Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Star mit Straßenkötercharme: Uwe Ochsenknecht wird 70 Jahre alt

Ein Stück deutscher Filmgeschichte: 1992 spielte Uwe Ochenknecht in Helmut Dietls „Schtonk!“.
Ein Stück deutscher Filmgeschichte: 1992 spielte Uwe Ochenknecht in Helmut Dietls »Schtonk!«.

Geheimratsecken, Knautschgesicht und ein intensiver Blick, der oft leicht spöttisch wirkt: Uwe Ochsenknecht ist ein echter Charakterkopf. Am 7. Januar wird der Mannheimer 70.

Das Kinopublikum verdankt Uwe Ochsenknecht unvergessliche Szenen und Charaktere. In „Männer“ etwa fuhr er mit Heiner Lauterbach in Unterhose Paternoster, in „Das Boot“ verkörperte er den wettergegerbten Bootsmann, und in der Satire „Schtonk!“ spielte er den schlitzohrigen Fälscher der Hitler-Tagebücher. Nun wird der ewig jugendlich wirkende Waldhöfer, der im Vorjahr beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen bestens aufgelegt mit einem Preis für Schauspielkunst geehrt wurde, 70 Jahre alt – und selbst im Rentenalter ist er noch jener ungeschminkte Typ, der jedwedes Pathos ablehnt und aus seinem Herzen keine Mördergrube macht.

Die Bühne als Zuflucht

Uwe Ochsenknechts oft zitierter „Straßenkötercharme“ kommt nicht von ungefähr. „Ich komme aus einfachen Verhältnissen, und das hat mich geprägt“, sagt der Schauspielstar. Über seine Kindheit schrieb er 2013 in seiner Autobiografie „Was bisher geschah“ ungeschönt offen. Als Uwe Adam Ochsenknecht wurde er am 7. Januar 1956 im hessischen Biblis geboren und wuchs in Mannheim auf – seine Eltern waren 1951 aus der DDR in den Westen geflohen. Sein Vater, ein Feinmechaniker mit dem Traum von einer Opernkarriere, war cholerisch und gewalttätig. Ochsenknecht: „Ich hatte furchtbare Angst vor der körperlichen Gewalt meines Vaters und hasste ihn abgrundtief dafür.“

Die Bühne wurde für den Jungen zur Zuflucht, besonders nachdem er mit 15 Jahren am Mannheimer Ludwig-Frank-Gymnasium zum dritten Mal nicht versetzt worden war und von der Schule flog. Das Mannheimer Nationaltheater engagierte ihn als Komparsen und für Kinderrollen. Ochsenknecht holte seinen Hauptschulabschluss nach, studierte schließlich in Bochum Schauspiel – inklusive Ballettunterricht. Disziplin und Trotz gingen von Anfang an Hand in Hand.

Unvergesslich: Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht (von links) 1985 in „Männer“.
Unvergesslich: Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht (von links) 1985 in »Männer«.

Der Durchbruch kam für den Jungen aus Mannheim 1981 mit dem Kultfilm „Das Boot“, der ihn national wie international bekannt machte – bis heute einer seiner persönlichen Karrierehöhepunkte. In diese Zeit fiel allerdings auch ein dunkleres Kapitel: 1982 saß Ochsenknecht, damals in München lebend, vier Wochen in Untersuchungshaft. Der Vorwurf lautete Drogenhandel, am Ende wurde er zu einer Geldstrafe von 10.000 D-Mark und zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

1985 machte ihn seine Rolle als Lebenskünstler in der ikonischen Komödie „Männer“ zum Sexsymbol, ein Etikett, das er mit humorvoller Distanz trug. Bis heute wirkt Uwe Ochsenknecht mitunter wie ein Berufsjugendlicher – dabei ist er mehrfacher Großvater. Aus seiner Ehe mit Natascha Ochsenknecht stammen die Söhne Wilson Gonzalez und Jimi Blue, die in die Fußstapfen ihres berühmten Vaters traten und mit den „Wilde Kerle“-Filmen früh selbst zu Stars wurden. Seine Familie sorgt regelmäßig für Schlagzeilen – zuletzt stand Jimi Blue wegen einer unbezahlten Hotelrechnung vor Gericht. Das angespannte Verhältnis des Vaters zu seinem jüngsten Kind Cheyenne soll sich neuerdings gebessert haben. Zudem hat Ochsenknecht einen Sohn aus einer früheren Beziehung, Rocco Stark: Er nahm 2012 an der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ teil.

Ganz nahbar wirkte Uwe Ochsenknecht im August 2025 in Ludwigshafen, wo ihn die Festivalleiter Daniela und Michael Kötz mit einem
Ganz nahbar wirkte Uwe Ochsenknecht im August 2025 in Ludwigshafen, wo ihn die Festivalleiter Daniela und Michael Kötz mit einem Preis für Schauspielkunst ehrten.

Uwe Ochsenknecht ist eine Figur zwischen Feuilleton und Boulevard, aber sein eigenes Privatleben hält er ganz gerne aus der Öffentlichkeit heraus. Mit seiner zweiten Frau Kirsten „Kiki“ Viebrock lebt er auf Mallorca, wo er seit 2017 die Musikbar „Sa Cova“ (Deutsch: „Die Höhle“) betreibt. Musikalisch ist Ochsenknecht von jeher selber aktiv, sang in wechselnden Rockbands und veröffentlichte mehrere Alben. In der ProSieben-Show „The Masked Singer“ performte er, im flauschigen Kostüm eines Kiwi-Vogels, Songs wie „Rebell Yell“ von Billy Idol.

Eine neue TV-Show

In mehr als 175 Filmen hat Uwe Ochsenknecht bisher mitgespielt. Dabei waren die makellosen Helden, die mal eben die Welt retten, nie sein Rollenfach von – seine Männer sind eher jovial wie der Therapeut in den „Familie Bundschuh“-Filmen oder großspurig wie sein Uli-Hoeneß-Verschnitt in der Satire „Die Udo Honig Story“. Als Müllmann mit Herz und Schnauze erreicht er in der ARD-Reihe „Die Drei von der Müllabfuhr“ ein Millionenpublikum. Und kurz nach seinem Geburtstag wird er nun Moderator des True-Crime-Formats „Uwe Ochsenknecht präsentiert: Die 7 Todsünden“ (Kabel 1, ab 9. Januar).

Auch bei den Nibelungenfestspielen in Worms war Uwe Ochsenknecht schon dabei, 2016 spielte er in „Gold. Der Film der Nibelungen“
Auch bei den Nibelungenfestspielen in Worms war Uwe Ochsenknecht schon dabei, 2016 spielte er in »Gold. Der Film der Nibelungen«.

Sein Testament hat er übrigens schon geschrieben, gab Ochsenknecht zu Protokoll, als 2024 seine Tragikomödie „Die Ironie des Lebens“ über die Liebe und den Tod ins Kino kam. Danach gefragt, wie er sich seine eigene Bestattung vorstellt, sagte er gewohnt forsch: „Das ist mir völlig wurscht.“

Er ist eben ein unsentimentaler Typ, interessiert sich nicht für Statussymbole und das, was er den „Schickimicki-Zirkus“ nennt. Was für ihn das schönste Lob sei, sagte er einmal in einem Interview: „Wenn die Leute zu mir sagen, ich sei normal geblieben.“

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