Ostern
Suchen und finden: Philosophie um das Ei
Guter Rat vorab
Sich nicht zu viel Druck machen. Gelassen bleiben: „Was man sucht, es lässt sich finden, was man unbeachtet lässt, entflieht“, wie Sophokles (497-406 v. Chr.) sagt, der griechische Philosoph. „Wage es zu wissen“ (wo Oma die Eier versteckt hat), der Königsberger Kollege Immanuel Kant (1724-1804). Bleiben Sie dramatisch achtsam, dann lassen sich auch die Pralinés unter der Massenware orten. Mit den besten Empfehlungen von Johan Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy (1801-1862), Autor, Schauspieler und Opernsänger aus Österreich: „Man muss den Dingen beistehen, dass sie sich finden lassen“. Vergessen Sie – nur für einen Moment – sich selbst, Sie werden die besten Teile aus der Bettritze klauben. Lassen wir es den guten alten Hegel (1770-1831) sagen: „Die Aufmerksamkeit enthält also die Negation des eigenen Sichtgeltendmachens und das Sichhingeben an die Sache.“ Nur Mut! „Ich weiß, dass ich nichts weiß?“ (Sokrates), papperlapapp! Wissen lässt sich mit Thornton Wilder (1897-1975), einem auffallend lebensbejahenden US-Autor, schon mal: alles eine Frage der Zeit. „Mit 40 fängt man an das Wertvolle zu suchen. Und mit 50 kann man anfangen zu finden.“ Lassen Sie sich nur keine grauen Haare wachsen. Die Jungspunde sollen mal machen. Sie werden nur Vollmilch mit nix sonst finden, was soll’s? Dann mal los.
Suchstrategien
Friedrich Nietzsche (1844-1900) bekennt in „Jenseits von Gut und Böse“: „Ich suchte, wo der Wind am Schärfsten weht“, aber wo hat ihn das hingeführt? Also! „Du findest oft in Flüssen, was du in Ozeanen nicht finden kannst“, rät eine alterslose Weisheit der indigenen Bevölkerung Nordamerikas, schon besser, zumindest, wenn man an der Queich wohnt. „Glaube an dein Glück, so wirst du es erlangen“, habt die Zuversicht von Ali ibn Abu-Talib (600-661), dem Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Warum auch nicht? Vielleicht erst einmal den Überblick gewinnen. Bedenken Sie mit dem Franzosen Maurice Merleau-Ponty (1908-1961): „Sehen heißt ein Feld von sich zeigendem Seienden betreten, und keines vermöchte sich zu zeigen, könnte es nicht auch hinter anderem oder in meinem Rücken verbergen.“ Zu kompliziert? Wenn nichts mehr hilft, halten Sie es mit Goethe (1749-1832): „Willst du immer schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“
Trost
Man muss sich das klar machen, nicht alle können die meisten mit veganer Farbe aus regionalen Pigmenten gefärbten Ostereier einstreichen. Was soll’s auch? „Wer sucht, findet nicht, aber wer nicht sucht, wird gefunden“, hoffte Franz Kafka (1883-1924). „Wer sucht, der geht leicht selbst verloren“ ängstigte sich Nietzsche. Romantikern ist mit Novalis (1772-1801) eh klar: „Wir suchen überall das Unbedingte und finden nur die Dinge.“ Ostereier mit Blattgold und Kupfer, pffff! Die Sorte 71-prozentige Schokolade Guayas, mit Marzipan, Vanillekaramell und Brombeeren, ach was. Es ist Ostern, Amen, was kann uns der süße Tand schon bedeuten, wenn uns das Wesentliche abgeht? „Man soll Dich lieber nichtfindend finden, als etwas findend Dich nicht finden“, so Kirchenvater Augustinus (354-430) in seinen „Bekenntnissen“. Verstehen Sie? Gott ist mit den Erfolglosen.