Architektur Unverschämt gut: Ein Berliner Umbau ist die Architektur des Jahres
Der Berliner Architekt kommt mit Fischermütze daher – und mit Hund an der Leine. Ein ehemaliger Schiffskonstrukteur, lässig im Grobstrickpullover. Peter Grundmann ist berühmt in der Szene für seine steilen Wohnhäuser. Sein am Freitagabend vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt und dem Unternehmen JUNG ausgezeichnetes ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik – ist die Werkstattbühne für den 2012 gegründeten Verein KUNSTrePUBLIK.
Der Verein organisiert Ausstellungen und Nachbarschaftsmärkte, zeigt Performances und unterhält eine Reparaturwerkstatt. Nun ist sein Standort, ein ehemaliger Güterbahnhof im Moabiter Stadtgarten, also auch Anziehungspunkt für Architektur-Faszinierte.
Kern des Gebäudes ist eine ehemalige Lagerhalle im Erdgeschoss. Sie wird umhüllt von einer Konstruktion aus wenig Stahl und viel Glas – gleichzeitig ein so guter Wärmeschutz, dass keine zusätzliche Dämmung nötig ist.
Auf einer vorgespannten Decke ist ein zweites Geschoss eingebaut. Ganz unten befindet sich ein Gewölbekeller, heute Schauraum und Bar. Ein Laubengang erschließt die flexibel nutzbaren Räume des Baus. Umlaufende Stahltreppen, wie schwebend. Sie verbinden die beiden Geschosse und führen hinauf zu einer fast 600 Quadratmeter großen Dachterrasse. Ausblick frei.
Subtil fügt sich Element an Element. Neue Stützen neben alten Wänden tragen die Lasten – alles haptisch erlebbar. Die komplexesten Anschlüsse der Fassaden hat der Architekt mit Freunden selbst gebaut, ohne Baufirmen. Ein wahrer Baumeister. Grundmann hat dadurch auch Kosten gespart. „Ist das schon illegal?“, meint der DAM-Preis-Juror Oliver Elser – auch angesichts von 2000 Euro Baukosten pro Quadratmeter Bruttofläche. „Dieser ungewöhnliche Bau vereint Gestaltungswillen und Können, Haltung und Gestaltung“, lautet eine Begründung der Jury dafür, dass sich die Architektur gegen 100 andere Nominierte durchgesetzt hat.
Aus Rheinland-Pfalz schaffte es die Halle S // 46 in Altenkirchen von Aretz Dürr Architektur in die engere Auswahl der 23 Besten. Aus Mannheim standen dagegen mit der Grundschule von LRO Lederer Ragnarsdóttir und einem Wohngebäude von sauerbruch hutton zwei Architekturen aus dem Mannheimer Franklin Village auf dieser Shortlist.
Ausstellung
DAM Preis 2026. Die besten Bauten in/aus Deutschland, bis 10. Mai im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt. www.dam-online.de