „Der Club der starken Frauen“ mit dem in der Nordpfalz aufgewachsenen Matthias Koeberlin. Die zweite Stufe mit „anspruchsvollen Unterhaltungsfilmen“ umfasst 26 Werke, die, so Kötz, „etwas mehr verlangen vom Publikum“. Darunter sind Komödien wie „Alter weißer Mann“ mit Jan Josef Liefers oder Krimis wie der neue Ludwigshafener „Tatort“ mit Ulrike Folkerts und Lisa Bitter, die auch beide wieder auf die Parkinsel kommen wollen: „Mike & Nisha“ hat am 28. August Premiere. In die dritte Stufe „stilbewusste Meisterwerke“ sind 27 Filme eingeordnet, darunter alle 14 Beiträge im Rennen um die drei Hauptpreise des Festivals. Bei diesen Filmen – etwa „Heldin“ mit Leonie Benesch oder „Islands“ von Jan Ole Gerster – sei „die Balance zwischen Form und Inhalt perfekt“. Und schließlich sind vier Filme der Kategorie „Dokument & Essay“ zugeordnet, dazu gehört die neue Hildegard-Knef-Dokumentation.

Kommen wieder auf die Parkinsel mit einem neuen Ludwigshafen-„Tatort“: Ulrike Folkerts und Lisa Bitter.
Kommen wieder auf die Parkinsel mit einem neuen Ludwigshafen-»Tatort«: Ulrike Folkerts und Lisa Bitter.

Insgesamt 275 Vorstellungen umfasst das Programm in diesem Jahr. Darunter sind auch Sondervorführungen mit regionalen Stoffen. Auch einige internationale Filme sind im Programm, Michael Kötz empfiehlt vor allem „Le Déluge“. Und es gibt wieder das Kinderfilmfestival mit sieben Beiträgen, vom neuen „Heidi“-Film bis zur vielgelobten Dokumentation „Zirkuskind“. Eine RHEINPFALZ-Kinderjury vergibt am 7. September den „Goldenen Nils“ an den besten Film.

Der Wallander-Star kommt – leicht verspätet

Zum Festivalauftakt läuft am 20. August die Komödie „Petra geht baden“ mit Rolf Lassgård und Ulrike Kreiner, die auch zur Eröffnungsgala kommt. Der berühmte Wallander-Darsteller wird zur zweiten Vorstellung am 23. August erwartet. Schauspielpreisträger Rainer Bock stellt seinen Film „Karla“ vor, der auch im Wettbewerb um den Filmkunstpreis steht, und gibt mit dem Wissenschaftsjournalisten Harald Lesch eine Lesung aus Werken des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Uwe Ochsenknecht präsentiert den Film „Die Ironie des Lebens“, in dem er einen alternden Comedian spielt. Der Hunsrücker „Heimat“-Regisseur Edgar Reitz, der den Ehrenpreis des Festivals erhält, wiederum zeigt seine neue Kinoarbeit „Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“, ein äußerst sehenswerter und lange nachwirkender philosophischer Film über die Suche nach Wahrhaftigkeit, mit Edgar Selge als Leibniz und Lars Eidinger als eitler Maler. Neue Arbeiten stellen auch Regiepreisträger Kai Wessel und Drehbuchpreisträger David Ungureit vor.

Edgar Selge spielt in Edgar Reitz’ neuem Film „Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“ den Philosophen Gottfried Wilhelm L
Edgar Selge spielt in Edgar Reitz’ neuem Film »Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes« den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz, der sich malen lassen möchte – und ins Sinnieren gerät.

„Dass Menschen zusammenkommen in unserer Zeit, die von Vereinzelung geprägt ist, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben, ist wichtig“, sagt Michael Kötz über die größere gesellschaftliche Rolle des Festivals. „Wir sind Herdentiere, allein fühlen wir uns nicht wohl.“ Die Parkinsel-Zeltlandschaft biete auch insgesamt einen besonderen Raum, die Chance auf „eine Auszeit“. Und die Atmosphäre könne dafür sorgen, „dass man sich fühlt, als sei man selber in einen guten Spielfilm geraten, in dem man mitspielt“. Denn eigentlich sei „das Festival selbst eine Inszenierung“.

Die 21. Ausgabe ist für Michael Kötz auch Gelegenheit, zurückzublicken. „Das Festival hat eine unglaubliche Außenwirkung für Ludwigshafen, es ist ein Markenzeichen für die Stadt“, spricht er die „Aufbauarbeit“ an. Die Stadt und das Festival gehörten nun in den Köpfen zusammen, so wie Bayreuth und Wagner oder Kassel und die Documenta. Das Festival mit einem Budget von rund drei Millionen Euro trage sich zu 75 bis 80 Prozent selbst – die Förderung von öffentlicher Hand beträgt weiter 100.000 Euro von der Stadt und 150.000 Euro vom Land, rund 15 Prozent der Kosten fangen Sponsoren ab.

Das Festival

Die 21. Ausgabe des Festivals des deutschen Films läuft von 20. August bis 7. September in der Zeltlandschaft auf der Parkinsel.
Zur Eröffnung am 20. August läuft „Petra geht baden“ mit Stargast Ulrike Kreiner und den Wandermusikanten um die Westpfälzer Brüder Vanecek. Erstmals wird zeitversetzt die Eröffnungsrede auch im zweiten Kino gehalten, auch das Filmteam stellt sich zwei Mal live vor.
Folgende Preisvergaben stehen bereits fest: Ehrenpreis für Regisseur Edgar Reitz (23. August), Vergabe des Drehbuchpreises an David Ungureit (24. August), Übergabe des Regiepreises an Kai Wessel am 26. August, Verleihung der Schauspielpreise an Uwe Ochsenknecht (29. August) und Rainer Bock (2. September).
Weitere Gäste, die ihr Kommen bisher zugesagt haben, sind die frühere Schauspielpreisträgerin Anne Ratte Polle, Rolf Lassgård, Milan Peschel, Andrea Sawatzki und Christian Berkel, Urike Folkerts und Lisa Bitter, Ulrich Tukur, der einen neuen Murot-„Tatort“ präsentiert, Burghart Klaußner, Wolfram Koch (der aktuelle Hagen der Nibelungenfestspiele) und Edin Hasanovic, der den neuen Frankfurter „Tatort“-Kommissar spielt.
Eintrittskarten gibt es ab 28. Juli unter www.fflu.de

Eine RHEINPFALZ-Kinderjury prämiert wieder den besten Kinderfilm mit dem „Goldenen Nils“.
Eine RHEINPFALZ-Kinderjury prämiert wieder den besten Kinderfilm mit dem »Goldenen Nils«.
Die Wandermusikanten rund um die Schneckenhausener Wandermusikanten spielen zur Festivaleröffnung am 20. August ab 22 Uhr.
Die Wandermusikanten rund um die Schneckenhausener Wandermusikanten spielen zur Festivaleröffnung am 20. August ab 22 Uhr.
x